Ottes Orderbuch: In der Falle der bargeldlosen Zukunft

kolumneOttes Orderbuch: In der Falle der bargeldlosen Zukunft

Auf Bargeld zu verzichten scheint unheimlich bequem und fortschrittlich. Bürger entmündigen sich dabei aber nur selbst - und ermöglichen dem Staat, sie schleichend zu enteignen.

Die Abschaffung des Bargeldes – das war lange Zeit ein Thema, das nur den Verschwörungstheoretikern zugesprochen wurde. Von „vernünftigen Bürgern“ als reine Spinnerei abgetan, war dies lange Zeit völlig unvorstellbar. Seitdem der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff bei einem Vortrag in München am ifo-Institut die Vorteile einer vollständig bargeldlosen Wirtschaft anpries, ist in Europa auch unter anerkannten Fachleuten eine Diskussion hierrüber entfacht. Die Akzeptanz scheint auch unter der Bevölkerung zu wachsen. Wird damit die einstige Utopie doch schleichend zur Realität?

Schweden verzichtet auf Bargeld

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In Skandinavien ist der bargeldlose Zahlungsverkehr schon wesentlich verbreiteter als in Deutschland. Sogar Björn Ulvaeus, der Mitbegründer der berühmten Musikgruppe ABBA, rief nach einem Selbstversuch ohne Bargeld die schwedische Bevölkerung zum Verzicht auf Bargeld auf. Es mag hier absolut keinen Zusammenhang damit geben, dass ein Besuch des ABBA-Museums ausschließlich nur noch per Kartenzahlung möglich ist – aber ein interessantes Detail ist es dennoch. Es ist auch absolut nicht verwunderlich, dass es sich bei dem Hauptsponsor des Museums um Mastercard handelt.

Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

In den Niederlanden haben sich Menschen experimentell Bezahlungschips implantieren lassen. In diversen Ländern in Südamerika, wie beispielsweise Chile oder Uruguay, in denen aufgrund der hohen Inflation der landeseigenen Währung schon seit langem der Dollar als die „harte Parallelwährung“ akzeptiert wird, erhält man nicht selten in Geschäften und Restaurant einen Rabatt von zehn bis zwanzig Prozent, wenn man statt einem dicken Bündel Scheine die viel praktischere Plastikkarte zückt.

Der Bürger wird entmündigt

Dass dies unter diesen Umständen viel praktischer scheint, ist unbestreitbar. Was jedoch so als schöne neue Welt ohne Kriminalität daherkommt – die Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität ist eines der beliebtesten Argumente der Befürworter der Bargeldabschaffung – birgt auch Risiken, denen sich jeder Bürger bewusst sein sollte.

Bargeldzwang wird aufgeweicht Ohne Bares durch Dänemark

Die Deutschen lieben Münzen und Scheine, bargeldlos bezahlen sie nicht so gerne. Dänen dagegen zahlen gerne mit Karte - einige Geschäfte dort müssen bald kein Bargeld mehr annehmen.

Kreditkarte Quelle: dpa

Ohne Bargeld sind wir nicht nur noch gläserner als jetzt schon, sondern auch noch restlos manipulier- und steuerbar. Negativzinsen, die jetzt schon teilweise existieren, könnten dann grundsätzlich eingeführt werden und wären für jedermann unausweichlich. Aber nicht nur eine solche schleichende Enteignung der Bürger kann mit der Bargeldabschaffung voranschreiten.

Ulrich Horstmann und Gerald Mann haben sich ausführlich mit den Risiken der Bargeldabschaffung auseinandergesetzt und klären hierrüber in ihrem Buch „Bargeldverbot“ auf.

Weitere Artikel

Neue Steuern oder Zwangsabgaben können so viel einfacher und unkomplizierter erhoben werden. Mag es auf den ersten Blick für den ein oder andern doch gut klingen, wenn man dank der völligen Digitalisierung des Zahlungsverkehrs einem Alkoholiker beispielsweise den Erwerb von alkoholhaltigen Getränken und Lebensmitteln an der Supermarktkasse verweigern könnte. Letztlich bedeutet dies aber nichts anderes als eine Entmündigung des Bürgers.

Ein solches Szenario kann am Ende auch bedeuten, dass jedem anderen der Kauf einer x-beliebigen Ware - aus welchem Grund auch immer - untersagt bleibt. Das mag heute noch wie ein absolutes Schauermärchen klingen, aber die Folgen einer vollständigen Digitalisierung des Geldes können zumindest weitergehende Folgen haben, als wir es auf den ersten Blick erkennen oder uns vorstellen können.

Hinweis/Disclaimer:

Prof. Dr. Max Otte berät beziehungsweise Unternehmen, an denen Prof. Dr. Max Otte beteiligt ist, beraten den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.

Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräusserung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.

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