Nach der Wahl: Saxo Bank: Bitte keinen harten Euro!

Nach der Wahl: Saxo Bank: Bitte keinen harten Euro!

Bild vergrößern

John Hardy von der Saxo Bank sieht die Euro-Zone in Gefahr

von Hauke Reimer

Europa kann keinen harten Euro vertragen, also muss Merkel ihn weicher machen, sagt der Währungsexperte der dänischen Saxo Bank.  Wird sie aber nicht -  stattdessen droht ein Euro-Mikado einer  neuen Koalition, bei dem sich niemand bewegt.

Irgendwie goutieren unsere europäischen Nachbarn unser Wahlergebnis nicht. Gestern waren es die Analysten der französischen Société Generale die rummäkelten, Deutschland werde unter Inflation wegen Lohnerhöhungen und unter fehlenden Strukturreformen leiden. Dass dieser Vorwurf aus Frankreich kommt, treibt so manchen Leser auf die Palme. "Wer im Glashaus sitzt…"  ist noch eine der harmloseren Repliken auf die Studie.

Der Chefanalyst eines renommierten Frankfurter Wertpapierhauses sagte mir, vermutlich wolle die Bank günstig rein in deutsche Aktien oder sie sei short, spekuliere also auf fallende Kurse – ein übler Verdacht, den ich nicht teile, die SG Analysten, allen voran der verehrte Albert Edwards, traten bisher immer als ziemlich unabhängige Köpfe in Erscheinung. Und dass sie den Dax bewegen können, nun ja, danach sieht es im Moment auch nicht aus, der hält sich ziemlich brav zwischen 8600 und 8700 Punkten.

Anzeige

"Große Ungewissheit"

Heute fällt  ein Kommentar von John J. Hardy auf. Der ist Währungsanalyst bei der dänischen Saxo Bank. Wie die SG-Analysten stechen auch die Dänen oft durch originelle Thesen aus dem oft glattgebügelten Einheitsbrei des Banken-Research hervor. Diesmal  vollzieht er aber einige argumentative Verrenkungen, die so manchen abermals auf die Palme bringen könnten. Versuchen wir, sie nachzuvollziehen:

Die Wahl lasse den Euro "in großer Ungewissheit", mäkelt der Saxo-Banker. Merkel müsse koalieren und die Märkte gingen davon aus, dass ein Bündnis aus CDU/CSU und SPD oder Grünen zu noch größeren Konzessionen gegenüber den Südländern bereit seien, als die alte schwarz-gelbe Regierung. So weit, so klar.

Börse nach der Wahl Französische Analysten: „Raus aus deutschen Aktien“

Die Analysten der französischen Société Generale empfehlen, deutsche Aktien und Anleihen „aggressiv“ zu verkaufen.

Ein Händler geht über das Parkett in der Börse in Frankfurt am Main und spiegelt sich dabei in einem Logo des Deutschen Aktienindexes Quelle: dpa

Hardy hält ein solches entgegenkommen aber nicht für ausgemacht. Im Gegenteil: Jede EU-relevante Entscheidung werde künftig auf ihre möglichen innenpolitischen Auswirkungen innerhalb einer Koalition, mit der keiner so richtig glücklich ist, überprüft. Zusätzlich, könnte man  Hardy ergänzen, droht im Hintergrund noch die außerparlamentarische Opposition, weniger die mit sich selbst beschäftigte FDP  als die vor Selbstbewusstsein strotzende, eurorettungskritische AfD.  Ergebnis wäre eine Art Euro –Mikado der neuen Koalition: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. 

Keine neuen Visionen

Merkel, meint Hardy, werde auch in einer neuen Koalition ihre beim Wähler erfolgreiche Linie nicht verlassen: Hier und dort kleine Zugeständnisse, aber keine "neue Vision für Europa". Nur die, argumentiert  Hardy reichlich überraschend, könnte den Euro erst mal etwas weicher machen. "Der Euro wird nur schwächer, wenn Merkel sich vollkommen der EU verpflichtet und der EZB mehr Aktivitäten erlaubt", sagt Hardy. Gemeint ist: Merkel muss zum Beispiel  mehr Käufe notleidender Staatsanleihen oder zum Beispiel Eurobonds zulassen. Wird sie aber nicht, weil  sich in der Koalition niemand bewegt.  Also steigt der Euro.

Weitere Artikel

Der Euro ist zur Zeit schon bombenfest. Das hat aber nichts mit der Wahl zu tun, sondern liegt an der Fed:  Die US-Notenbank will ihre Gelddruckprogramme erst mal  doch noch nicht zurück fahren, kein Tapering also – obwohl gestern ja schon wieder der Verdacht eines Tapering-Starts im Oktober ("Octapering") von einem Fed-Offiziellen genährt wurde, aber das nur  nebenbei. Weiter mit Hardy: Selbst wenn die Fed jetzt bremst, wird sie ihre Bilanzsumme, grob gesagt: die Summe  des auf den Markt geworfenen Geldes, in diesem Jahr um eine Billion Dollar erweitert haben. Die EZB ihrerseits dürfte ihre Bilanz im gleichen Zeitraum um ein Viertel gekürzt haben. Reichlich Dollar, weniger Euro, da ist klar, wohin die Reise geht – zu einem stärkeren Euro.

Ein weiter  steigender Euro aber dürfte ganz schnell die Spannungen innerhalb der Eurozone verschärfen. Soll heißen: Die wettbewerbsschwachen   Unternehmen der Südstaaten  würden durch den starken Euro auf dem Weltmarkt noch weniger wettbewerbsfähig, weil der ihre Produkte  verteuert. Selbst  die deutsche Exportkonjunktur könnte leiden, und damit auch der Dax. "Das letzte, was Europa braucht, ist ein starker Euro", meint Hardy am Ende. Ja ,ich weiß schon, was Sie jetzt  sagen: Die Saxo Bank sei im Euro short, setze also auf einen fallenden Euro. Doch das ist, Sie ahnen es schon, ein übles Gerücht.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%