Niedergang des Dollars: Weltwährung im Reißwolf

Niedergang des Dollars: Weltwährung im Reißwolf

, aktualisiert 06. November 2011, 09:57 Uhr
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Yuan und Euro gewinnen gegenüber dem Dollar an Bedeutung.

von Jörg HackhausenQuelle:Handelsblatt Online

Die Welt war lange Zeit vom US-Dollar abhängig – und damit von der Geldpolitik der US-Notenbank. Das wird sich ändern. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Dollar seine dominierende Rolle in der Welt verliert .

FrankfurtDer Dollar ist die Leitwährung der Welt. Die US-Währung wird in beinahe jedem Winkel der Erde als Zahlungsmittel akzeptiert. Die Zentralbanken sitzen auf riesigen Dollar-Reserven. Rohstoffe werden in der US-Währung abgerechnet. Doch wie lange bleibt das noch so?

Der Nimbus des Dollars bröckelt. Seine Rolle als weltweite Reservewährung habe seit den späten 90er Jahren stetig abgenommen, heißt es in einer aktuellen Studie der Weltbank. Bis zum Jahr 2025 dürfte sich das globale Währungsgefüge noch stärker verändert haben. Es gebe dann wahrscheinlich nicht länger eine einzige Leitwährung, sondern mehrere Weltwährungen, meinen die Ökonomen der Weltbank.

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Für den Niedergang auf Raten gibt es handfeste Gründe: Schulden und niedrige Zinsen lasten auf der Leitwährung. Die US-Wirtschaft ist schwer angeschlagen. Die Finanzkrise kommt die Amerikaner teuer zu stehen. Das ohnehin riesige Haushaltsdefizit wächst immer weiter. Amerika ist eine Supermacht der Schulden: Nach offiziellen Angaben ist der Schuldenberg bereits auf 14,3 Billionen Dollar (rund 10,1 Billionen Euro) angewachsen. An den Märkten machen Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA die Runde. Die Ratingagentur S&P hat angedroht, die Top-Bonitätsnote zu entziehen. Sollten die USA ihre Schulden tatsächlich nicht mehr bedienen können, drohten „katastrophale wirtschaftliche Konsequenzen“, sagt sogar US-Finanzminister Timothy Geithner.

In den letzten zehn Jahren hat der Dollar gegenüber fast allen wichtigen Währungen der Welt an Wert verloren. Allein in diesem Jahr hat die US-Währung gegen den Euro 6,3 Prozent, gegen den Schweizer Franken 6 Prozent, gegen den brasilianischen Real 3,2 Prozent und gegen den russischen Rubel sogar neun Prozent verloren. Die Schwäche des Dollars ist für den Rest der Welt ein Problem.


Die Währungen sind krank

Die US-Währung tauge wegen mangelnder Stabilität nicht länger als Weltreservewährung, hieß es 2010 im Wirtschafts- und Sozialbericht der Vereinten Nationen. Mit scharfen Worten kritisierte der Bericht die Rolle der US-Notenbank. Deren Politik habe zu einer massiven Ausweitung der Geldmenge geführt, weltweit. Das Geld fließe in die Finanzmärkte, neue Vermögensblasen könnten dadurch entstehen. "Ein neues Weltwährungssystem ist möglich, eines, das nicht mehr auf dem US-Dollar als alleiniger Reservewährung beruht", so die Uno-Ökonomen.

Aber welche Alternativen gibt es zum Dollar? Im Moment ist keine in Sicht. Europa muss erst einmal seine eigene Schuldenkrise lösen. „Der Euro hat eine große Zukunft als eine der zwei oder drei Ankerwährungen der Weltwirtschaft vor sich – wenn es gelingt, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank zu wahren“, sagt Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Die Zentralbank sei der Garant für die Stabilität des Euros. „Wird die EZB dagegen von der Politik weiter instrumentalisiert, um kurzfristige Probleme zu lösen, gehen wir einer sehr unsicheren Zukunft unseres Geldes entgegen“, meint Burghof.

Mehrere Länder in der Eurozone stehen vor der Pleite. Die anderen Euro-Staaten müssen mit Geldern aushelfen, um den Bankrott zu verhindern. Die EZB hat Staatsanleihen der verschuldeten Staaten aufgekauft und die Zinsen lange niedrig gehalten. Das schwächt den Währungsraum insgesamt.

Nicht besser sieht es für den japanischen Yen oder das britische Pfund aus. „Ein Großteil der Währungen ist krank, weil die Länder hochverschuldet sind und keine solide Geldpolitik betreiben", sagt Heinz-Werner Rapp, Chefanlagestratege von Feri Finance.

Die wenigen gesunden Währungen wie der Australische Dollar oder die Norwegische Krone wiederum sind zu klein und zu wenig liquide, um ernsthaft als Reservewährung in Frage zu kommen.


Geld folgt dem Handel

Einig sind sich die Experten, dass die aufstrebenden Schwellenländer künftig eine wichtigere Rolle spielen werden. Deren Schulden sind vergleichsweise niedrig, die Konjunktur läuft und auch der demografische Trend spricht für die Emerging Markets. Brasilien, China, Indien, Indonesien, Südkorea und Russland dürften im Jahr 2025 gemeinsam mehr als die Hälfte des weltweiten Wirtschaftswachstums beisteuern. Spätestens dann werden diese Länder nicht nur mehr Einfluss auf politischer Ebene einfordern, auch die Währungen werden an den Finanzmärkten gefragt sein.

Insbesondere die Chinesen dürften auf eine stärkere Rolle des Yuan als Reservewährung pochen. „Die chinesische Währung wird eine wichtige Rolle bei den weltweiten Reserven spielen, weil China so wichtig beim weltweiten Handel und Zahlungsverkehr ist. Geld folgt dem Handel“, sagte EU-Ratspräsident Herman von Rompuy nach Informationen von Reuters während eines Besuchs in China.

Allerdings müsse China zunächst die volle Konvertibilität des Yuan sicherstellen. Bisher habe die Regierung noch nicht gesagt, wann das passieren soll. Der Yuan ist und bleibt international nicht frei handelbar. Sollte er das eines Tages sein, müssten die Chinesen ihre Währung gegenüber dem Dollar deutlich aufwerten.

Nach der Weltbank-Studie wäre ein neues System, das nicht mehr allein auf dem Dollar beruht, nicht einmal schlecht für die Welt. Das Währungssystem könnte sogar stabiler sein, wenn es auf mehreren Säulen ruht. Nur der Weg dahin dürfte noch für einige Turbulenzen an den Märkten sorgen. „Der Dollar wird weiter an Bedeutung verlieren. Die Gefahr besteht darin, dass sich dieser Prozess nicht geordnet, sondern sprunghaft vollziehen könnte“, sagt Rapp von Feri Finance. Die Folge wäre „ein spürbarer Dollareinbruch“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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