Nach dem Referendum: Türkische Börse behauptet Gewinne

Nach dem Referendum: Türkische Börse behauptet Gewinne

, aktualisiert 18. April 2017, 11:37 Uhr
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Am 18. August 2015 fiel die türkische Lira auf ein Rekordtief. Und auch jetzt sehen die wirtschaftlichen Perspektiven nicht gut aus.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Märkte haben relativ stabil auf den Ausgang des türkischen Referendums reagiert. Die Börse notierte etwas höher als vor der Abstimmung. Dennoch drängen die wirtschaftlichen Probleme – vor allem die Lira-Schwäche.

IstanbulDer Aktienmarkt in der Türkei hat sich nach dem Verfassungsreferendum stabil gehalten. Aus Sicht von Investoren gibt es nach der hohen Unsicherheit vor der Abstimmung für ein Präsidialsystem nun mehr Klarheit. Nach dem knappen Sieg von Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte der türkische Leitindex ISE 100 am Montag um 0,66 Prozent zugelegt. Am Dienstag zeigte sich der Börsenindex fast unverändert und notierte zuletzt 0,04 Prozent tiefer bei 90.618 Punkten.

Die Wirtschaft am Bosporus ist aufgrund der politischen Krise stark unter Druck geraten. Für 2017 hat die Weltbank ihre Wachstumsprognose für die Türkei schon auf 2,7 Prozent gesenkt. Im vergangenen Jahr brachen die Direktinvestitionen laut dem Wirtschaftsministerium um 31 Prozent ein. Die Arbeitslosigkeit lag zuletzt bei 12,7 Prozent – dem höchsten Stand seit sieben Jahren. Zudem hielten sich deutsche Urlauber mit Türkei-Reisen zurück. Die Einnahmen im Tourismus fielen daher um fast 30 Prozent.

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Auch die Schwäche der türkischen Lira belastet die Wirtschaft: Die Landeswährung hat in den vergangenen Monaten wegen der politischen Krise und den Terroranschlägen in der Türkei kräftig an Wert etwa gegenüber dem Euro verloren, da sich Anleger zurückhalten. Gegenüber dem Dollar hat die Lira binnen eines Jahres sogar rund 30 Prozent abgewertet. Das verteuert die Importe des rohstoffarmen Landes.

Kurzzeitig erholte sich die Lira am Ostermontag, dem Tag nach dem Referendum: Der Dollar verbilligte sich auf bis zu 3,62 Lira. Diese kurzzeitige Erholung des Lira-Kurses war nach Ansicht von Commerzbank-Analysten aber nur eine Episode. Sie erwarten, dass sich die türkische Währung im Vergleich zum Dollar in den kommenden Monaten wieder in Richtung 3,75 Lira bewegen wird. Am Dienstag kostete ein Dollar 3,68 Lira, die türkische Währung notierte damit bereits wieder schwächer.

Die Verfassungsänderung werde nichts daran ändern, dass sich die Lira im Vergleich zum Dollar wegen der unstabilen politischen Lage in der Türkei seit etwa zwei Jahren abschwäche, erklärten die Analysten in ihrem Kommentar.

Die türkische Regierung will sich nach dem Verfassungsreferendum nun stärker um die Wirtschaft kümmern. Sowohl die Inflation als auch die Arbeitslosigkeit sollen gesenkt werden, sagte Finanzminister Naci Agbal am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Das Wachstum solle dabei nicht vom Staatssektor ausgehen, sondern von der Privatwirtschaft. Die Regierung werde zudem keine Steuermaßnahmen beschließen, die die Inflation weiter nach oben treiben könnten. Die Teuerungsrate liegt derzeit mit über elf Prozent auf dem höchsten Stand seit 2008.

Bei der Abstimmung am Sonntag hatten laut Wahlbehörde 51,4 Prozent der Türken für eine Verfassungsänderung gestimmt, die Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr Macht gibt. Damit könnte Erdogan künftig per Dekret regieren, den Ausnahmezustand beschließen, das Parlament auflösen und Minister entlassen. Vorerst bleiben der Ministerpräsident und die Regierung allerdings im Amt. Erst nach Wahlen, die im Jahr 2019 geplant sind, wird der Präsident sowohl Staats- als auch Regierungschef. Erdogans islamisch-konservative Partei AKP hat argumentiert, die Änderungen seien nötig, um in unruhigen Zeiten eine starke Führung zu garantieren. Kritiker sehen hingegen Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte in Gefahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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