Online-Händler an der Börse: Jungs, geht zurück in die Garage!

Online-Händler an der Börse: Jungs, geht zurück in die Garage!

von Heike Schwerdtfeger

Schon Kleinkinder lernen spielend: Zum Einkaufen geht man in den Kaufladen. Das kommt aktuell offenbar auch an der Börse gut an. Online-Handel bietet keine Gewähr für Börsenerfolge, dafür sind die Geschäftsmodelle oft zu dünn.

Mit Aktien von Metro, des britischen Supermarktriesen Tesco und sogar der Marks & Spencer-Kaufhäuser sind Anleger seit Oktober besser gefahren als mit dem damals an der Börse gestarteten Online-Sammelsurium Rocket Internet. Jetzt kommt auch noch die Rocket-Beteiligung Zalando unter die Räder. Deren noch immer rasantes Umsatzwachstum hat einen Haken. Viele Kunden bestellen zwar wie blöd, lassen sich aber vielfach nur durch lange Mahnverfahren zur Zahlung bewegen. Das ist teuer und belastet den Gewinn. Wer schneller an sein Geld kommt, und sei es an der Supermarktkasse, macht auf Dauer vielleicht doch die besseren Geschäfte.

Was Anlageprofis von den Internet-Börsengängen halten

  • Nigel Bolton, Vermögensverwalter Blackrock

    Der weltweite Markt für Börsengänge sei heiß gelaufen, sagt auch Nigel Bolton, Fondsmanager beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. "Zu heiß, wenn Sie mich fragen". Nun schwappe die Welle nach Deutschland, sagte er dem "Handelsblatt". Blackrock prüfe alle Börsenkandidaten. "Aber man darf sich nicht vom Hype um Börsengänge anstecken lassen."

  • Bjorn Gustafsson, Kepler Cheuvreux

    "Es gibt nicht viele Wege den E-Commerce-Markt zu spielen," sagt Bjorn Gustafsson, Analyst bei Kepler Cheuvreux in Stockholm. "Die Aktien erscheinen jetzt billig", konstatiert er und ergänzt, dass Investoren sowohl nach dem Zalando- also auch nach dem Rocket-Internet-Börsengang gieren würden.

  • Robert Halver, Baader Bank

    "Das letzte Mal, dass hier auf dem Parkett mehr Journalisten als Händler waren, war während der Eurokrise. Bei einem Börsengang habe ich das zuletzt bei der Telekom erlebt", sagte Robert Halver, Händler bei der Baader-Bank.

  • Unbekannter Börsenhändler

    "Richtig Glück haben Anleger gehabt, die Zalando-Aktie bekommen haben und sie heute Morgen direkt wieder verkauft haben. Die konnten sich über einen schönen, schnellen Zeichnungsgewinn freuen", sagte ein Händler.

  • Frank Wieser, Geschäftsführer, Packenius, Mademann + Partner

    "Die Aktien haben wir für unsere Kunden nicht gezeichnet. Zwar verzeichnet Zalando am ersten Tag ein attraktives Kursplus, wir wollen aber erst mal abwarten wie und ob die Aktie sich langfristig durchsetzt. Der Börsengang ist nicht wie erwartet verlaufen… Aber die Aktie ist zu spannend um sie nicht zu beobachten. Zalando könnte sich langfristig zu einem echten Amazon Konkurrenten entwickeln. Dafür sind aber noch zwei bis drei 'stabile Jahre' notwendig, aus denen man erkennen kann, ob sich das Geschäftsmodell langfristig trägt."

  • Marc-Oliver Lux, Dr. Lux & Präuner

    "Beide Aktien sind für uns völlige Non-Investments. Die Bewertung der Firmen ist utopisch. Die Geschäftsmodelle sind nicht nachhaltig. Von diesem Börsengang profitieren nur die Initiatoren, die die Gunst der Stunde nutzen und die Aktien in die aktuelle Internet-Euphorie hinein platzieren."

  • Martin Weidner, Consulting Team Vermögensverwaltung AG

    "Wir haben keine der beiden Aktien gezeichnet. Wir sind insbesondere bei Zalando noch nicht davon überzeugt, dass das Geschäftsmodell auch nachhaltig funktioniert und dauerhaft Gewinne abwirft. Wir folgen insgesamt eher dem Ansatz, in Unternehmen mit einem langfristig erfolgreichen Geschäftsmodell und einer guten und stetigen Dividendenrendite zu investieren. Selbstverständlich werden wir die beiden Werte unter Beobachtung nehmen und bei einer entsprechenden Geschäftsentwicklung unsere derzeitige Anlageentscheidung überdenken."

  • Aktionärsschützer

    Die Aktionärsvereinigung DSW warnt Privatanleger vor dem Kauf von Aktien des Online-Modehändlers Zalando und des Internet-Konglomerats Rocket Internet. "Vorsicht vor einem neuen Neuen Markt. Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger", sagte DSW-Vize-Präsident Klaus Nieding kurz nach dem Börsenstart von Zalando. "Es ist ein spekulatives Investment." Der Kauf von Zalando-Aktien berge große Risiken, sagte Nieding. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren keine Gewinne erwirtschaftet. Zudem hätten die früheren Mehrheitsaktionäre weiter großen Einfluss. Noch kritischer sieht Nieding den für Donnerstag geplanten Börsengang von Rocket Internet; die Firma ist weltweit an Dutzenden Start-Ups beteiligt. Die meisten von ihnen schreiben rote Zahlen. "Bei Rocket Internet und Zalando kaufen sie - wie bei den Neuen-Markt-Werten - im Grunde genommen Hoffnung", sagt Aktionärsschützer Nieding. Der aktuelle Börsenboom ist laut Nieding darauf zurückzuführen, dass es auf der Bank kaum noch Zinsen gibt und Geld im Überfluss vorhanden ist. "Das ist eine rein liquiditätsgetriebene Hausse."

Immer neue Gründungen von Online-Händlern, von Augenoptik bis Windeln, jagen sich heute gegenseitig die Kunden ab. Dann lieber in ein Unternehmen investieren, das bei allen dabei ist: den US-Zahlungsdienstleister PayPal. Dessen Aktie kann jetzt wieder ohne den Ballast der wachstumsschwachen Mutter Ebay gekauft werden. Die PayPal-Überweisung ist zum Synonym für sicheres Bezahlen im Netz geworden. Das Geschäftsmodell hat sich bewährt und bietet damit schon mal eine Voraussetzung für langfristigen Erfolg an der Börse.

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Doch dieses Prinzip, erst das Geschäft in die Spur bringen, dann an die Börse, wird zu oft vernachlässigt. Für Christoph Gerlinger, Chef eines Wagniskapitalgebers mit dem hochtrabenden Namen German Startups Group, scheint es keinen glücklicheren Ort zu geben als die Börse. Allerdings springt seine Begeisterung nicht mehr auf andere über. Das war im Jahr 2000 noch anders. Damals brachte er CDV Software an den Neuen Markt. Die Aktie konnte zwischenzeitlich stark zulegen, und Gerlinger hatte durch geschicktes Timing mit seinen Aktien Geld verdient. Irgendwann, Gerlinger war schon draußen, endete das Abenteuer mit der Pleite von CDV. Für den von ihm gegründeten Online-Spieleanbieter Frogster fand er nach einigen Jahren einen potenten Käufer.

PremiumBCG-Studie 2015 Die besten Aktien der Welt

Eine exklusive Studie von Boston Consulting zeigt die besten Aktien der Welt aus 27 Branchen. Was sie auszeichnet, welche noch kaufenswert sind – und was die Zahlen der Berater über die Börse insgesamt aussagen.

Eine exklusive Studie filtert aus 2000 Aktien weltweit die besten heraus. Quelle: Illustration: Dmitri Broido; Foto: Interfoto

Aber mit seinem neuen Börsenkandidaten, der German Startups Group, funktioniert das nicht mehr so einfach. Der Börsengang der Berliner, die sich teilweise mit Minibeträgen an 43 Unternehmen aus dem Online-Bereich beteiligen, wollte auch im zweiten Anlauf nicht gelingen. Statt das einfach hinzunehmen und sich wieder in Berlin um die Arbeit zu kümmern, gibt Gerlinger noch ein „Begleitendes Statement“ zu der Schmach heraus. Die Schuld für die Absage schiebt er dem „Umfeld“ mit China- und Griechenland-Krise zu und der Kursflaute bei „einem vergleichbar wahrgenommenen deutschen Unternehmen aus der Start-up-Szene“, also Rocket Internet. Künftig, Herr Gerlinger, können Sie auch noch Apple erwähnen, denn die Aktie kam einen Tag nach Ihrer Absage ins Taumeln und verlor knapp sieben Prozent.

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Aber vielleicht war Börsianern das Start-up-Geschäft auch einfach noch zu dünn, mit all dem jungen Online-Gemüse. Sie zweifelten etwa, ob die Millionen, die an der Börse zu einem hohen Preis eingesammelt werden sollten, tatsächlich in interessante und wertvolle Beteiligungen fließen würden. Die Skepsis im Markt ist erfreulich. Also Jungs, geht erst einmal wieder in die Garage und tüftelt an eurem Erfolg, dann klappt’s irgendwann auch wieder an der Börse!

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