Musterdepots: Warum der Immobilien-Kaufrausch irrational ist

Musterdepots: Warum der Immobilien-Kaufrausch irrational ist

, aktualisiert 20. Februar 2017, 18:36 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Dem Minizinsen auf dem Sparkonto durch Hauskauf entfliehen – diese Anlagestrategie verfolgen derzeit viele Deutsche. Unvernünftig sei das, findet Alexander Kovalenko und erklärt, warum. Die Musterdepots im Überblick.

In ihrem aktuellen Bericht weist die Bundesbank auf die Preisübertreibungen am deutschen Immobilienmarkt hin. Tatsächlich erlebt man in der Bundesrepublik einen regelrechten Immobilien-Run. Aufgrund der fehlenden Renditen bei den Sparanlagen gepaart mit der für Deutschland traditionellen Unbeliebtheit der Aktien ist die Nachfrage nach Wohnimmobilien in den letzten Jahren rasant gestiegen. Stellt dies aber ein rationales Verhalten dar? Unseres Erachtens bieten die Dividendenpapiere im aktuellen Umfeld langfristig ein attraktiveres Chance-Risikoprofil, vor allem für diejenigen, die ihr komplettes Kapital in eine Wohnung oder in ein Haus investieren möchten.

Wir sehen einige Argumente, die momentan gegen Immobilienanlagen sprechen. Zum einen haben die Preise in Ballungsgebieten astronomische Höhen erreicht haben. Viele kontern damit, dass die Finanzierungskosten dagegen gesunken sind. Das stimmt zwar, in den meisten Fällen macht aber ein hoher Anschaffungspreis diesen Vorteil zunichte. Außerdem können die Finanzierungskosten ab jetzt fast nur noch steigen. Zum anderen stellt die Illiquidität einen massiven Nachteil dar, was bei einem unerwarteten größeren Liquiditätsbedarf sehr unangenehme Folgen haben kann. Des Weiteren vergisst man oft, dass die Immobilienpreise durchaus fallen können. Wenn ein zu 75 Prozent fremdfinanziertes Haus 25 Prozent seines Wertes verliert, kann dies einen Anleger deutlich schmerzhafter treffen, als eine 25-prozentige Korrektur am Aktienmarkt.

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Denn das Erste zerstört faktisch das gesamte Eigenkapital. Darüber hinaus ist der Immobilienbesitz mit laufenden Reparatur- beziehungsweise Instandhaltungskosten sowie mit der Altersentwertung verbunden, welche ein Mieter nicht hat. Ein Immobilienkauf kann natürlich durchaus sinnvoll sein, wenn man nur einen Teil seines Vermögens investiert und somit eine Diversifikation schafft. Es wäre allerdings nicht ratsam sein komplettes Kapital für eine Immobilie einzusetzen und dies vor allem, wenn sie fremdfinanziert wird. Wir empfehlen ein diversifiziertes Portfolio, welches neben Immobilien und festverzinslichen Anlagen auf jeden Fall einen signifikanten Aktienanteil beinhalten sollte. Wie dieser aufgebaut werden kann, versuchen wir mit unserem langfristigen transaktionsarmen Musterdepot zu zeigen.


Abwärtsrisiken übersteigen Ertragschancen

Die Wertentwicklung des Portfolios ist zuletzt etwas unter die langfristig anvisierte Renditespanne von sechs bis acht Prozent pro Jahr gerutscht. Umgerechnet entspricht das aktuelle Plus einem Ertrag von fünfeinhalb Prozent per annum. In den Zielkorridor zurückkehren wird die Performance, sobald die Übertreibungsphase am Aktienmarkt ausläuft.

Falls Dax & Co. nur noch auf der Stelle treten oder nach unten korrigieren, steigt der Portfoliogewinn bis Dezember auf über 26 Prozent – das wären knapp über acht Prozent per annum. Selbst gegen einen deutlicheren Abverkauf am hiesigen Aktienmarkt ist das Depot vollständig abgesichert. Mehrere Reverse-Bonuszertifikate kompensieren in diesem Szenario die Verluste anderer Positionen.

Auf ihrem aktuellen Kursniveau halte ich die Abwärtsrisiken ungleich höher als die Ertragschancen. Die meisten Investoren blenden aufziehende Gefahren im europäischen Superwahljahr aus. Darauf deutet etwa ein spezielles Barometer hin: Der VStoxx-Index misst die von Investoren erwartete Schwankungsstärke am europäischen Aktienmarkt und ist bis in das unterste Fünftel seiner langjährigen Handelsspanne gesunken.

Dazu kommen mögliche konjunkturelle Risiken, die momentan ebenfalls eher unterbewertet werden. So hat sich etwa die Kauflaune im Euro-Raum im Februar unerwartet eingetrübt. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die von der EU-Kommission zum Wochenstart veröffentlicht worden sind: Das Barometer für das Verbrauchervertrauen sank demnach auf minus 6,2 Punkte. Experten hatten dagegen mit einer Stagnation gerechnet.


Erhöhte Volatilität bietet gute Einstiegschancen

Die sehr guten Vorgaben in den ersten Monaten im Jahr 2017 aus Amerika haben die europäischen Aktienmärkte aufgenommen und bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Dax notiert oberhalb von 11.800 Punkten. Gleichwohl - die Herausforderungen in den nächsten Monaten werden nicht weniger in Europa.

Die Niederlande, Frankreich und Deutschland wählen. Politik dürfte 2017 mehr denn je das Wohl und Wehe an den Kapitalmärkten bestimmen. Wir sehen den Aktienmarkt zwar langfristig positiv, erwarten jedoch in 2017 eine erhöhte Volatilität im Dax, welche uns in den nächsten Monaten immer wieder Einstiegsmöglichkeiten bieten dürfte.

Eine Korrektur kann schon bis zu fünf Prozent betragen. Wir rechnen für die kommenden sechs Wochen jedenfalls mit keiner Wiederholung der Rally des Vorjahres, sondern mit fallenden Märkten – auch in den USA, nicht nur in Deutschland. Wenn es zu einer Korrektur kommt, fallen die Zinsen – das ist kein gutes Umfeld für Banken. Dagegen dürften Dividenden-Aktien aus den Bereichen Telekom, Basiskonsumgüter, aber auch Gold gefragt sein.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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