Musterdepots: Wirtschaftswachstum schwächt sich ab

Musterdepots: Wirtschaftswachstum schwächt sich ab

, aktualisiert 06. September 2016, 18:40 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Kann die Geldpolitik der EZB die Wirtschaft überhaupt wirksam stimulieren? Die aktuellen Wachstumszahlen für die Euro-Zone fallen jedenfalls eher enttäuschend aus, meint Musterdepot-Experte Alexander Kovalenko.

Das europäische Statistikamt Eurostat hat am Dienstag die Daten zum Wirtschaftswachstum der Euro-Zone im zweiten Quartal 2016 veröffentlicht. Unter dem Strich ist das Bruttoinlandsprodukt des Euro-Raums um 0,3 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Im ersten Quartal betrug das Wachstumstempo noch 0,5 Prozent. Frankreich und Italien – die jeweils zweit- bzw. drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone – konnten kein Wachstum verzeichnen. Deutschland lag mit 0,4 Prozent leicht über dem Durchschnitt.

Trotz eines positiven Vorzeichens ist dieses Ergebnis unseres Erachtens besorgniserregend. Wenn man die immensen Anstrengungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Betracht zieht, die gerade die Stimulierung der Konjunktur als Ziel haben, fällt das verzeichnete Wachstum unproportional klein aus.

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Die Investitionsausgaben der Privatfirmen zeigen sich bisher total unbeeindruckt von den gigantischen Liquiditätsströmen seitens der EZB. Immer häufiger diskutiert man die Frage, ob die unkonventionelle Geldpolitik der EZB die Wirtschaft überhaupt wirksam stimulieren kann? An den Finanzmärkten sind die Folgen der EZB-Maßnahmen dagegen nicht zu übersehen. Vor allem der europäische Anleihenmarkt scheint signifikant verzerrt zu sein und weist in vielen Segmenten Blasenmerkmale auf.


Große Nachfrage nach Unternehmensanleihen

Am Dienstag hat das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis sowie der Dax-Konzern Henkel angekündigt, neue Unternehmensanleihen zu begeben.

Das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis ist auf die Bereiche Onkologie, Herz-Kreislauf und Zentrales Nervensystem spezialisiert und hat sich in Euro verschuldet. Das Medikament Lantus ist das erste Insulinanalogon mit langer Wirkdauer sowie das umsatzstärkste Export-Arzneimittel Deutschlands.

Die Anleihen von Sanofi-Aventis weckten bei den Marktteilnehmern ein Interesse von über 7,5 Milliarden Euro, obwohl die gebotene Rendite über die unterschiedlichen Laufzeiten deutlich unter 0,50 Prozent geblieben ist.

Henkel als weltweit tätiger Markenartikelhersteller im Konsumenten- und Industriegeschäft hat die aktuelle Marktphase genutzt, um verzinsliche Anleihen in den unterschiedlichen Währungen Euro, US-Dollar und britische Pfund zu emittieren. Dabei unterschieden sich die Laufzeiten von zwei Jahren bis fünf Jahren. Die Renditen entsprachen der Zinsstrukturkurve.

Für Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren wurden gerade etwa 0,05 Prozent und für die fünfjährige Laufzeit magere 0,25 Prozent geboten. Henkel wollte 2,25 Milliarden Euro einsammeln. Das Interesse war mit elf Milliarden Euro fünfmal höher.

Aufgrund des großen Interesses dürften die Anleihen trotz der niedrigen Kupons eine Kurssteigerung von ein bis zwei Prozent bieten.


Geldschleusen geöffnet

Bereits seit einigen Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldschleusen weit geöffnet, ist von ihren Zielen wie solides Wirtschaftswachstum und Inflation in Höhe von zwei Prozent aber immer noch weit entfernt. Nun tagen am Donnerstag erneut die Notenbanker. Und Börsianer spekulieren bereits darauf, dass die EZB der Bank of Japan folgt und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) kauft.

Das Problem solch einer Maßnahme: Dieses Geld würde nicht in die Realwirtschaft fließen, sondern den Anlegern zugutekommen. Und das kann eigentlich kein Ziel der EZB sein.

Eine weitere Schwierigkeit:  Welche ETFs auf europäische Indizes sollen gekauft werden? In großen europäischen Indizes wie beispielsweise dem Euro Stoxx 50 sind eher Firmen aus den großen Volkswirtschaften wie zum Beispiel Deutschland oder Frankreich vertreten. Länder wie Portugal oder Irland wären klar im Nachteil. Mehr Geld der Notenbanker für deutsche Unternehmen – der Streit in der EU wäre vorprogrammiert.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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