Nach JP-Morgan-Empfehlung: Run auf obskure Ukraine-Papiere

Nach JP-Morgan-Empfehlung: Run auf obskure Ukraine-Papiere

, aktualisiert 05. April 2017, 12:00 Uhr
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Eine 100-Dollarnote inmitten von 500 Hryvnia-Scheinen aus der Ukraine: Die US-Bank hat spezielle Anleihen aus dem Land zum Kauf empfohlen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Nachfrage nach Rendite angesichts rekordniedriger Zinsen treibt seltsame Blüten: Kaum empfiehlt die US-Bank JP Morgan eine komplexe, sehr risikoreiche Anleihe, schon steigt der Kurs um mehr als 20 Prozent.

LondonDie US-Bank JP Morgan Chase hat eine vernachlässigte Ecke des Marktes für Hochzins-Anleihen aus Schwellenländern ins Rampenlicht gerückt. Ukrainische Anleihen, die von der Ex-Sowjet-Republik genutzt wurden, um eine Schuldenrestrukturierung im Jahr 2015 unter Dach und Fach zu bringen, legten vergangene Woche um mehr als 20 Prozent zu. Es war der stärkste Kursanstieg seit der Emission.

Zuvor hatte JP Morgan eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Scheine nur bei einem Drittel ihres wahren Wertes gehandelt werden. Der 25 Seiten starke Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Auszahlungen auf die Papiere wahrscheinlich deutlich über ihren derzeitigen Preisen liegen werden - auch wenn sie schwer zu errechnen sind.

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Die Papiere waren nicht auf dem Radar der Investoren, weil sie in keinem großen Schwellenmarkt-Bond-Index enthalten sind und bis zum Jahr 2021 auch keine Zinsen bieten. Danach werden nur Zinsen gezahlt, wenn das ukrainische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 35 Prozent auf 125,4 Milliarden Dollar klettert.

Die Studie von JP Morgan rückt die Wertpapiere wieder ins Blickfeld zu einer Zeit, da viele Händler hungrig sind auf höher rentierende Anleihen - angesichts von rekordniedrigen Zinsen in einem Großteil der Industriestaaten.

„Die Scheine bewegten sich nach unten und dann wurde plötzlich dieser Bericht veröffentlicht und die Leute entdeckten sie wieder“, berichtet Viktor Szabo, ein Anleihefonds-Manager bei Aberdeen Asset Management, der die Papiere selbst besitzt und bei den staatlichen Dollar-Bonds des Landes übergewichtet positioniert ist. „Unsere Bewertung würde nicht so weit gehen wie die von JP Morgan“, sagt er. Doch selbst wenn man die Bewertungen der US-Bank halbiere, haben seiner Ansicht nach die Papiere im Vergleich zum aktuellen Kurs noch Potential.

Die Papiere waren Bestandteil der 15 Milliarden Dollar schweren Umschuldungsvereinbarung der Ukraine. Sie sollten einen Anreiz für Gläubiger wie Franklin Templeton bieten, um Abschreibungen von 20 Prozent auf den Nominalwert der Anleihen und Verzögerungen bei den Rückzahlungen zu akzeptieren.

Investoren, die die Scheine besitzen, können bis 2040 zweimal jährlich eine Auszahlung erhalten, wobei der Auszahlungsbetrag vom BIP-Wachstum des Landes bestimmt wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass die ukrainische Wirtschaftskraft genug anziehen wird, um im Jahr 2021 die Auszahlungsgrenze zu durchbrechen.

Die Analysten von JP Morgan sehen den fairen Wert der Papiere bei 79,5 Cent je Dollar Nominalwert. Die Anleihen waren innerhalb einer Woche von 29,55 Cent (23. März) auf 37,22 Cent je Dollar (30. März)gestiegen. JP Morgan hatte die Studie am 24. März veröffentlicht. Die Bank gesteht aber ein, dass die bewaffneten Auseinandersetzungen mit pro-russischen Rebellen im Osten ein großes Risiko darstellen, falls sich die Kämpfe verschlimmern und das Land Gebiete oder Produktionsanlagen verliert. Zum Vergleich: Ukrainische Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis Ende 2022 bieten derzeit eine Rendite von rund 13 Prozent.

Die Zentralbank senkte vergangenen Monat ihre Wachstumsprognose für 2017 von 2,8 Prozent auf 1,9 Prozent, nachdem das Land eine Handelsblockade gegen seine östlichen Separatisten-Regionen verhängt hatte. Die Blockade verzögerte einen Kredit des IWF über eine Milliarde Dollar, der dann am Montag genehmigt wurde.

„Wir glauben, dass der derzeitige Abschlag beim Preis gegenüber unseren Schätzungen für den fairen Wert ausreichend ist, um für diese Risiken zu entschädigen. Mit der Zeit wird eine Korrektur einsetzen, wenn sich Marktteilnehmer die Zahlungsmodalitäten genauer ansehen“, schrieben die JP-Morgan-Analysten um Nicolaie Alexandru Chidesciuc. „Die Preise werden letztlich nach oben korrigieren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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