Musterdepots: „Wir bezweifeln die Nachhaltigkeit der Erholung“

Musterdepots: „Wir bezweifeln die Nachhaltigkeit der Erholung“

, aktualisiert 28. Juni 2016, 17:32 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Musterdepotstratege Daniel Hupfer glaubt nicht, dass die Anleger wieder ins Risiko gehen wollen und erwartet bald wieder fallende Kurse. Und für Georgios Kokologiannis ist die Zeit der Schönwetter-Depots vorbei.

FrankfurtDie Zeit der Schönwetter-Depots ist vorbei. Und durch „Kaufen und liegenlassen“ kann man mit Aktien in den kommenden Jahren keine nachhaltigen Gewinne mehr erwirtschaften. Davor wird an dieser Stelle bereits seit 2014 gewarnt. Stattdessen sei aktives Depotmanagement oder der Einsatz spezieller Finanzinstrumente zwingend, um an der Börse noch Geld zu verdienen.

Und ein Rückblick bestätigt: Wer zeitgleich zum Start der Musterdepots vor zweieinhalb Jahren zwanzigtausend Euro in europäische Standartaktien investiert hat, sitzt auf viertstelligen Verlusten. Knapp fünf Prozent hat der Leitindex Euro Stoxx 50 seitdem eingebüßt – Dividendenausschüttungen bereits eingeschlossen. Der Performanceabstand zum aktiv geführten Handelsblatt-Portfolio beträgt damit satte zwanzig Prozent.

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Auch mit Sparplänen sind passive Anleger nicht besser gefahren, die von Arglosen immer wieder gerne als eine Art Wundermittel gegen Verlustgefahren angepriesen werden: Bei monatlichen Einzahlungen in einen thesaurierenden Euro-Stoxx Indexfonds statt einer Einmaleinlage liegt die Rendite ebenfalls mehr als fünf Prozent im roten Bereich.

Hintergrund für den Sparplan-Mythos: Durch Sparraten lasse sich angeblich das Risiko verringern im Vergleich zur Einmalanlage. Denn wer regelmäßig über einen längeren Zeitraum investiere, profitiere angeblich sogar davon, wenn die Aktienkurse abrutschen - schließlich bekomme er dann mehr Anteile für sein Geld.

Doch bei kritischem Hinsehen zeigt sich: Der angebliche Durchschnittskosteneffekt („Cost Average“) ist irreführend. Auch bei Sparplänen können ähnliche Verluste wie bei einer Einmalanlage lauern - oder noch größere. Hintergrund: Das Endergebnis hängt maßgeblich vom Zeitraum ab, in dem investiert wird.

Entscheidend ist vor allem die Börsenlage zum Ausstiegszeitpunkt. Denn zum Ende der Sparphase hat sich mehr Geld angesammelt, das Schwankungen ausgesetzt ist. Von einer möglichen Boomphase am Anfang - so wie beim aktuellen Euro-Stoxx-Beispiel bis zum Frühjahr 2015 - profitiert der Anleger gleichzeitig kaum, da erst wenig Geld in Börsenprodukten steckt.


"Wichtiger als kurzfristige Trends sind die Unternehmens-Kennzahlen"

In Krisenzeiten reagiert die Börse besonders sensibel auf Äußerungen von Politikern, den Geschäftsklima- oder den Einkaufsmanagerindex. Tagtäglich erhalten wir Erklärungsversuche, weshalb die Aktienkurse gerade stark steigen oder ähnlich steil fallen. Ohne Frage: Privatanleger wie Portfoliomanager sollten die aktuellen Entwicklungen bei ihrer Investitionsentscheidung im Blick behalten.

Für beide Personengruppen gilt jedoch: Das Tagesgeschehen darf einen nicht zu sehr unter Druck setzen. Wichtiger als kurzfristige Trends sind die Kennzahlen eines Unternehmens. In Anbetracht der täglichen Informationsflut mag man als Anleger schnell den Überblick verlieren. Viele Privatanleger folgen nur noch ihrem Herdentrieb und investieren nicht mehr rational, sondern rein auf der Basis von Gefühlen und Emotionen.

Holger Degener, verantwortlich für das „Eigenkapital und Dividende Deutschland“ Wikifolio sieht das ähnlich. „Am Freitag haben die Märkte die vorherigen Gewinne wegen der Spekulation, dass England drin bleibt, wieder abgegeben. Mehr ist eigentlich nicht passiert.“ Und in diesem Sinne hat er dann gleich am Montag seine Position in freenet aufgestockt.

Auch Sebastian Reese, verantwortlich für das „SR wisdom capital spekulativ“ Wikifolio war nicht untätig. Nach der Beruhigung der Märkte kaufte er erste Tradingpositionen in Nordex und der Deutschen Post. Im Edelmetalsektor ist er mit Great Panther schon gestern fündig geworden.


"Wir rechnen mit einem Wechselbad der Gefühle"

Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU zu stimmen, ist unserer Meinung nach ökonomisch weniger bedeutsam, als aus politischer Sicht. Dennoch sollte die aktuelle Verunsicherung zu konjunkturellen Bremsspuren in Europa und insbesondere in Großbritannien führen.

Die heftige Marktreaktion am Freitag vergangener Woche zeigt, dass viele Investoren an den Finanzmärkten einen Brexit nie ernsthaft in Erwägung gezogen haben. Die gestrige Erholung der Aktienmärkte ist nach dem Absturz der Vortage nicht unüblich, wir bezweifeln allerdings die Nachhaltigkeit dieser Bewegung.

So fehlen uns derzeit die Argumente dafür, dass die Marktteilnehmer ihre Risikoaversion wieder abbauen werden und die Quoten risikobehafteter Anlageklassen wieder deutlich anheben. Wir rechnen in den kommenden Wochen einmal mehr mit einem Wechselbad der Gefühle. Auch wenn wir unsere Aktienquote etwas reduziert haben, raten wir insgesamt nicht in Panik zu verfallen.

Positiv zu werten war der Ausgang der Wahl in Spanien, die am vergangenen Sonntag stattgefunden hat. So ist der erwartete Linksruck ausgeblieben, so dass weiterer politischer Sprengstoff für die Europäische Union zunächst ausgeblieben ist. Die Nachrichtenlage um den Brexit wird die Kapitalmärkte in den kommenden Wochen weiter beschäftigen, wird sich allerdings wie häufig in der Vergangenheit zu beobachten war, auch mit der Zeit abnutzen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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