Nebenwerte: Warum die Kleinen eine gute Idee sein können

Nebenwerte: Warum die Kleinen eine gute Idee sein können

, aktualisiert 15. September 2016, 17:15 Uhr
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Auch Nebenwerte können gute Renditen erzielen.

von Catiana KrappQuelle:Handelsblatt Online

In Zeiten von Niedrigzinsen und Unsicherheiten wie dem Brexit fällt die Geldanlage immer schwerer. Kleine Nebenwerte können daher eine gute Ergänzung sein – haben aber auch ihre Nachteile.

FrankfurtVon der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hält Rainer Matthes wenig. „Früher war Preisstabilität das Ziel der EZB“, sagt der Anlagestrategie-Chef der Metzler Bank bei einem Pressegespräch, „heute ist dieses Programm Alibi“. Die Kapitalmärkte seien massiv manipuliert: Geldpolitik und Regulierung würden die Preisbildung treiben und zu starken Fehlallokationen von Kapital führen. Unternehmensanleihen würden jetzt bereits mit negativen Zinsen emittiert.

Außerdem gehört die Metzler Bank zu jenen, die fürchten, die EZB werde demnächst direkt Aktien kaufen. In dieser Situation ist es schwierig, Anlagesegmente zu finden, die eine gute Rendite bringen. Matthes stellt klar: „Aus unserer Sicht sind das die Nebenwerte.“ Sie gehörten in jedes ausgewogene Portfolio.

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Nebenwerte, das sind Aktiengesellschaften mit geringerem Börsenwert. Sie sind dementsprechend nicht in den großen Indizes wie dem Dax gelistet, sondern – wenn überhaupt – in MDax oder SDax. Daher werden sie Mid Caps, Small Caps oder Micro Caps genannt.

Lorenzo Carcano, der bei der Metzler Bank Portfolios für genau solche Unternehmen steuert, sagte: „Europäische Small Caps boten in der Vergangenheit besonders in schwierigen Marktphasen gute Einstiegschancen, und auch das Brexit-Referendum sorgte in diesem Segment nur für eine kurzzeitige ‚Abstrafung‘ an der Börse.“ Die jährliche Mehrrendite von Nebenwerten gegenüber Large Caps sei beachtlich: Einen Gesamtertrag von 6,55 Prozent im Jahr hätten die 200 kleinsten Aktien im Stoxx-Universum seit 1999 erzielt, im Gegensatz von nur 2,44 Prozent bei den 200 größten.

Eine ähnliche Schlussfolgerung lässt sich aus den Zahlen der Asset-Management-Gesellschaft Lupus alpha ziehen. Sie verglich den Verlauf des sogenannten Stoxx Europe TMI Small Index, der die Entwicklung kleinerer europäischer Unternehmen zeigt, mit dem Stoxx Europe 50, der fünfzig europäische Large Caps abbildet. Das Ergebnis: Hätte ein Anleger vor 15 Jahren in europäische Nebenwerte  investiert, dann hätte sich das Kapital bis heute fast verdreifacht.

Der Wert der 50 größten Unternehmen in Europa hingegen blieb im selben Zeitraum unterm Strich unverändert. Carcano von der Metzler Bank sagt, immer mehr Anleger würden die „unterschätzte Anlageklasse“ der Nebenwerte gerade entdecken.


Vom globalen Wirtschaftsgeschehen abkoppeln

Ein wichtiger Grund dafür: Kleine Unternehmen können sich besser vom globalen Wirtschaftsgeschehen abkoppeln. Das Wachstum in Europa ist seit der Finanzmarktkrise 2007 schwächer als zuvor. Das zeigen Zahlen der Metzler Bank. Small Caps seien davon aufgrund ihrer Geschäftstätigkeit in wachstumsstarken Nischen weniger betroffen, sagt Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management.

Marcus Ratz, Fondsmanager bei Lupus alpha sagt: „Bei Small und Mid Caps ist die Unternehmensvielfalt größer und es sind deutlich weniger Problembranchen vertreten. Dazu gehören beispielsweise Banken oder auch Energieunternehmen, die durch die Energiewende unter Druck geraten sind.“ 

In den letzten Jahren hätten Unternehmen im konsumnahen Bereich profitiert, so Ratz. „Das gilt auch für die Automobilbranche. Hier haben sich die kleineren Zulieferer deutlich besser als die großen Dax-notierten Hersteller entwickelt. Grund dafür waren die strengeren Auflagen zum CO2-Ausstoß.“ Das große Potential der Small Caps kommt aber auch dadurch zustande, dass sie noch nicht überall sind. „Kleinere Unternehmen können anfangen, in neue Märkte zu investieren“, sagt Carcano. Größere seien in der Regel schon dort.

So hat es wohl UDG Healthcare gemacht. Das Pharmaunternehmen hat sich laut Metzler Bank auf neue, stark wachsende Geschäftsfelder im Healthcare-Outsourcing fokussiert. In den vergangenen fünf Jahren legte der Aktienpreis des Unternehmens um 205 Prozent zu. „Kleinere können sich auch umpositionieren oder neue Produkte auf den Markt bringen. Large Caps können das nicht so einfach“, sagt Carcano. So können Small und Mid Caps leichter expandieren.

Auch die Volatilität ist bei Nebenwerten geringer als bei Large Caps. Nach Berechnungen von Lupus alpha lag sie beim Stoxx Europe TMI Small zwischen den Jahren 2000 und 2016 bei rund 17 Prozent, beim Stoxx Europe 50 hingegen bei rund 21 Prozent


Nachteile der Nebenwerte

Natürlich haben auch Nebenwerte ihre Nachteile. „Bei Nebenwerten bestehen höhere Liquiditätsrisiken“, so Carcano. Die Wertentwicklung kleiner Aktiengesellschaften hängt zudem stärker von Kreditrichtlinien der Banken ab, als die von Dax-Unternehmen. „Nach dem Brexit befürchteten wir, dass es eine Verschärfung der Kreditlinien geben würde“, sagt Walk. „Aber dem war dann nicht so.“

Das wertet er als sehr positives Signal. Im Falle einer Rezession wären Nebenwerte im Portfolio schlecht. Carcano beruhigt aber auch hier: „Die Fallhöhe fehlt für einige Regierungen in Europa, denn viele sind durch die Krise wenig gewachsen. Deshalb ist ein Rutsch nach unten jetzt unwahrscheinlich.“

Wichtig ist natürlich wie bei jeder Geldanlage, sich genau zu informieren. „Es geht kein Weg an einer sorgfältigen Analyse der Geschäftsmodelle vorbei“, sagt Carcano. Es sei wichtig, dass bei einem Unternehmen mit strukturellem Wachstum zu rechnen sei.

Grundsätzlich raten Anlageexperten davon ab, einzelne Aktien zu kaufen und empfehlen Fonds. Da es bei kleineren Unternehmen schwieriger ist, an Informationen über deren Entwicklung zu kommen als bei großen, rät die Metzler Bank zu aktiven Fonds, bei denen ein Manager die Unternehmen im Blick behält und dementsprechend Aktien zusammenstellt. Nebenwerte seien zudem nur als Beimischung sinnvoll.

Michael Beumer von der Stiftung Warentest empfiehlt, dass der Anteil von Nebenwerten im Portfolio bei höchstens zehn Prozent liegen sollte. „Den Rest sollte man breit anlegen.“ Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät aufgrund des hohen Informationsbedarfs bei Nebenwerten dazu, grundsätzlich eher in Fonds anzulegen, die große Indizes nachzeichnen. „Zum Beispiel in den MSCI-World.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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