Ottes Orderbuch: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Aktien?

kolumneOttes Orderbuch: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Aktien?

Kolumne von Max Otte

„Schon rein? Oder noch nicht?“ Oder auch: „Schon raus? Oder noch warten?“. Es ist die Frage, die Privatanleger bei Aktien umtreibt. Dabei sollte diese Frage niemals im Vordergrund stehen.

Die wichtige Frage ist, wie Vermögen und Portfolio im Hinblick auf Chancen und Risiken insgesamt aufgestellt sind. Wie groß ist die Aktienquote? Welche Positionen sind im Portfolio? Auch 100 Prozent Liquidität ist eine Investmententscheidung. Oder eine Sammlung von alten Whiskys, wie es die Bestseller Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich in "Der Crash ist die Lösung" schreiben. Beide haben sicher intensiv und originell über die Probleme unseres Finanzsystems nachgedacht, aber mit der Anlagestrategie - Immobilien, Land, Gold, Obstgarten und alte Whiskys, jedoch keine Aktien – würde ich mich doch sehr unwohl fühlen. Dabei reflektieren Weik und Friedrich so ziemlich die Vorstellungen des deutschen und österreichischen Normalbürgers, der von Aktien absolut die Nase voll hat. Was wiederum für die Popularität der Bücher nicht abträglich ist.

Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms, Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz, Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentsfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, werden von ihm und seinem Team beraten. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengemien.

Beide sind originelle und mir absolut sympathische Denker. Im Investment- und Anlagegeschäft steht der Nachweis allerdings noch aus, wobei mir einige Teile der Investmentstrategie, zum Beispiel Geldforderungen zu minimieren, absolut sympathisch sind. Aktien sind für mich jedoch aus der Vermögensaufstellung nicht wegzudenken.

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Wenn Anleger also 100 Prozent Liquidität haben, haben sie damit auch eine (Investment-)Entscheidung getroffen. Sie können nicht nicht entscheiden. Für Anleger, die mit Aktien Vermögen langfristig aufbauen und sichern möchten, kann es daher nur darum gehen, ob sie die Aktienquote nun erhöhen wollen oder noch nicht, wenn sie nicht bereits im Rahmen Ihrer Vermögensaufteilung voll investiert sind. Etwas Liquidität kann nicht schaden. Damit behält man sich die Möglichkeit, bei Kursrücksetzern gut nachkaufen zu können.

Der Fokus sollte immer auf den Unternehmen, ihrer Qualität und ihrer Bewertung liegen. Welche Unternehmen sind gut genug, um auch in einer Phase großer wirtschaftlicher Turbulenzen noch zu wachsen? Und sind sie attraktiv oder angemessen bewertet?

Ein Dax-Unternehmen zumindest guter Qualität ist sicher BMW (Stammaktie WKN: 51900; Vorzugsaktie WKN: 519003). Die Stammaktie hatte im April 122 Euro überschritten. Nun ist sie in der Korrektur zeitweilig auf unter 80 Euro gefallen. Das waren in der Spitze Minus 35 Prozent. Da der Automarkt zyklisch ist, kann die BMW-Aktie nicht die höchste Qualität für sich beanspruchen. Aber die Familie Quandt, die einen beherrschenden Einfluss ausübt, sorgt dafür, dass das Management "auf Linie" bleibt und für die Aktionäre arbeitet.

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Nun wird als Begründung für den Kurseinbruch die Wachstumsschwäche in China genannt. Aber BMW ist ein globales Unternehmen China ist zwar ein Wachstumsmarkt, macht aber unter 20 Prozent des Unternehmensumsatzes aus. Selbst wenn China nun einige Zeit schwächelt, erfreuen sich BMWs in Europa und Amerika großer Beliebtheit.

Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt acht. Ja, die Autobranche ist zyklisch und die Gewinne können schwanken. Aber insgesamt handelt es sich bei BMW um ein gut geführtes Unternehmen mit einer gut positionierten Marke und bei einem Kurs um die 90 Euro (die Vorzugsaktie bei 70 Euro) eine Überlegung wert, um an einer möglichen Erholung des Dax zu partizipieren.

Wenn der Dax bei 12.000 Punkten nicht wirklich überbewertet war, dann ist er es bei 10.000 Punkten erst recht nicht. Noch immer hat die Mehrzahl der Deutschen die Aktie nicht wiederentdeckt. Da lohnt es sich, dabeizubleiben oder wieder einzusteigen.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

Hinweis/Disclaimer:

Max Otte berät beziehungsweise verwaltet den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.

Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräusserung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.

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1 Kommentar zu Ottes Orderbuch: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Aktien?

  • Rainers Senf. Liest den überhaupt jemand? Aktien jetzt kaufen? Verfahren anstatt Denken um psychologische Fallen zu umgehen helfen leider auch nicht. Was spricht für Vorsicht?

    Die Kredite für Wertpapierkäufe sind in den USA absurd rekordhoch gestiegen. Die lange Geschichte der "Endspiele" (auf deutsch Crash) an den Börsen zeigt diese extremen "Hebel" häufig als sehr ernstes Warnsignal. Der Shiller oder auch Buffett Indikator belegen ähnliches. Die niedrigen Zinsen verleiten zu Investitionen, die sich später nicht rechnen. Verdeckt weltweit sehr hohe Arbeitslosigkeit.

    Ja, es kann noch lange so weiter gehen wie es jetzt läuft. Aber gewinnt man bei dem Spiel? Oder ist man der Letze, den die Hunde dann beißen?

    So wie es jetzt aussieht, kann man fast machen was man will, am höchsten wird letztlich der Verlust für Bares in jeder Form sein.
    Also 25% Aktien. 25% Immobilien. 25% Edelmetalle und Rohstoffe. 25% Cash. Ein Bleiberecht in einem anderen Staat.

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