Ölpreise und Opec: Am US-Markt droht ein Preiskrieg

Ölpreise und Opec: Am US-Markt droht ein Preiskrieg

, aktualisiert 07. November 2014, 15:08 Uhr
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Fracking-Plattform in Pennsylvania: Die US-Schieferölproduzenten sind im drohenden Preiskrieg zuversichtlich. Investoren hatten zuletzt wenig Vertrauen in die Produzenten gesetzt.

Quelle:Handelsblatt Online

Saudi-Arabien und andere Opec-Staaten erhöhen den Druck auf den Ölpreis am US-Markt. Sie wollen die verlorenen Marktanteile zurückgewinnen. Doch die US-Produzenten kann das kalt lassen.

FrankfurtDen amerikanischen Schieferöl-Produzenten droht ein Preiskrieg mit Saudi-Arabien. Das Königreich erwägt diese Maßnahme, um Marktanteile zurückzugewinnen. Doch das lässt die US-Produzenten kalt. Sie sind der festen Überzeugung in einem solchen Preiskrieg deutlich mehr Durchhaltevermögen zu haben, als die Produzenten aus Saudi-Arabien. Einige der US-Unternehmen erwägen sogar ihre Produktion auszubauen. „Saudi-Arabien geht hier wirklich ein großes Wagnis ein”, sagt Archie Dunham, Chairman des Schieferölförderers Chesapeake Energy. „Wenn sie den Preis auf 60 oder 70 Dollar je Barrel drücken, dann wird das die Produktion in den USA verlangsamen, aber nicht beenden. Für andere Opec-Länder wären die Konsequenzen sehr viel ernster.”

Der Preisverfall bei der Rohöl-Referenzsorte Brent, die am Mittwoch ein Vier-Jahres-Tief markiert hatte, trug zur Nervosität am Markt bei. Ein Treffen zur aktuellen Situation zwischen Saudi-Arabien und elf anderen Staaten der Opec ist für den 27. November, also am Tag des amerikanischen Thanksgiving geplant. Bereits zuvor hatte Saudi-Arabien den Preis für in die USA verkauftes Rohöl gesenkt. Bislang wurde davon ausgegangen, dass Saudi-Arabien seine Produktion senkt, um so das Angebot auszutarieren damit der Preis fällt.

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Nach den aktuellen Maßnahmen wird jedoch vermutet, dass diese Maßnahme ausbleibt. „Für Saudi-Arabien könne die Rechnung aufgehen, weil das Land genug Liquidität und sonstiges Vermögen in der Hinterhand habe, um einen Ölpreis um die 50 Dollar zu verkraften“, sagt Dunham. Doch „die große Mehrheit der Opec-Länder kann bei Preisen unter 80 Dollar je Barrel die Haushaltspläne nicht einhalten und die Bevölkerung nicht zufrieden stellen”.

Anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen in dieser Woche haben die Führungen von Chesapeake, EOG Resources Inc. und anderen großen Schieferölförderern angekündigt, die Produktion aufrecht zu erhalten und sogar zu steigern. Ihre erfolgreichen Kostensenkungen versetzten sie in die Lage, auch bei noch niedrigeren Preisen Gewinn zu machen, ließen sie wissen.

„Uns bei Whiting macht es keine Angst, bei Ölpreisen auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch etwas niedriger im Wettbewerb zu stehen”, sagte James Volker, Chairman and CEO bei Whiting Petroleum in einer Telefonkonferenz letzte Woche. Continental Resource und Pioneer Natural Resources gehören zu den Rohölförderern, die angedeutet haben, dass sie auf den Preisverfall nicht mit einer Drosselung ihrer Produktion reagieren wollen. Dasselbe gilt für ConocoPhillips und Marathon Oil Corp.. Diese Firmen haben erklärt, ihre Ölvorkommen zwischen Texas und North Dakota zählten zu den profitabelsten Investmentmöglichkeiten.


US-Produzenten halten sich für bereit

Die Opec-Konferenz Ende dieses Monats ist die erste seit Beginn des Ölpreisverfalls im Juni. Der saudische Ölminister Ali Al-Naimi wird zuvor bereits zu Treffen in die Partnerländer Venezuela und Mexiko reisen. Die Entscheidung des staatlichen Ölförderers Saudi Arabian Oil in dieser Woche, den Preis für Lieferungen an amerikanische Raffinerien zu senken, gilt als Maßnahme, um die Kundenbasis auf einem Markt zu stützen, der mehr als 20 Prozent der weltweiten Ölnachfrage repräsentiert. Als die US-Rohölproduktion auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten anstieg, hatte das Schieferöl zuletzt auf Kosten von Saudi-Arabien einen höheren Marktanteil auf dem heimischen Raffineriemarkt erringen können.

Um zu belegen, dass sie auch bei Preisen unter 70 Dollar noch profitabel arbeiten können, verweisen die Schieferölproduzenten auf ihren Erfolg bei Kostensenkungen. In den beiden größten Produktionsgebieten von Chesapeake, Marcellus Shale in Pennsylvania und der Eagle-Ford-Formation in Texas, seien die Förderkosten in den ersten sieben Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um elf beziehungsweise 13 Prozent gefallen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. EOG sei in Eagle Ford ab 40 Dollar je Barrel profitabel, sagte Chairman und CEO William Thomas am Mittwoch auf einer Telefonkonferenz mit Investoren. In der Region werden rund 1,6 Mio. Barrel am Tag gefördert, etwa so viel wie das Emirat Katar produziert.

Einen weniger optimistischen Tenor zeigt eine Studie der britischen Bank Barclays am Mittwoch. Demnach werden die US-Förderer unter wachsenden Druck geraten, ihre Ausgaben zurückzufahren, wenn der Rohölpreis weiter fällt und während des kommenden Jahres bei 70 Dollar oder weniger verharrt. Trotz niedrigerer Kosten würde der Druck auf die Firmen zunehmen, die sich bei der Finanzierung ihrer Bohrungen auf Kredite verlassen haben, da die Zinsen stiegen und sich der Zugang zu Finanzierungen verschlechtere.

Etwa die Hälfte der amerikanischen Schieferölvorkommen sei im kommenden Jahr “infrage gestellt”, wenn die Preise unter 70 Dollar blieben, so die Analysten von Barclays. “Die Schieferölproduzenten können sich keinen Preiskrieg leisten”, sagt Ed Hirs, Dozent für Energiewirtschaft an der Universität Houston und Chef eines kleinen Öl- und Gasproduzenten. “Sie würden verlieren. Die Saudis können die Märkte disziplinieren und die Schieferöl-Leute aus dem Geschäft drängen.”


Investoren sind wenig zuversichtlich

Investoren haben zuletzt wenig Vertrauen in die Fähigkeit der Schieferölproduzenten gezeigt, in einem Umfeld mit geringen Ölpreisen profitabel zu bleiben. Während in den letzten drei Monaten die Preise fielen, haben die 18 Werte im Standard & Poor's Oil & Gas Exploration Index im Durchschnitt 19 Prozent abgegeben und zusammen mehr als hundert Mio. Dollar an Marktwert verloren. Für die besten Unternehmen am Markt könnte sich der Abschwung jedoch als Chance erweisen. Klamme Firmen könnten gezwungen sein, Beteiligungen zu verkaufen, wodurch die profitableren Konkurrenten ihre Förderportfolios aufbessern könnten.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass der Preisrückgang die Produzenten entmutigt hat. Die US- Rohölproduktion ist die elfte Woche in Folge gestiegen und hat in der Woche bis zum 24. Oktober bei über 8,9 Mio. Barrel pro Tag gelegen, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. „Wir erleben hier in Amerika keinen Boom, sondern eine Renaissance”, sagt Harold Hamm, Milliardär und Chef von Continental Resources. “Es wird die nächsten 50 Jahre andauern, es ist keine Sache, die kommt und wieder geht.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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