
FrankfurtAls vor rund zwei Jahren die Aktie des chinesischen Sanitärprodukteherstellers Joyou in den Handel startete, war bei einigen Aktionären die Freude sicher groß: Über 13 Prozent Gewinn konnten diejenigen einstreichen, die die Aktie gezeichnet hatten, zugeteilt bekamen und zum ersten Kurs auch gleich wieder verkauften. Wer bis zum heutigen Tage dem Unternehmen die Treue hielt, dürfte das dagegen bereut haben. Die Aktie ist mittlerweile nur noch gut die Hälfte wert.
Das ist kein Einzelfall. Die Aktien vieler Unternehmen, die in den vergangenen Jahren an der Börse debütiert haben - im Jargon IPO genannt -, haben an Wert eingebüßt. "Viele Aktien von IPO-Kandidaten wurden zuletzt mit zu viel Euphorie an den Markt gebracht. Dann holte die Marktteilnehmer die Realität ein, und die Kurse fielen - wie wir es zuletzt auch bei Facebook gesehen haben", erklärt Finanzmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. "Die Zeiten, wo ein Börsengang ein Selbstläufer war, sind vorbei." Diese Einschätzung teilt Carsten Klude von M.M. Warburg. "Die Euphorie nach einem Börsengang verfliegt schnell, und dann muss ein Unternehmen zeigen, ob es die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann."
Offenbar schafften das viele Börsenneulinge nicht. Besonders an den Aktien chinesischer Neulinge konnten sich die Investoren die Finger verbrennen. Oft steckte das Misstrauen gegenüber chinesischen Firmen dahinter.
Denn in den vergangenen Jahren waren mehrere asiatische Börsenneulinge in Nordamerika in den Verdacht geraten, ihre Bücher zu schönen. Hierzulande sorgte kürzlich Zhong De - der erste China-Börsengang in Frankfurt - für eine böse Überraschung, weil das Unternehmen die Veröffentlichung seiner Bilanz von Ende April auf Mitte Juni verschob.
Zudem sind es derzeit schwierige Zeiten für Börsenneulinge. Schließlich geht es am gesamten Aktienmarkt seit Jahren sehr nervös zu, und dem können sich die Unternehmen, die an die Börse streben, nicht entziehen.
Mit Kabel Deutschland, dem Chemiezulieferer Brenntag und dem Immobilienkonzern GSW gab es jedoch einige Titel, die sich gegen den Abwärtssog stemmen konnten. Alle drei Titel haben mittlerweile den Sprung in den MDax geschafft und deutlich zugelegt. "Aktien von Unternehmen wie Brenntag oder Kabel Deutschland haben davon profitiert, dass Aktien solcher Unternehmen sich in diesen Zeiten besser halten als andere", erklärt Fachmann Halver. "Das sind Unternehmen mit Substanz."
Unkalkulierbare Risiken
Zudem ist auch der Aufstieg in einen Börsenindex von Vorteil. "Ist ein Unternehmen in einem Auswahlindex, ist das Interesse und die Nachfrage nach den Aktien größer", sagt Warburg-Experte Klude. Schließlich investieren institutionelle Anleger wie Investmentfonds oder Versicherer oft nur in dort vertretene Firmen.
Derzeit stehen wieder mehrere Unternehmen in den Startlöchern für einen Börsengang, darunter der Leuchtmittelhersteller Osram, der Versicherer Talanx und der Autozulieferer Kolbenschmidt Pierburg. Sie alle können sich berechtigte Hoffnungen auf eine Mitgliedschaft in einem Auswahlindex machen - wenn der Börsengang nicht auf Eis gelegt wird, wie beim Spezialchemiekonzern Evonik. Zu Wochenbeginn wurde der für den 25. Juni geplante IPO abgesagt. Damit ist binnen fünf Jahren der dritte Anlauf gescheitert, an den Kapitalmarkt zu gehen. Auch Talanx erwägt, erst im September an die Börse zu gehen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete. Die anderen Börsenkandidaten halten sich bedeckt.
Ein Börsengang birgt angesichts der Euro-Krise im Moment unkalkulierbare Risiken, und die Verhandlungen zwischen potenziellen Aktienkäufern und -verkäufern gestalten sich noch schwieriger als sonst. Auch steht mit dem Gang an die Börsen - und in die Öffentlichkeit - viel auf dem Spiel. Schließlich kann ein schlecht gelaufener Börsengang dem Ruf des Unternehmens auf Jahre hinweg schaden.
Experten rechnen nicht damit, dass in Kürze neue Namen auf deutschen Kurszetteln auftauchen. Das Ziel, das Banker für 2012 ausgegeben haben - zehn Börsengänge - rückt in immer weitere Ferne. In diesem Jahr hat in Deutschland nur der chinesische Fischverarbeiter Haikui den Sprung an die Börse gewagt. Auf Gewinne spekulierte man aber auch hier vergeblich.






















