Nachgefragt bei Euler Hermes: „Europas große Banken sind stabil“

Nachgefragt bei Euler Hermes: „Europas große Banken sind stabil“

, aktualisiert 13. Februar 2017, 12:49 Uhr
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Der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes, eine Tochter der deutschen Allianz, sitzt in La Défense.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Ludovic Subran ist Chefvolkswirt des Kreditversicherers Euler Hermes. Er erklärt, warum 2017 Jahr kein gewöhnliches Jahr sein wird, was er von den europäischen Banken hält – und ob die Trump-Rallye bereits zu Ende ist.

Sein Wort hat Gewicht: Ludovic Subran ist Chefökonom bei der Euler Hermes Gruppe, dem Weltmarktführer in der Kreditversicherung. Euler Hermes gehört zur deutschen Allianz und bietet Warenkreditversicherungen an. Mit ihnen können sich Unternehmen gegen das Risiko absichern, dass ein Abnehmer Waren nicht bezahlen kann. Um das Ausfallrisiko – und die Prämie für die angebotene Versicherung – abzuschätzen, analysiert die Euler-Hermes-Datenbank die Bonität von 40 Millionen Unternehmen weltweit. Sie bewertet auf einer Skala von 1 (sehr hohe Kreditwürdigkeit) bis 10 (insolvent) und liefert damit eine wichtige Risikoeinschätzung für Unternehmer über ihre Geschäftspartner. Mit dem Handelsblatt sprach der aus Frankreich stammende Experte, der das Gespräch lieber nicht auf Deutsch führte, über seine Erwartungen an den neuen US-Präsidenten – und was er jetzt kaufen würde, wenn er 10.000 Euro übrig hätte.

Herr Subran, der Machtwechsel in den USA zum neuen US-Präsident Donald Trump hat die Börsen zunächst euphorisiert, doch zuletzt wieder etwas ernüchtert. Ist der Trump-Rallye bereits die Puste ausgegangen?

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Nein, das glaube ich nicht. Es stimmt, dass die Investoren sich zuletzt wieder etwas zurückgehalten haben. Aber bisher hat Trump genau das gemacht, was er vorher angekündigt hat – weshalb ich die Verwunderung über seine Dekrete auch nicht ganz nachvollziehen kann. Wenn er diesen Kurs jedoch beibehält, dann dürfen wir noch in der ersten Jahreshälfte mit dem Startschuss für ein Infrastrukturprogramm rechnen, das bis zu einer Billion Dollar umfassen soll und aus privaten und öffentlichen Geldern gespeist werden soll. Wenn das passiert, dann geht der Dow Jones weiter durch die Decke.

In Europa kehrt dagegen die Angst vor der Eurokrise zurück. Wie berechtigt ist diese Sorge?

Nun, wir stehen vor einem hochpolitischen Jahr. Im März wird in den Niederlanden gewählt, im April/Mai in Frankreich und im September ruft Deutschland seine Bürger an die Urnen – das sind wichtige Weichenstellungen. Wenn in Frankreich die Rechtspopulistin Marie le Pen, die sich für einen Austritt aus der EU und ein Ende des Euro stark macht, an die Macht kommen sollte, wäre das in meinen Augen eine stärkere Erschütterung für Europa als die Entscheidung für einen Brexit im vergangenen Jahr in Großbritannien. Aber die gute Nachricht ist: Ich glaube nicht an einen Wahlsieg von le Pen. Wir Franzosen reden offen über Politik, anders als die Briten – und die Stimmung im Land ist weiter gegen le Pen.

Hat die Politik in Europa ihre Lektion gelernt?

Ich glaube, dass die EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker eine sehr politische Administration ist. Sie haben verstanden, dass man seine schmutzige Wäsche hinter verschlossenen Wänden waschen muss – und nicht in der Öffentlichkeit. Aber natürlich sehen wir uns auch in Europa mit einer neuen Welle von Populisten konfrontiert, die die Europäische Gemeinschaft in Frage stellen – und die Wahlen in diesem Jahr werden Aufschluss darüber geben, wie stark ihr Einfluss ist.

Eine neue Eurokrise könnte auch die Banken treffen. Wie stabil steht der Sektor in Europa da – und wie stabil ist die Deutsche Bank?

Der Bankensektor in Europa ist insgesamt ziemlich stabil. Wenn es doch zu Problemen kommt, wie jüngst in Italien bei Monte dei Paschi, dann werden rasch pragmatische Lösungen gefunden. Ich mache mir darum um die großen Kreditinstitute keine großen Sorgen – auch nicht um die Deutsche Bank. Die großen Institute stehen so genau unter der Beobachtung der Finanzaufsicht, dass dort niemand auf die Toilette gehen kann, ohne das es die Kontrolleure nicht wissen. Außerdem würde notfalls – auch wenn es offiziell anders heißt – in letzter Konsequenz immer der deutsche Staat einspringen, wenn die Deutsche Bank in Schieflage geraten sollte, davon bin ich überzeugt.



Großbritannien steigt ab

Die amerikanische Notenbank unter Janet Yellen hat die Zinswende bereits eingeleitet. Was heißt das für die Europäische Zentralbank?

Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr mindestens drei Zinsschritte in den USA sehen werden – den ersten voraussichtlich bereits im März, denn die Politik von Trump heizt die Inflation an. EZB-Chef Mario Draghi kommt damit stärker unter Druck, ebenfalls die Schleusen des billigen Geldes etwas zu schließen. Ich glaube, er wird im laufenden Jahr vielleicht das Anleiheprogramm etwas zurückfahren und die Märkte allmählich darauf vorbereiten, dass wir in Europa ebenfalls die Talsohle durchschritten haben. Aber vor 2018 würde ich keinen Zinsschritt erwarten, obwohl die Inflation wieder zurückkommt.

Wenn Sie sich zwischen dem Dow Jones und dem deutschen Börsenindex Dax entscheiden müssten, wo würden Sie ihr Geld anlegen?

Eindeutig in den USA. Das deutsche Börsenbarometer scheint mir dagegen im Vergleich zu Frankreich etwas weit nach vorne gelaufen, da rechne ich in diesem Jahr eher mit einer Korrektur nach unten. Doch wenn Trump Wort hält, ist der Dow Jones eine ziemlich sichere Wette.

Deutschland ist eine Exportnation, die vom Freihandel lebt. Müssen wir uns darauf einstellen, dass dessen Hochzeiten hinter uns liegen?

Ja, es ist nicht mehr China allein, das seinen Markt gegen ausländischen Firmen abgrenzt. Auch die USA zeigen unter Trump unverhohlen nationalistische und isolationistische Tendenzen. Das macht es für die deutschen Unternehmen nicht einfacher. Aber sie werden damit klar kommen. Export liegt einfach in ihrer DNA. Und dauerhaft schaden sich solche Länder damit mehr selbst als anderen.

Aber der massive Niedergang, den viele direkt nach dem Brexit der Wirtschaft in Großbritannien vorhergesagt haben, ist vorerst ausgeblieben. Wird die Wirkung des Binnenmarktes überschätzt?

Die britische Premierministerin Theresa May ist eine beeindruckende Frau und niemand sollte Sie unterschätzen. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass die Briten noch in der EU sind und sich viele Folgen erst in den nächsten Jahren zeigen werden. Ich bin überzeugt, dass Großbritannien, das derzeit noch die sechstgrößte Wirtschaftsnation der Welt ist, in zehn Jahren nicht mehr unter den Top Ten sein wird.

Sie beschäftigen sich tagtäglich mit dem Auf- und Ab der Finanzmärkte. In welche Anlageform würden Sie derzeit persönlich investieren, wenn Sie 10.000 Euro verfügbar hätten?

Ich würde eindeutig in US-Aktien investieren. Das scheint mir derzeit die verlockendste Wachstumswette.

Herr Subran, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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