Mythos oder Wahrheit: Die Dividende als Weg aus der Zinsfalle?

Mythos oder Wahrheit: Die Dividende als Weg aus der Zinsfalle?

, aktualisiert 07. März 2017, 16:13 Uhr
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Die Zinsen sind abgeschafft, aber die Dividenden sprudeln.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Dax-Firmen verwöhnen Aktionäre mit Ausschüttungen von über 30 Milliarden Euro. Die Dividendenrendite liegt bei fast drei Prozent. Von diesen Renditen können Anleihebesitzer nur träumen. Sind Dividenden die neuen Zinsen?

DüsseldorfFlossen früher in regelmäßigen Abständen ein paar hübsche Sümmchen auf die Konten von Sparern, sind es heute eher Cent-Beträge. In Zeiten von Niedrigst- und sogar Nullzinsen ist es vorbei mit den regelmäßigen und vor allem nennenswerten Erträgen, die das Ersparte abwarf. Ausschüttungsstarke Aktien können ein Ausweg sein. Sie werden nicht umsonst immer wieder als Alternative genannt. „Dividenden sind die neuen Zinsen“, heißt es dann oft. Aber stimmt das überhaupt, oder gehört diese Aussage ins Reich der Mythen?

Wahrheit oder Mythos? Ganz klar: Mythos! Oder wie es Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank, formuliert: „Dieser Spruch ist ein netter Marketing-Gag, um Anleger für Dividendenfonds und Vergleichbares zu begeistern.“ Er ist nicht der einzige Banker, der das so sieht. Auch für Ralf Zimmermann vom Bankhaus Lampe ist das ein „hübsches Marketing-Argument pro Aktie“.

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Trotzdem kann er diesem Argument einiges abgewinnen. „Es hat einen wahren Kern, aber Anleger sollten sich der Einschränkungen bewusst sein“, sagt der Anlagestratege. Richtig sei, das risikofreie Anleihen mit Zinsen von gerundet null Prozent nicht attraktiv seien und offensichtlich nicht geeignet seien, das Vermögen nominal, geschweige denn real – also nach Abzug der Inflation – zu mehren.

Richtig sei auch, dass die Dividendenrendite der Dax-Werte mit 2,7 Prozent deutlich höher sei als die Zinsen deutscher Staats- aber auch vieler Unternehmensanleihen – während bis Ende 2008 deutsche Anleihen immer einen Renditevorsprung gegenüber Aktien geboten hätten. „Aktien bieten demnach eine höhere Ertragschance als Anleihen. So weit, so gut“, sagt Zimmermann. „Allerdings flüstert das Argument auch eine nicht vorhandene Sicherheit ein, die viele Anleger mit dem Begriff ‚Zinsen‘ verbinden.“

Und genau da liegt das Problem: Natürlich sind Aktien keine Anleihen, sie haben ein ganz anderes Risikoprofil. Die optisch attraktive Dividende kann bereits in ein oder zwei Handelstagen weg sein. „Wer am 30. Dezember 2015 den Dax gekauft hat, lag mit seinem Investment die ganze Zeit bis August 2016 hinten, zwischenzeitlich rund 16 Prozent“, rechnet Zimmermann vor. „Erst nach der US-Wahl im November hat sich Blatt gewendet.“ Das heißt: Aktien schwanken, es gibt zwar eine höhere Renditechance als mit Anleihen – aber eben auch ein höheres Risiko. „Wer dies nicht aushalten kann oder möchte, sollte sich Aktien nur sehr dosiert nähern“, sagt Anlageexperte. „Allerdings zahlt man einen Preis: die Rendite ist kümmerlich.“


Renditechance spricht für Aktien

Die höhere Rendite spricht aktuell, aber vor allem langfristig für Aktien – und die Dividende ist natürlich ein Teil dieser Rendite. Trotzdem sind Dividenden nicht die neuen Zinsen. „Substanziell besteht zwischen einer Dividendenzahlung und einer Zinszahlung ein himmelweiter Unterschied“, betont Commerzbank-Stratege Schickentanz. „Letztere ist üblicherweise vertraglich garantiert und nur in Ausnahmefällen wie zum Beispiel der Zahlungsunfähigkeit nicht zu leisten, während Dividenden auch bei guter Geschäftsentwicklung gekürzt oder ganz gestrichen werden können.“ Letzteres kann beispielsweise dadurch passieren, dass das Management eines Unternehmens eine große Übernahme stemmen oder verstärkt investieren möchte.

Viele Unternehmen verfolgen allerdings eine sehr konservative Dividendenpolitik und versuchen ihre Ausschüttungen konstant zu halten. Vor allem milliardenschwere Pensions- und Investmentfonds in Großbritannien und den USA legen Wert auf stabile Ausschüttungen und kalkulieren mit ihnen. Eine stabile Dividende hilft über so manche Ertrags- und Kursdelle hinweg. Die großen Vorbilder kommen von der Wall Street: McDonald‘s zahlte 1976 die erste Dividende und hat sie seitdem in jedem Jahr angehoben. Der Tabakkonzern Philip Morris überweist seinen Anlegern seit mehr als 80 Jahren, der Ölriese Exxon-Mobil seit 125 Jahren und der Pharmakonzern Eli Lilly sogar seit 130 Jahren ununterbrochen Dividenden. An diese Tradition kommen die deutschen Topkonzerne noch nicht heran.

Zuletzt konnten sich Aktionäre diesseits und jenseits des Atlantiks über konstante bis leicht steigende Ausschüttungsquoten freuen. Die 30 Dax-Konzerne schütten sogar so viel aus wie nie. Auf knapp 31 Milliarden Euro dürften sich 2017 die Auszahlungen summieren, das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr. „Dividenden haben in den vergangenen Jahren wirklich nicht stark geschwankt“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Das lag allerdings auch an einer weitgehend konjunkturbefreiten Aufwärtsbewegung der westlichen Industrieländer. In den USA steuern wir auf den zweitlängsten Aufschwung der US-Wirtschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu.“ Doch irgendwann wird auch dieser Boom enden und die Geschäfte der Unternehmen werden weniger rund laufen. „Bei der nächsten Rezession werden auch die Dividendenrenditen wieder schwanken“, ist Kater deshalb überzeugt.

Doch so weit ist es noch nicht. Aktuell sprudeln die Ausschüttungen, und Aktionäre können sich nach den Hauptversammlungen ihrer Unternehmen über ihre Überweisungen freuen. Dennoch sind die Aktien ausschüttungsfreudiger Firmen kein Ersatz für Anleihen mit hohem oder doch zumindest auskömmlichem Zinskupon. Denn bekanntlich kann nicht nur die Dividende schwanken, auch die Aktienkurse können – und tun – es.

Natürlich sind auch Kursgewinne möglich, je länger der Anlagezeitraum wird, desto wahrscheinlicher sind sie sogar. Viele Vorteile und gute Argumente sprechen für ausschüttungsstarke Aktien, aber deshalb sind Dividenden nicht die neuen Zinsen. „Dieser Spruch stellt die Investmentrealität auf den Kopf“, bringt es Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (IVA) auf den Punkt. „Er wird auch nicht wahr, wenn ihn alle wiederholen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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