Opec: Auf dem Weg zur Dauerförderkürzung

Opec: Auf dem Weg zur Dauerförderkürzung

, aktualisiert 12. September 2017, 16:25 Uhr
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Die Opec scheint auch über den März 2018 hinaus ihre Ölförderung kürzen zu wollen. Das soll den Ölpreis stabilisieren.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Das Ölkartell fördert im August wieder weniger Öl – aber mehr, als bei der Einigung zur Förderkürzung abgemacht wurde. Nun will Saudi-Arabien den Deal verlängern. Doch Analysten und sogar Bündnispartner bleiben skeptisch.

FrankfurtRussland gilt als wichtigster Verbündeter der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) im Pakt zur Förderkürzung. Doch was der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft nun zu sagen hatte, dürfte den Öl-Scheichs überhaupt nicht gefallen. „Ich glaube, dass das Opec-Abkommen keinen Einfluss auf den Markt hat“, sagte er vor Kurzem der russischem Nachrichtenagentur Tass. Der Preisaufschwung liege vielmehr an der Dollar-Abwertung.

Das allein sind schon harte Worte eines Verbündeten. Setschin aber legte zu Wochenbeginn noch einmal nach: Im kommenden Jahr rechnet er mit einem Ölpreis zwischen 40 und 43 Dollar – also einem Fünftel weniger als heute. Schlechte Nachrichten für die von Öleinkünften abhängigen Staatshaushalte der Opec.

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Die Reaktion ließ denn auch nicht lange auf sich warten: Dass Saudi-Arabien an einer Verlängerung des aktuellen Kürzungsabkommens tüftelt, das insgesamt 1,8 Millionen Barrel Öl täglich vom Markt nehmen soll, ist bekannt. Nun gibt es in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Venezuela und Kasachstan offenbar erste Verbündete. Den Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent-Öl hat das am Dienstag über 54 Dollar getrieben. Hinzu kommt, dass die Opec laut ihrem jüngsten Ölmarktbericht mit 32,75 Millionen Barrel pro Tag wieder weniger förderte als im Juli.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Erstens überschreitet das Kartell damit nach wie vor seine selbst gesetzte Obergrenze von 32,5 Millionen Barrel pro Tag. Zweitens bleibt das größte Problem innerhalb der Opec nach wie vor ungelöst: Wie soll man mit Libyen und Nigeria umgehen, die von den Kürzungsmaßnahmen ausgenommen sind und im Vergleich zum vergangenen Jahr rund 670.000 Barrel Öl pro Tag mehr fördern? Eine Antwort auf diese Frage hat die Allianz noch nicht gefunden. Tatsächlich wäre es den Ölscheichs am liebsten, wenn sie die beiden Länder künftig zum Kürzen überreden könnten.

Die Opec steckt in einem Dilemma. Einerseits sinken die globalen Lagerbestände, was das erklärte Hauptziel der Kürzungsmaßnahme war. Andererseits sind sie noch nicht auf dem Fünf-Jahres-Durchschnitt angekommen, den das Kartell erreichen will. Und noch immer kommt Gegenwind nicht nur aus den eigenen Reihen – Libyen und Nigeria – sondern vor allem aus den USA. Wegen der weiter steigenden Schieferölproduktion rechnen Ölanalysten wie jene der Société Générale im kommenden Jahr bereits wieder mit steigenden Vorräten.


Nächstes Opec-Treffen im November

Die Amerikaner werden auf dem Weltmarkt zu immer schärferen Konkurrenten der Opec. Obwohl die USA noch immer mehr Öl verbrauchen, als sie selbst produzieren, wittern sie gute Geschäfte jenseits ihrer Grenzen. Nachdem die USA Ende 2015 ihr Ölexportverbot aufhob, drängen die Produzenten verstärkt auf den Weltmarkt, nicht zuletzt in Asien. Der Kontinent ist wiederum für Saudi-Arabien der bevorzugte Abnehmermarkt. In China jedoch verloren sie zuletzt Marktanteile, obwohl das Reich der Mitte mehr importierte. Dort sieht die Bank of America aktuell das amerikanische Öl wegen seines günstigeren Preises im Vorteil – das nordamerikanische Leichtöl WTI kostet rund drei Dollar je Barrel weniger als Opec-Öl.

Die Saudis möchten das wiederum nicht hinnehmen und verschärfen ihre Exportpolitik. Die Lieferungen in die USA wollen sie im September nach Reuters-Berichten reduzieren. Das Öl könnten sie wiederum nach Asien verschiffen, während sich die Amerikaner um Alternativen bemühen müssten, seien es Importe aus anderen Ländern oder eben der Verbrauch von in den USA produziertem Öl.

Wer nun dachte, dass Hurrikan Harvey der Opec zugutekommen könnte, weil er große Teile der ölverarbeitenden Industrie in den USA lahmlegte, der irrt. Das Gegenteil ist der Fall: Weil Raffinerien ausfielen, sank die Nachfrage nach amerikanischem Öl. Die Lager füllten sich.

So muss sich die Opec weiter in Geduld üben, um den angepeilten Lagerabbau zu erreichen. Vieles deutet darauf hin, dass sich das Ölkartell auf dem Weg in eine Langzeitkürzung befindet. Laut Bloomberg soll der Deal über März 2018 hinaus wohl noch einmal um mehr als drei Monate verlängert werden. Ob sich das Kartell darauf einigen kann, wird sich am 30. November zeigen. Dann kommt die Opec zu ihrem nächsten Treffen in Wien zusammen.

Ursprünglich war der Deal als Kurzeingriff geplant: Nach sechs Monaten sollte Ende Juni 2017 Schluss sein. Dieser Plan hat sich als bloße Wunschvorstellung entpuppt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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