Norwegen: Finanzberater für den Ölfonds

Norwegen: Finanzberater für den Ölfonds

, aktualisiert 18. Oktober 2016, 17:39 Uhr
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Der Ölreichtum vor der norwegischen Küste hat das Land zu einem der reichsten der Welt gemacht. Der Ölfonds soll den Wohlstand für künftige Generationen sichern.

Quelle:Handelsblatt Online

Erstmals in seiner Geschichte geht Norwegen seinem Staatsfonds in diesem Jahr an die Substanz. Schuld daran sind sinkende Erträge. Jetzt empfiehlt eine Kommission dem Fonds eine höhere Aktienquote.

FrankfurtMit dem größten Staatsfonds der Welt im Rücken lebt es sich in Norwegen eigentlich bequem. Auf knapp 790 Milliarden Euro bringt es der sogenannte norwegische „Ölfonds“ (Statens Pensjonsfond utland), der den Wohlstand des Landes aus der Ölindustrie verwalten soll. Doch es gibt Luxusprobleme. Die Erträge des Fonds schmelzen. Fortan soll ein größerer Aktienanteil helfen, rät eine zu Hilfe gerufene Kommission.

Denn es sind nicht mehr nur die im Vergleich zu 2014 immer noch halbierten Ölpreise, die den Norwegern zu schaffen machen. Auch die Niedrig- bis Negativzinsen auf Anleihen sowie das geringe Weltwachstum schlagen durch.

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Die Norweger sind besorgt über die maue Situation. Schließlich ist es der Regierung erlaubt, bis zu vier Prozent des Fondswertes für den Staatshaushalt zu nutzen. Im Normalfall soll dies allein aus den Erträgen gestemmt werden. Doch die Lage ist nicht mehr normal. Die Erträge seien laut den Experten aktuell unter der Zielsetzung. Mit der aktuellen Strategie prognostiziert die Kommission nur einen Ertrag von 2,3 Prozent über die nächsten 30 Jahre. Heißt: Schöpft die Regierung ihren Zugriff aus den Fonds voll aus, schmilzt das Fondsvermögen ab.

Um die Erträge wieder zu steigern, sollte der Fonds künftig bis zu 70 Prozent der Anlagen in Aktien halten dürfen, schlussfolgert die Kommission. Das sind rund zehn Prozent mehr als heute und entspricht etwa 79 Milliarden Euro. Aktuell sieht die Strategie eine Aufteilung in 60 Prozent Aktien, 35 Prozent Anleihen und fünf Prozent Immobilien vor.

„Eine höhere Aktienquote erhöht den zu erwartenden Betrag und den Anteil zum Staatshaushalt. Allerdings bedeutet dies auch größere Schwankungen und ein erhöhtes Risiko für einen langfristigen Rückgang des Fondswertes“, erklärt die Kommission. Die Mehrheit der Experten hält dieses Risiko allerdings für „akzeptabel“.

Doch selbst dann sei das aktuelle Ziel von vier Prozent Gewinn nicht mehr realistisch. Vielmehr müsse Norwegen seine Erwartungen herunterschrauben. Drei Prozent seien schon eher machbar.

Ziel ist es, ein Abschmelzen des Fondsvermögens zu verhindern. Wegen der gefallenen Ölpreise und der niedrigeren Erträge ging Norwegens Regierung ihrem Ölfonds in diesem Jahr erstmals in dessen Geschichte an die Substanz. 95,7 Milliarden Norwegische Kronen (derzeit etwa zehn Milliarden Euro) zieht die Regierung dieses Jahr aus dem Fondsvermögen ab. Im kommenden Jahr sollen es schon 121,2 Milliarden Kronen (13,4 Milliarden Euro) sein. Daher wird nun dringend eine Lösung gesucht, die Erträge wieder zu steigern.

Seitdem 1996 das erste Geld in den Ölfonds floss, wurde das Vermögen schrittweise größeren Anlagechancen, aber eben auch –risiken ausgesetzt. Ab 1998 wird das Geld in Aktien investiert, ab 2000 darf in Schwellenländer investiert werden und seit 2011 fließen die Mittel auch in Immobilien. Das hat bislang gut funktioniert. Im Schnitt erwirtschaftete der Fonds einen Ertrag von 5,66 Prozent seit 1998. Inflationsbereinigt sind es immer noch 3,75 Prozent.

Doch die Quote sinkt. Deshalb hat Finanzministerin Siv Jensen von der Fortschrittspartei im Januar eine Kommission mit einer Lösung des Problems beauftragt. Allerdings ist sich selbst die auserwählte Expertenkommission nicht einig. Ausgerechnet der Vorsitzende der Kommission, Knut Anton Mork, verfolgt eine gänzlich andere Strategie: Ihm zufolge müsse die Aktienquote um zehn Prozent, also auf 50 Prozent, sinken, nicht steigen. Das könnte die Schwankungen verkleinern und zumindest einen stabilisieren Geldfluss für das Staatsbudget garantieren.

Finanzministerin Jensen hat noch Zeit, um sich beide Vorschläge gründlich durch den Kopf gehen zu lassen. Eine Entscheidung wird ihr Ministerium erst im Frühling nächsten Jahres fällen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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