Nachfahre des Neuen Marktes: Das schwere Erbe des TecDax

Nachfahre des Neuen Marktes: Das schwere Erbe des TecDax

Der Untergang des Neuen Marktes vor zehn Jahren war gleichzeitig die Geburtsstunde des TecDax. Der hat zwar weniger Skandale hervorgebracht, wird aber trotzdem nicht von allen geliebt.

Viele Anleger erinnern sich mit Grausen, mancher Börsianer hielt es für einen heilsamen Schock: Heute vor genau zehn Jahren wurde der Neue Markt geschlossen. Dennoch schummeln sich die Auswüchse der Dotcom-Blase immer wieder in die Köpfe der Anleger - noch heute schrecken viele vor Aktienkäufen zurück, weil sie an den großen Crash Anfang des Jahrtausends denken.

Im März 1997 eröffnet, sollte das Segment schnell wachsenden Mittelständlern zu Kapital verhelfen. Vor allem Unternehmen aus rasch wachsenden Branchen wie der Telekommunikation sollten profitieren. Schließlich galt das Modell in den USA als erprobt. Vorbild war die US-Börse Nasdaq, die 1971 als weltweit erster vollelektronischer Marktplatz für Aktien der Computer- und Softwarebranche gestartet war. Zu Boomzeiten waren am Neuen Markt über 300 Unternehmen notiert. Der Index des Segments, der Nemax 50, erreichte fast 10.000 Punkte, brach dann aber drastisch ein. Bilanztricks, Insiderhandel und Kursbetrug gaben der New Economy den Rest.

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Doch der Untergang des Neuen Markts war gleichzeitig die Geburtsstunde des TecDax. Im März 2003 gegründet, werden dort die 30 größten Technologiewerte gerankt. Zum Start notierte der Index bei 350,95 Zählern, nach rund zehn Jahren steht er jetzt bei 958 Punkten. Er konnte also rund 170 Prozent zulegen. Seinen Höchststand erreichte er Ende 2007 mit 1.058 Punkten.

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Eigentlich eine Verlegenheitslösung, war der Technologiewerte-Index zunächst eine Erfolgsstory. Allein im ersten Jahr legte der TecDax zeitweise um bis zu 87 Prozent zu. Damit konnte er sogar das Vorbild Nasdaq jenseits des Atlantiks deutlich überflügeln. Das lag vor allem daran, dass die Zusammensetzung des Index im Gegensatz zu seinem Vorgänger Nemax 50 deutlich exklusiver war. Aufgrund der strengeren Auswahl stieg die durchschnittliche Marktkapitalisierung im Vergleich zum Nemax 50 um etwa 50 Prozent an. Das begeisterte vor allem institutionelle Investoren. Auch die Zahl der Insolvenzen hat sich natürlich gegenüber dem Neuen Markt deutlich reduziert. Ganz davon freisprechen konnte sich der Index trotzdem nicht, vor allem die Pleiten der zahlreich im Index vertretenen Solarwerte fielen ins Gewicht. Prominente Beispiele sind Q-Cells und der Modulhersteller Solon SE.

Zwar hat der TecDax das Vertrauen der Anleger in die Technologiewerte dennoch einigermaßen wiedererlangt. Kritik von Analysten gibt es trotzdem. Viele kritisieren, die Trennung in Old und New Economy sei mittlerweile überholt. Im Gegensatz zu den USA habe Deutschland schließlich nie die ganz großen Technologieunternehmen hervorgebracht. Entsprechend einseitig ist oft die Zusammensetzung des Indizes. Lange galt der Index als "SolarDax", denn zwischenzeitlich kamen knapp ein Drittel der gelisteten Unternehmen aus der Solarbranche. Aufgrund der jüngsten Pleiten hat sich das Bild mittlerweile wieder normalisiert.

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Auch die Zusammensetzung des Indizes ist vielen Analysten nicht auf den ersten Blick klar. Denn auch Unternehmen aus anderen Börsen-Indizes wie beispielsweise der im MDax gelistete Maschinenbauer Kuka haben viel mit Technologie zu tun. Viele Asset-Manager vermissen bei den Unternehmen im TecDax auch eine ausreichende Liquidität, die Aktien seien demnach eher für Privatanleger interessant. Die wiederum haben oft ein Auge auf die Dividenden. Bei den Ausschüttungen läuft der TecDax seinen Kollegen aus Dax, MDax und SDax allerdings deutlich hinterher, wie die Dividendenstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gezeigt hat.

Während 90 Prozent der im Dax gelisteten Unternehmen ihren Aktionären eine Dividende zahlen, sind es im TecDax lediglich 72 Prozent. Absolut konnte der TecDax leicht aufholen, 2013 wurde erstmals mehr als eine Milliarde Euro ausgeschüttet und damit mehr als im SDax (755 Millionen Euro). Allerdings war dieser Zuwachs fast ausschließlich dem Börsenneuling Telefonica Deutschland geschuldet.


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