Ottes Orderbuch: Inhabergeführte Unternehmen sind für Anleger reizvoll

kolumneOttes Orderbuch: Inhabergeführte Unternehmen sind für Anleger reizvoll

, aktualisiert 27. Juli 2015, 09:29 Uhr
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Ein Mann im Anzug geht durch Berlin.

Kolumne von Max Otte

Nur weil der Aktienkurs eines Unternehmens gerade in Höhe schießt, heißt das nicht, dass der Manager fähig ist und im Interesse der Aktionäre handelt. Welche Vorzüge inhabergeführte Unternehmen haben.

Vorletzte Woche schrieb ich über langfristige Wettbewerbsvorteile, die erstklassige Unternehmen und deren Geschäftsmodelle wie durch einen Burggraben vor ernster Konkurrenz schützen. Neben dieser Eigenschaft ist auch die Managementqualität ein wichtiger Faktor, mit dem man sich vor einer Investmententscheidung auseinander setzen sollte.

Die zentrale Frage sollte hierbei sein, ob das Management tatsächlich im Interesse der Aktionäre handelt und für das Unternehmen und deren Anteilseigner langfristig wertschaffend wirtschaftet, oder ob das Management eher wertvernichtend agiert.

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Wie Manager Unternehmen durch Fehlentscheidungen in die Krise steuerten

  • airberlin

    Die zweitgrößte deutsche Fluglinie hat sich mit zu vielen Zukäufen verhoben. Machte der Kauf der DBA 2006 noch Sinn, galt das für die LTU-Übernahme 2007 nicht mehr. Dort war Air-Berlin-Chef Joachim Hunold seinerzeit im Unfrieden weggegangen und wollte wohl zeigen, wie der Ferienflieger zu retten ist. Die Billigflieger von TUIfly zu mieten ging dann erst recht schief. Denn Hunold versäumte es, alle Einheiten zu einer Airline zu verschmelzen, und arbeitete weiter mit separaten Organisationen und Tarifverträgen. Ohne den Einstieg der Golf-Airline Etihad wären die Berliner wahrscheinlich pleite.

  • ALTANA

    Der Pharma- und Chemiekonzern lebte jahrelang gut vom Verkauf des Magenmittels Pantoprazol. Konzernchef Nikolaus Schweickardt schaffte es jedoch nicht, ein ähnlich lukratives Nachfolgepräparat aufzubauen und vernachlässigte die Forschung. Nachdem eine Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer scheiterte, geriet der Dax-Konzern mit Sitz in Bad Homburg bei Frankfurt immer mehr in die Bredouille. Mehrheitseignerin Susanne Klatten verkaufte das Pharmageschäft 2007 an das dänische Unternehmen Nycomed, das einen Großteil der Stellen abbaute. Seit 2011 gehört Nycomed zu Takeda; die Japaner strichen bei Altana Pharma noch einmal 700 Jobs. Übrig ist nur noch das Chemiegeschäft.

  • hp

    Nur elf Monate, von Oktober 2010 bis September 2011, währte die Regentschaft des deutschen CEOs Léo Apotheker bei dem kalifornischen IT-Giganten. Doch die Zeit reichte für diverse Fehlentscheidungen. Apotheker peitschte den mit elf Milliarden Dollar weit überteuerten Kauf des britischen Softwareanbieters Autonomy durch. Nachfolgerin Meg Whitman musste fast die gesamte Summe abschreiben; inzwischen hat sich erwiesen, dass Autonomy seine Zahlen massiv geschönt hatte. Ebenfalls auf Apothekers Betreiben diskutierte HP Pläne zur Abspaltung des PC-Geschäfts. Diese sickerten an die Presse durch, worauf der Konzern eilig zurückruderte – und Apotheker seinen Hut nehmen musste. Der Aktienkurs hatte sich unter seiner Ägide halbiert.

  • Praktiker

    Der Vorstand des Baumarktkonzerns aus Kirkel im Saarland setzte jahrelang nur auf eine einzige Strategie: Rabatte. Doch nach kurzer Zeit gewöhnten sich die Kunden an die werbewirksam vermarkteten „20 Prozent auf alles“-Aktionen und verschoben ihre regulären Einkäufe auf Rotstifttage. Das fraß Marge, die Verluste stiegen. Trotzdem steuerte das Management erst um, als es schon zu spät war. 2013 meldete Praktiker Insolvenz an.

  • ThyssenKrupp

    Der damalige ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz entschied 2002 auf dem Höhepunkt der weltweiten Stahlkonjunktur, in Brasilien ein Stahlwerk zu bauen, 2005 kam die Investitionsentscheidung für ein Walzwerk in Alabama (USA) hinzu. Die Baukosten waren schlampig kalkuliert: Aus 3,5 wurden 12 Milliarden Euro. Dann stürzte der Weltstahlmarkt ab. Das Fehlinvestment trieb den Essener Konzern an den Rand des Ruins.

  • NOKIA

    Zwischen 2005 und 2010 stand Olli-Pekka Kallasvuo an der Spitze des Handyriesen Nokia. Damit war Kallasvuo maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Finnen einen der wichtigsten Trends in der Mobilfunkindustrie verschliefen: den Trend weg von Tastatur-Handys hin zu Smartphones mit Berührungssteuerung am Display, wie es Apple mit dem iPhone seit 2007 vorgemacht hat. Das Ergebnis war ein Absturz, von dem sich der Konzern nie erholte: 2012 stürzte Nokia vom Thron des Handyweltmarktführers. Im September 2013 kaufte Microsoft Nokias Handysparte für 5,4 Milliarden Euro.

Dies ist nicht immer einfach zu beantworten. Nicht selten werden Manager von Medien in den Himmel gelobt und ihnen zugesprochen, dass sie Werte für ihr Unternehmen schaffen, nur wenn der Aktienkurs kurzfristig steigt. Dabei kann der Aktienkurs nicht wirklich als zuverlässiger Indikator für ein wertschaffendes Management herangezogen werden, spiegelt er doch lediglich die Meinung der Anleger wider und nicht unbedingt die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens.

Gute Storys für Euphorie

Wie oft ist es schon vorgekommen, dass ein Management mit einer aggressiven wenn nicht gar waghalsigen Übernahmewelle, oder einfach durch eine grandiose Story solch eine Euphorie bei der Masse der Marktteilnehmer erzeugt hat, dass der Aktienkurs (kurzfristig) in die Höhe schoss.

Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

Erwiesen sich dann später die zuvor vom Management abgegebenen Prognosen als viel zu hoch gegriffen, oder die so gut klingende Unternehmensstrategie als Flop, war es mit dem Höhenflug der Aktie schnell dahin. Denken Sie nur an die vielen „Sternchen“ der New Economy, von denen heute fast keiner mehr übrig ist.

Dagegen deutet vieles darauf hin, dass Manager, die Miteigner am Unternehmen sind, am nachhaltigen Wachstum des Unternehmens interessiert sind, statt nur an ihrer eigenen Karriere zu basteln. Ihre Interessen sind damit zweifelsohne mit hoher Wahrscheinlichkeit deckungsgleich mit den Interessen der restlichen Aktionäre.

Interessant für Investoren

Inhabergeführte Unternehmen sind daher häufig besonders interessant für Value Investoren. Häufig kann man solche inhabergeführte Unternehmen bei mittelgroßen und kleinen börsennotierten Unternehmen vorfinden, sogenannte Mid- und Smallcaps. Oftmals ist hier die Gründerfamilie nach wie vor zu einem markanten Teil am Unternehmen beteiligt oder hat sogar weiterhin die Geschäftsführung inne.

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