Öl und die Opec: Der Iran träumt vom nächsten Ölboom

Öl und die Opec: Der Iran träumt vom nächsten Ölboom

, aktualisiert 16. Februar 2017, 18:56 Uhr
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Um seine Ölproduktion zu erweitern, braucht der Iran ausländisches Know-How und Kapital.

von Matthias Streit und Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Während das Ölkartell dieser Tage seine Förderung kürzt, plant eines der Mitglieder schon Größeres. Der Iran will seine maximal mögliche Förderung massiv ausweiten. Internationale Partner stehen schon bereit.

FrankfurtGerade einmal seit einem Jahr sind die Sanktionen des Westens gegen den Iran aufgehoben, da verschärfen sich die Töne vonseiten der USA schon wieder. Neue Sanktionen drohen. Doch das persische Land quittiert das allenfalls mit einem Schulterzucken. Der Iran hat Großes vor: Er plant, seine Ölproduktion in den kommenden Jahren massiv auszuweiten. „Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir unsere Kapazität auf 5,7 Millionen Barrel pro Tag ausweiten“, sagte Amir Hossein Zamaninia, der Vize-Ölminister des Irans auf dem CWC Iran LNG & Gas Partnership Summit in Frankfurt.
Derzeit beträgt die maximale Fördermenge noch rund vier Millionen Barrel. Schafft es der Iran, seine Kapazität wie geplant auszuweiten, entspricht dies einem Wachstum von knapp acht Prozent pro Jahr. Der Iran würde seinen Einfluss am Ölmarkt massiv ausweiten.

Ein Ölkonzern, der den Iran bei seiner ehrgeizigen Aufholjagd unterstützen will, ist neben dem französischen Ölriesen Total der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV. Die Pläne des Unternehmens, dessen größter Aktionär Abu Dhabi ist, sind schon weit gediehen. „Wir haben zu Jahresende Vorschläge für die Entwicklung der Felder vorgelegt, für die wir Memorandum of Understanding unterzeichnet haben. 2017 werden wir mit den iranischen Behörden die Iranian Petroleum Contracts diskutieren“, sagte Johann Pleininger, Ölvorstand der OMV, dem Handelsblatt am Donnerstag. „Für die mögliche Entwicklung von Feldern haben wir einen sehr guten Partner, Dana Energy.“

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Der in Wien ansässige Ölkonzern hatte bereits im Frühjahr vergangenen Jahres eine Grundsatzvereinbarung mit der National Iranian Oil Company abgeschlossen. Die OMV hat verschiedene Ölfelder im Westen des Irans ins Visier genommen. Außerdem wurde mit der staatlichen Öl-Gesellschaft des Irans eine Prüfung der Region Fars vereinbart. „Wir sind zuversichtlich, dass die richtigen Rahmenbedingungen neue Upstream-Projekte letztlich ermöglichen können“, sagte OMV-Chef Rainer Seele bei der Vorlage der Jahresbilanz am Donnerstag in Wien. Unter der Führung des früheren Wintershall-Chef bezieht der Konzern seit 2016 wieder iranisches Rohöl zur Weiterverarbeitung in den konzerneigenen Raffinerien.

Doch Branchenkenner halten das Ziel des Irans trotz der internationalen Partner für äußerst ambitioniert. Kent Moors, Vorsitzender des amerikanischen Beratungsunternehmens Energy Capital Research Group, sagt zum den Expansionsplänen nüchtern: „Viel Glück dabei“. Dem Land fehle es an moderner Technologie und habe außerdem schon heute mit sinkender Effizienz bei seinen bestehenden Feldern zu kämpfen. „Abgesehen davon müsste der Iran erst einmal Abnehmer am Markt für das zusätzliche Öl finden“, erklärt Moors.


Zamaninia: „Bin nicht vorsichtig, sondern sehr optimistisch“

Heute ist der Ölmarkt überversorgt. Zwar soll die Nachfrage in den kommenden Jahren steigen, aber die Konkurrenz bleibt groß. Die USA werden sich zunehmend selbst versorgen. Das Land braucht künftig also weniger Importe als bisher. Und auch dieses dann frei gewordene Öl müsste sich neue Märkte suchen. Mit diesem Angebot wird der Iran also konkurrieren.

Gerade der iranische Erzfeind innerhalb der Opec, Saudi-Arabien, dürfte alles andere als erfreut sein. Während sich das Königreich am Golf derzeit massiv einschränkt, um Angebot und Nachfrage am Weltmarkt auszugleichen und somit den Ölpreis zu stabilisieren, träumt der Iran schon von der nächsten Öl-Bonanza. Der nächste Konflikt im Ölkartell scheint da schon vorprogrammiert. Der Iran ist derzeit mit 3,9 Million Barrel täglich geförderten Öls hinter Saudi-Arabien (9,9 Millionen Barrel) und dem Irak (4,5 Millionen Barrel).

Allein allerdings verfügt der Iran nicht über das nötige Know-How, um seine Produktion wie gewünscht auszuweiten. Damit die großen Ambitionen des Opec-Schwergewichts Iran Wirklichkeit werden, muss die Regierung in Teheran verlässliche Rahmenbedingungen für ausländische Investoren setzen. Zum Ziel des Iran, die Förderkapazität bei der Rohölförderung innerhalb von fünf Jahren um mehr als ein Drittel zu steigern, sagte OMV-Ölvorstand Pleininger auf Anfrage: „Voraussetzung dafür ist, dass ausländische Investoren Verhältnisse vorfinden, die eine wirtschaftliche Entwicklung von Feldern ermöglichen.“ Der Manager ergänzte zuversichtlich: „Wir vertrauen darauf, dass der Iran dazu bereit ist, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten.“

Einen Dämpfer für das Expansionsbestreben gab es jüngst allerdings aus den USA. Nach einem Raketentest des Irans hat die Trump-Regierung neue Sanktionen angedroht. Dabei wurden die meisten Strafmaßnahmen gegen das iranische Atomprogramm erst Anfang 2016 aufgehoben. Seitdem konnte das Land seine Ölproduktion stark erweitern. Neue Unsicherheit könnte internationale Kapitalgeber verschrecken.

Der Vize-Ölminister Zamaninia hält dies allerdings nicht für ein größeres Hindernis. Obwohl sich die politischen Beziehungen zwar etwas angespannt hätten, sei dies für das Öl- und Gasgeschäft nicht mehr als ein vorübergehender „Schluckauf“. „Ich bin nicht vorsichtig, sondern sehr optimistisch, dass gute Zeiten für unser Öl- und Gasgeschäft vor uns liegen, um die verlorene Zeit wieder wett zu machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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