Ottes Orderbuch: Absurdes Sparverhalten der Deutschen schrumpft Vermögen

kolumneOttes Orderbuch: Absurdes Sparverhalten der Deutschen schrumpft Vermögen

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Max Otte, Ökonom und Professor für internationale Betriebswirtschaftslehre, warnt vor der großen Krise.

Kolumne von Max Otte

In seiner neuen Kolumne auf wiwo.de widmet sich Börsenprofessor Max Otte der mit der Finanzkrise völlig aus den Fugen geratenen Investmentwelt und den Chancen, dem schleichenden Vermögensschwund zu begegnen.

Eines der letzten Bücher des Granseigneurs der außenpolitischen Berichterstattung, Peter Scholl-Latour, hieß „Eine Welt aus den Fugen“. Das trifft auch auf die Investmentwelt zu. Ein Bekannter von mir, ein Anwalt für Medizinrecht, berichtete von Krankenakten, die er im Laufe seiner Erfahrung gesehen hatte. Bei todkranken Patienten laufen oft kurz vor dem Ende die wesentlichen Vitalfunktionen völlig auseinander. Nichts passt mehr zusammen. Die einzelnen Körperfunktionen tun, was sie wollen.

Das scheint mir manchmal auch die richtige Beschreibung für unsere aktuelle Weltwirtschaft zu sein. Und deswegen bin ich im vergangenen Jahr wieder pessimistischer geworden, dass wir die Folgen der Finanzkrise bewältigen können, nachdem ich im Frühjahr 2009 Entwarnung gegeben hatte. Eine Studie des McKinsey Global Institute vom Februar zeigt auf, dass die Gesamtschulden der Welt von 140 Billionen Dollar im Jahr 2007 auf 200 Billionen Dollar 2014 gestiegen sind.

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Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

Hierzu hatte McKinsey die Schulden von Privathaushalten, Unternehmen, Finanzsektor und Staat addiert. Endlich sehen auch die etablierten Forschungsinstitute ein, dass die Gesamtschulden eben doch eine kritische Größe für die Wirtschaft sind, denn unter Ökonomen herrschte hier lange eine erstaunliche Lässigkeit. „Die Schulden der einen sind die Guthaben der anderen, und zusammen hebt sich das doch auf“ – diesen Satz habe ich selber von einem  bekannten Ökonomen in Deutschland gehört.

Der Westen hat sich auf ein gewaltiges Experiment eingelassen

Mit dem Anwerfen der Notenpresse und den mittlerweile an vielen Stellen eingeführten Negativzinsen haben sich die westlichen Notenbanken auf ein gewagtes Experiment eingelassen. Eigentlich sollte man wissen, wo so etwas endet. Dennoch scheint den westlichen Regierungen kein anderes Instrument einzufallen. Eine wirkliche Reform unseres kranken Wirtschaftssystems ist jedenfalls nicht einmal ansatzweise gelungen.

Börsenprofessor Max Otte “Das Ganze hat einen gewissen Endspielcharakter!”

Max Otte hat den Crash 2008 vorhergesagt. Seit Monaten warnt der Professor, Buchautor und Fondsmanager vor der nächsten, viel schärferen Krise. Im Gespräch erläutert er, warum – und was Anleger 2015 tun können.

Max Otte im Interview Quelle: Presse

Die Negativzinsen (teilweise euphemistisch als Gebühren versteckt) führen in den Sparnationen Deutschland und Japan zu einer schleichenden Enteignung der Bevölkerung. Sie erfordern auch umfassende Wirtschaftskontrollen, um überhaupt wirken zu können. So werden in Deutschland die Lebensversicherer gezwungen, einen großen Teil ihrer Kapitalanlagen in angeblich sicheren Anleihen zu halten. Immer mehr blasen Staaten, Notenbanken und Geldersatzdienstleiser zur Abschaffung des Bargelds. Was unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung durchaus plausibel klingt, beschwört in Wirklichkeit eine Horrorvision herauf: ohne Bargeld sind wir völlig steuerbar. Politisch unliebsamen Personen kann mit einem Schlag die Existenzgrundlage entzogen werden.

Geldersatzdienstleistungen werden als neue Errungenschaft gepriesen – nicht zuletzt von den Geldersatzdienstleistern. Letztlich steht aber dahinter nur die Privatisierung eines der letzten öffentlichen Güter, nämlich eines sicheren, funktionierenden und billigen Zahlungsverkehrs.

Geldvermögen ist ein Indikator für Dummheit

In dieser Investmentwelt müssen wir – müssen Sie – ihr Kapitalvermögen anlegen. Dabei ist vieles nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Es versteht sich von selbst, dass Bargeld oder Kontoguthaben nichts mehr bringen. Dennoch ist das Geldvermögen der Deutschen so hoch wie nie zuvor – über fünf Billionen Euro füllten die prallen Kassen der Privathaushalte. Einiger Privathaushalte, denn die Ungleichheit der Vermögen steigt.

Dieses vermeintliche Vermögen ist eher ein Indikator für die Unerfahrenheit – drastischer: die Dummheit – der Deutschen in Geldanlagefragen. Fast vier der fünf Billionen sind in Bargeld, Sichteinlagen, Lebensversicherungen oder Altersgarantieprodukten angelegt und damit der schleichenden Enteignung („financial repression“) unterworfen.

Weitere Artikel

Die Anlage in Aktien war rückläufig, während die Finanzverbindlichkeiten der Haushalte um immerhin zehn Prozent gestiegen sind. Die Schulden wurden zumeist zum Kauf von Immobilien genutzt. Ob dies immer so klug war, wird sich zeigen.

Wo auch in einer aus den Fugen geratenen Investmentwelt noch Anlagemöglichkeiten gibt, will ich für Sie ab jetzt in meiner neuen Kolumne "Ottes Orderbuch" für WirtschaftsWoche Online untersuchen.

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