Scale: Vorsicht vor Etikettenschwindel an der Börse

Neues Marktsegment Scale: Vorsicht vor Etikettenschwindel an der Börse

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Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse AG, stellt am 1. März 2017 das neue Modell "Scale" vor.

von Mark Fehr

Anleger sollten sich durch das neue Qualitätssiegel der Deutschen Börse nicht blenden lassen. Bei einigen Scale-Werten handelt es sich um Unternehmen mit problematischer Historie.

Die Deutsche Börse charakterisiert ihr neues Marktsegment Scale als Tummelplatz für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Wer dabei reflexartig an solide deutsche Mittelständler denkt, muss sich von einem Trugbild verabschieden. Scale-Unternehmen besitzen zwar schon eine gewisse kritische Masse, haben aber wesentliche Wachstumsschritte und Bewährungsproben für ihr Geschäftsmodell erst noch vor sich.

Das Geld dafür wollen sie jetzt an der Börse einsammeln, wobei der Marketingrummel um das neue Scale-Segment zumindest für steigende Bekanntheit bei Investoren und Anlegern sorgen dürfte.

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Beim typischen Scale-Wert handelt es sich um eine Mischung aus Start-up und Establishment. Berücksichtigt werden können Aktiengesellschaften aber auch Unternehmen ohne Börsennotierung, wenn sie Anleihen emittiert haben. Zielgruppe auf der Kapitalgeberseite sind in erster Linie Profiinvestoren aber auch Privatanleger.

Wird hier mit viel Getöse ein Börsensegment aufgeblasen, das ähnlich desaströs endet wie der um die Jahrtausendwende ins Leben gerufene und gescheiterte Neue Markt mit seinen angeblich zukunftsträchtigen Digital- und Biotechnikwerten? Nein, bei Scale handelt es sich trotz aller Begleit-PR um eine Hausnummer mit deutlich niedrigerer Brisanz.

Nicht nur die Investoren haben aus dem Desaster des Neuen Markts hoffentlich ihre Lehren gezogen. Auch die Börse tut alles, um Negativerfahrungen wie damals zu vermeiden. Sie versucht, Scale mit allerhand Qualitätsstandards gegen böse Überraschungen abzusichern.

So dürfen bei Scale nur Firmen mitmachen, die bereits eine nachprüfbare Unternehmenshistorie hinter sich haben. Doch Vorsicht, Historie allein ist noch kein Qualitätsmerkmal. Ein Blick in die Lebensläufe so mancher Scale-Notierung bringt recht Unerfreuliches zu Tage.

Beim börsennotierten Scale-Mitglied Ernst Russ AG etwa handelt es sich um das ehemalige Hamburger Fondshaus HCI Capital, welches sich nach der Übernahme der Russ-Reederei kurzerhand umbenannt hat. HCI hatte massenhaft Anteile an Schiffsgesellschaften an Privatanleger verkauft, von denen viele mit der anschließenden Krise der Handelsschifffahrt finanziell in den Abgrund gezogen wurden. Das Unternehmen ist danach in den Entry-Standard der Börse abgestiegen und auch der Kurs hat einen tiefen Sturz hinter sich.

Es sieht so aus, als ob die berüchtigte HCI unter neuem Namen und mit einem etwas umgebauten Geschäftsmodell jetzt im Scale-Segment den Neuanfang versucht. Aktionäre sollten sich zweimal überlegen, ob sie sich darauf wirklich einlassen wollen.

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