Ottes Orderbuch: Mittelstandsanleihen - alles andere als risikolos

kolumneOttes Orderbuch: Mittelstandsanleihen - alles andere als risikolos

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Max Otte über die vermeintliche Sicherheit von Mittelstandsanleihen.

Kolumne von Max Otte

Für viele Privatanleger klingen Mittelstandanleihen nach einer sicheren, bezahlbaren und zugleich einträglichen Investition. Dabei platzt jede fünfte dieser Geldanlagen. Worauf Anleger achten sollten.

„Mittelstandsanleihe“ – dieses Wort klingt gut und suggeriert sicher nach wie vor bei vielen Privatanlegern Sicherheit und Solidität. Schließlich ist der Mittelstand – und damit mittelständische Unternehmen – nach wie vor eine wichtige Säule unserer deutschen Wirtschaft. Mit dieser Säule haben sogenannte „Mittelstandsanleihen“ jedoch nicht das Geringste zu tun. Diese Anleihen werden meistens nämlich entweder von kleinen neuen Unternehmen mit noch unerprobten und riskanten Geschäftsmodellen – und damit eben alles andere als etablierte Mittelständler – herausgegeben oder von mittelständischen Unternehmen, die tief in der Krise stecken.

Die Emissionsvolumina bewegen sich oft im Bereich von 30 bis maximal wenige hundert Millionen Euro. Und anders als bei Anleihen von Großunternehmen sind Mittelstandsanleihen oftmals schon ab einer Stückelung von vielleicht 1.000 Euro zu haben. Dies macht sie quasi für jeden, und damit gerade für den kleinen mittelständischen Anleger, so „erschwinglich“.

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Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

Doch genau darin liegt die Gefahr. Welche Risiken diese Anleihen bergen zeigt nicht zuletzt eine Statistik vom vergangenen Jahr über bisherige Totalausfälle solcher Anleihen, bedingt durch Insolvenzanträge der schon bei Produktemission angeschlagenen Emittenten. Nicht nur der Konkurs der „Traumschiff“-MS Deutschland Beteiligungs GmbH ließ den Traum vieler Privatanleger wie eine Seifenblase zerplatzen. Von rund einhundert am Anleihenmarkt vertretenen mittelständischen Unternehmen, waren mit Stand November 2014 schon mehr als 20 zahlungsunfähig und in einem entsprechenden Insolvenzverfahren.

Zwar ist die Neuemission von Mittelstandsanleihen seit Bekanntwerden dieser Pleitewelle deutlich zurückgegangen, aber nach wie vor werden neue herausgegeben, und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis „Gras über die Sache gewachsen ist“ und hier ein neuer Boom auf Kosten der Kleinanleger entstehen kann. So hat zum Beispiel die zur Katjes-Gruppe gehörende Beteiligungsgesellschaft Katjes International & Co KG im Mai dieses Jahres über eine neue Anleihe 60 Millionen Euro eingesammelt. Begründet wird diese Kapitalmaßnahme vom Unternehmen selbst mit der Absicht, hierüber die Wachstums- und Expansionsstrategie der Unternehmensmarken auszubauen.

Das klingt gut. Von den 60 Millionen Euro neuer Gelder flossen jedoch 45 Millionen in die frühzeitige Rückzahlung der in 2011 herausgegebenen und von den Konditionen her fürs Unternehmen teureren Anleihen.

 Es gibt tatsächlich auch Emittenten von Mittelstandsanleihen, denen damit der Turnaround gelingt. Für den Getränkehersteller Berentzen sieht es derzeit nicht schlecht aus. Die bislang vorgelegten Quartalszahlen lassen jedenfalls hoffen. Während das Absatzvolumen im Segment „Alkoholfreie Getränke“ zwar hinter den Vorjahresergebnissen zurückliegt, konnten die Ergebnisse in den Segmenten „Spirituosen und Frischsaftsysteme“ erfreulich zulegen. Noch ist es aber ein steiniger Weg.

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Insgesamt sollten Anleger äußerste Vorsicht bei Mittelstandsanleihen walten lassen und sich nicht von Hochglanzprospekten und um mehre Prozentpunkte höhere Zinsen als bei herkömmlichen Anleihen blenden lassen. Die Risiken sind erheblich. Dazu stehen die paar mehr Prozentpunkte versprochene Rendite in keinem adäquaten Verhältnis. Schon alleine die Bonität der meisten Papiere liegt zwischen B und CCC. Das heißt, dass die Ausfallwahrscheinlichkeiten über 20 Prozent liegen. Damit handelt es sich um riskante Zocks, die nicht in die Hände von Privatanlegern gehören. Dann doch lieber Aktien solider Unternehmen, die über starke Marken verfügen und zuverlässig Dividenden von drei, vier und mehr Prozent abwerfen.

 

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

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