Neue Anleihe der Deutschen Bank : Schützen Coco-Bonds vor neuen Krisen?

Neue Anleihe der Deutschen Bank : Schützen Coco-Bonds vor neuen Krisen?

Bild vergrößern

Coco-Bonds sollen die Kapitalausstattung der Deutschen Bank aufmöbeln.

von Saskia Littmann

Als erstes Geldinstitut startet die Deutsche Bank in dieser Woche mit der Emission von Coco-Bonds. Was sich hinter den Anleihen verbirgt und warum sie immer beliebter werden.

In der Finanzbranche werden sie zum Trend, vielen Anlegern treiben sie ein großes Fragezeichen ins Gesicht: Coco-Bonds.

Nun geht auch die Deutsche Bank mit der Zeit und will als erstes deutsches Geldinstitut solche Anleihen herausgeben - im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt sollen bis Ende 2015 etwa fünf Milliarden Euro in die Kassen kommen. Die französische Société Générale hat die Anleihen bereits bedient, deutsche Banken wie die Commerzbank und einige Landesbanken könnten folgen.

Anzeige

Aber wie funktionieren diese Anleihen, die angeblich sogar vor Finanzkrisen schützen sollen?

Coco-Bonds ist die Kurzform von "Contingent Convertible Bonds". Zu deutsch: Zwangswandelanleihe. Soll heißen: Im Unterschied zu normalen Wandelanleihen werden sie von Fremd- in Eigenkapital gewandelt - wenn bestimmte Schwellenwerten erreicht werden.

Für den Investor heißt das normalerweise: Er bekommt Aktien des jeweiligen Unternehmens und wird damit vom Fremdkapitalgeber zum haftenden Aktionär.

Deutsche Bank Der Stress vor dem Stresstest

Der Jahresauftakt war für die Deutsche Bank schwierig, doch den Vorstand plagen ganz andere Probleme: Mit frischem Kapital muss er die Aufseher beruhigen – aber ohne die Aktionäre allzu sehr zu verärgern.

Für Jürgen Fitschen und Anshu Jain, die Doppelspitze der Deutschen Bank, ist der Start ins neue Jahr nicht so gut gelaufen. Der Vorsteuergewinn brach um ein Drittel ein. Quelle: Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank hat sich allerdings für eine andere Variante entschieden. Hier wird der Anleger im Fall des Wandels nicht Aktionär. Stattdessen sollen die Papiere zumindest vorläufig abgeschrieben werden, der Anleger wird also an den Verlusten des Instituts beteiligt.

Dazu muss man wissen: Ausgelöst wird der Zwangswandel durch schlechtes Wirtschaften - und zwar dann, wenn die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank unter einen Wert von 5,125 Prozent fällt.

Zurzeit liegt die harte Kernkapitalquote nach Basel-III-Standard bei 9,5 Prozent, bis März 2015 sollen es zehn Prozent sein.

Zunächst macht der Anleger also herbe Verluste, wenn der Grenzwert unterschritten wird. Allerdings wird er für dieses Risiko mit hohen Zinsen belohnt. Fondsmanager rechnen im Fall der Deutschen Bank mit rund sieben Prozent. Zugleich besteht die Möglichkeit, dass die Anleihen wieder hochgeschrieben werden. Die Bank kann das Geld also zurückzahlen, wenn sie sich erholt hat.

Anleger sollten angesichts der hohen Zinsen dennoch realistisch bleiben. Zum einen richten sich Coco-Bonds vor allem an institutionelle Anleger. Denn sie sollen in einer Stückelung ab 100.000 Euro verkauft werden.

Zum anderen darf der Haftungsfall nicht aus den Augen geraten. "Für den klassischen Anleger eignet sich die Anlagemöglichkeit sicherlich weniger, da er im Regelfall weniger Risiko eingehen möchte", sagt Frank Krekel von der Unikat Gesellschaft für Finanz-Management und Vermögensverwaltung.

Besseres Eigenkapital

Für die Bank kommen die Coco-Bonds daher wie gerufen. Denn die Zwangswandler stärken das Eigenkapital. Fällt die viel beachtete Eigenkapitalquote unter einen bestimmten Grenzwert, wird der Bond gewandelt. Durch das neu verfügbare Eigenkapital wird die Quote dann wieder aufgebessert. Damit verbessert das Unternehmen die Kapitalsituation, ohne Anleger mit einer klassischen Kapitalerhöhung an der Börse zu verschrecken.

weitere Artikel

Reicht das schon, um dem Ruf als Wunderwaffe gerecht zu werden? Wohl kaum.

Grundsätzlich gilt: Die Eigenkapitalausstattung einer Bank ist essenziell. Denn in der Finanzkrise reichte das Kapital der Banken nicht mehr aus, um Schulden gegenüber Sparern und Gläubigern zu begleichen. Der Staat musste einspringen, um den pleitebedrohten Instituten zu helfen.

Damit wurden nicht nur die Banken gerettet und die Sparer geschützt. Auch große Anleihegläubiger wie Versicherungen oder Pensionsfonds konnten aufatmen. Diese Rettung durch den Steuerzahler soll künftig vermieden werden. Durch eine verbesserte Kapitalausstattung sollen Banken mit Krisen selber fertig werden - und Anleihegläubiger sollen, wie im Fall der Coco-Bonds, in die Pflicht genommen werden.

"Grundsätzlich sind Coco-Bonds eine sehr positive Entwicklung", sagt Marcel van Leeuwen, Geschäftsführer der Deutsche Wertpapiertreuhand (DWPT). Investoren könnten sich nicht mehr darauf ausruhen, dass der Staat sie retten werde. Zudem hätten die Zwangswandler einen gewissen Erziehungseffekt für den Kapitalmarkt. Denn die langfristigen Risiken würden eingepreist - und nur so könne der Markt funktionieren.

Aus Sicht des Steuerzahlers klingt das zunächst gut. Denn er will nicht erneut für die Misswirtschaft der Banken haften. Was allerdings tatsächlich passiert, sollte ein Institut erneut in die Pleite rutschen, das weiß niemand - und daran ändern auch die Coco-Bonds nichts.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%