Neuer Markt: Mit neuen Börsensegmenten bitte vorsichtig sein!

KommentarNeuer Markt: Mit neuen Börsensegmenten bitte vorsichtig sein!

von Heike Schwerdtfeger

Ein neues Segment für junge Aktiengesellschaften würde nichts daran ändern, dass die Deutschen Aktienmuffel geworden sind. Daran ist auch der einstige Neue Markt der Nullerjahre schuld.

Die Zeit um die Jahrtausendwende war lebendig und abenteuerlich. Aber ausgerechnet den Neuen Markt, das Börsensegment für junge Technologieunternehmen, aus dieser Zeit hervorzuholen, ist keine gute Idee. Denn das, was aus den Nullerjahren hängengeblieben ist von der Börse, sind deren hohe Verluste, die viele in ihren Depots nie wieder aufgeholt haben und aufholen werden. Wer heute von hohen Verlusten spricht, macht dafür Finanzkrise und Schuldenkrise verantwortlich, damals war der Neue Markt fürs Geld das Bermudadreieck, das alles verschlang.

Weil es dem Standort Deutschland angeblich an Kapital für junge innovative Unternehmen mangele, hat sich der Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit dem Chef der Deutschen Börse Reto Francioni und der Lobbyorganisation „Bundesverband Deutsche Start-ups“ getroffen. Die Runde fantasierte über Neue Märkte, deren Ziel es unter anderem sein soll, eine starke deutsche Internetwirtschaft entstehen zu lassen. Röslers Frühjahrsausflug ins Silicon Valley lässt grüßen.

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Fondsmanager Karl Fickel, Nebenwertepionier und Gründer der Fondsgesellschaft Lupus Alpha, empfindet eine gewisse Sympathie für das Ansinnen, einen Neuen Markt aus der Taufe zu heben, denn eine Technologieplattform könnte der deutsche Aktienmarkt gebrauchen. Er warnt aber: „Wenn Gemurkse herauskommt, dann sollten sie es lassen.“ Der Erfolg hänge zudem davon ab, wie der Neue Markt künftig gestaltet werden solle. Da hängt Fickel das Thema Transparenz und Aktionärsschutz ganz hoch, die Firmen sollten zudem schon Erfolge vorzuweisen haben. Fickel versteht nicht, dass die Deutsche Börse den Neuen Markt komplett eingestampft hat. Man hätte das Segment weiterhin aufrechterhalten können, denn der Name Neuer Markt war weltweit bekannt und diese Segmente haben in Ländern wie Großbritannien auch überlebt. Bei einem Neustart werde „wieder die gesamte Vergangenheit mit ihrer Dunkelheit und Traurigkeit“ aufgearbeitet.

Der Bundeswirtschaftsminister kann aber das Gedächtnis der Anleger nicht ausradieren, die mit den Neuer-Markt-Flops viel Geld verloren haben. Das Geld, dass jungen Unternehmen durch einen Börsengang am Neuen Markt zugutekommen sollte, landete zu oft in den Taschen der Chefs und Eigentümer, die dafür Luxus und Brimborium finanzierten und in den Händen der Banker, die die Unternehmen an die Börse begleiteten.

Zudem mangelt es Deutschland nicht an Kapital. Auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten lagern Milliarden, nur wird Rösler dieses Geld niemals zu Börsenabenteuern animieren können. Wer Geld hat, kauft lieber Immobilien oder Gold und allenfalls noch solide Dividendentitel, aber keine Mini-Nebenwerte.

Die Deutsche Börse hat mit dem ersten Versuch des Neuen Marktes viel Vertrauen zerstört, eine zweite Chance sollte man ihr nicht geben.

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