KommentarNew York Notes: Die stumpfe Waffe der US-Notenbank

25. Juni 2012
US-Notenbank-Chef Ben Bernanke bei seiner Pressekonferenz: Bis Ende 2012 will er kurzfristig fällige Anleihen im Wert von 267 Milliarden Dollar tauschen. Quelle: dapdBild vergrößern
US-Notenbank-Chef Ben Bernanke bei seiner Pressekonferenz: Bis Ende 2012 will er kurzfristig fällige Anleihen im Wert von 267 Milliarden Dollar tauschen. Quelle: dapd
von Angela Hennersdorf

Dem Fed-Chef Ben Bernanke ist es gelungen die Wall Street zu beruhigen. Die Niedrigzinspolitik bringt der US-Wirtschaft aber nichts, weil Millionen nichts von ihr haben.

Ben Bernanke hat Wall Street mal wieder eine Beruhigungspille verabreicht. Bis Ende 2012 will der Chef der US-Notenbank Fed kurzfristig fällige Anleihen im Wert von 267 Milliarden Dollar gegen lang laufende Papiere tauschen.

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Zinsen für Unternehmenskredite oder Immobiliendarlehen sollen mit der verlängerten Operation Twist der Notenbank weiter sinken – in der Hoffnung mit dieser neuen Spritze die lahmende Konjunktur anzukurbeln. Doch massive Zweifel sind angebracht an der Wirkung dieser Geldpolitik.

Bis dato hat die Fed ihr Ziel, mit niedrigen Zinsen Unternehmen dazu zu bewegen, mehr zu investieren und neue Leute einzustellen, während gleichzeitig die Haushalte wieder fröhlich konsumieren, verfehlt. Der Zentralbank-Chef gibt sogar zu, bisher zu optimistisch gewesen zu sein, was die Erholung der US-Wirtschaft betrifft.

Das Wachstum in den USA werde in den kommenden Jahren langsamer ausfallen als bisher erwartet. Sicher hält zum einen die Krise in Europa viele Unternehmen davon ab, zu investieren oder einzustellen. Zum anderen aber lahmt der Konsum in den USA, weil Millionen amerikanische Haushalte nicht von den niedrigen Zinsen der Fed profitieren.

Wer einmal zu spät zahlt, fällt durch

Das liegt an dem abstrusen US-Kreditsystem. Schulden zu machen ist grundsätzlich immer noch gut in Amerika. Wer keine Schulden hat, erhält keine Kreditkarte, kann nicht den Kauf eines Autos oder eines Hauses finanzieren. Wichtig ist, die Schulden regelmäßig abzuzahlen. Das hört sich erst einmal vernünftig an. Doch der Teufel steckt im Detail.

Drei Kreditunternehmen befinden über die Kreditwürdigkeit amerikanischer Haushalte: Trans Union, Experian und Equifax. Jede Kreditkarte, jede Kontoeröffnung, jede Finanzierung eines Kaufs wird an diese Kreditbüros gemeldet. Sie befinden über den sogenannten Credit Score, eine Maßzahl über die individuelle Kreditwürdigkeit. Je mehr Punkte man hat (850 ist sehr gut ), desto höher die Kreditwürdigkeit, je mehr Punkte, desto günstiger wird der nächste Kredit – und umgekehrt. Über Jahre werden diese Daten gesammelt.

Wer einmal zu spät seine Schulden abbezahlt hat, fällt durch den Rost. Seit der Immobilienkrise ist der Credit Score von Millionen Amerikanern gesunken, weil sie ihren Job verloren oder zu teuer finanziert hatten und folglich ihre Hypothekenschulden gar nicht oder nicht pünktlich zurückzahlen können.

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Selbst wer in der Zwischenzeit wieder einen Job hat und seine Schulden zahlt, behält die schlechte Kreditwürdigkeit sieben Jahre lang. Nach einer Fed-Studie vergeben rund 80 Prozent der US-Banken an US-Haushalte, die nur über eine mittlere Kreditwürdigkeit von 620 Punkten verfügen, keine Hypothekenkredite.

Bei den Leuten, die es nötig hätten, kommt die Politik des billigen Geldes der Fed also überhaupt nicht an.

Die Folge: Der für die amerikanische Wirtschaft so wichtige Konsum der Massen lahmt, der Immobilienmarkt kommt nicht in Schwung und damit auch nicht die Konjunktur. Für US-Aktien kein gutes Signal.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 29.06.2012, 02:50 UhrSmartStrategie

    Pfiffige Investoren kaufen physische Edelmetalle und Seltene Erden zur Wertsicherung! Die Gewinne machen sie mit den Arbitragen von http://www.smartstrategie.com … Zu den vielen Vorzügen zählen die steuerfreien Gewinne, die hohen Renditen, die sehr kurze Kapitalbindung, etc.

  • 25.06.2012, 09:52 UhrAstrologinPalmer

    Ist ja auch klar.
    Seitdem es den US-Bankstern verboten ist, an mittellose Personen Hypotheken zu vergeben, und dann die Papiere in Schrottanleihen-CDOs zu bündeln und u.a. an die blöden Deutschen zu verkaufen, gibt es keinen immobilienkauf-gestützten Aufschwung mehr.
    Der durchschnittliche Amerikaner ist sowieso bis unter die Halskrause verschuldet.
    Wo also soll der Aufschwung herkommen, der zu 70% vom privaten Konsum gestützt ist.

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