Ottes Orderbuch: Private Equity - Höhere Renditen Fehlanzeige

kolumneOttes Orderbuch: Private Equity - Höhere Renditen Fehlanzeige

Kolumne von Max Otte

Immer wieder ist von der "Wunderwaffe Private Equity“ als Alternative zu Aktieninvestments zu hören. Doch die Wunderwaffe hat auch Nachteile.

Anders als bei Aktien, die an Börsen frei handelbar sind, versteht man unter „Private Equity“ die Beteiligung an privaten Firmen, die keine Aktien ausgegeben haben und entsprechend auch nicht an Börsen handelbar sind. Nicht selten stellt der Kapitalgeber sein Kapital dabei jungen und innovativen Startups zur Verfügung. Das Risiko ist hier zwar oft hoch, der Kapitalgeber verspricht sich aber als Entschädigung enorme Wachstumsraten. Im Fachjargon heißt dieses Risiko- oder Wagniskapital auch „Venture Capital“. Letzteres hat mit wertorientiertem Investieren rein gar nichts zu tun.

Und selbst wenn es bei Private Equity nicht um ein solches Risikoinvestment geht, so hat auch dies mit langfristigem und nachhaltigem Investieren nichts gemein. Im Gegenteil, eine neue Studie von Roman Kräusel, Professor an der Luxembourg School of Finance, räumt endgültig auf mit dem Mythos um Privat Equity und enthüllt, dass die angebliche „Wunderwaffe Private Equity“ in Wahrheit gar keine höheren Renditen als der Aktienmarkt erzielt hat. Auch die Aktien börsennotierter Private-Equity-Gesellschaften wie KKR, Carlyle oder Blackstone haben sich bislang nicht als rentabel für Anleger erwiesen. Sie blieben allesamt haushoch hinter der Entwicklung des S&P 500 zurück.

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Deutsche Flagge Quelle: dpa

Früher hieß „Private Equity“ eigentlich „Leveraged Buyout“. Dieser Begriff hat den eigentlichen Vorgang – die Übernahme von Firmen mittels sehr viel Fremdkapital, die anschließend gnadenlos ausgeschlachtet wurden, so dass das Geld schnell an den vermeintlichen „Investor“ (Geldgeber) zurückfloss – nicht nur viel trefflicher beschrieben, er machte Firmen wie KKR und Blackstone bekannt und deren Firmengründer zu regelrechten Legenden.

Neuer Name, neuer Boom

Weil die Branche aber nach dem Ende der Achtzigerjahre in eine Flaute geriet und „Leveraged Buyout“ auch nicht gut klingt, benannte man sich in „Private Equity“ um. Mit der Geldschwemme der späten Neunziger und vor allem der 2000-er Jahre wurde Private Equity dann erneut populär. Family Offices und große, institutionelle Anleger zahlten den Private-Equity-Firmen saftige Gebühren, um ihre Gelder für Zeiträume von zehn Jahren in die vermutlichen Wunderfonds zu stecken.

Es ist ein Geschäft der Reichen und der professionellen Geldverwalter: Private-Equity-Gesellschaften müssen weniger streng bilanzieren als börsennotierte Gesellschaften. Sie nutzen das Kapital der Anleger, um dann die übernommenen Unternehmen noch mit Schulden zuzuknallen. Eigentlich eine ziemlich sichere Sache. Weil so viel Geld im Umlauf ist, haben aber die Gesellschaften in den letzten Jahren immer höhere Preise bezahlt - Preise, die wir als Value Investoren nicht zahlen würden.

Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

Die angeblichen Überrenditen, die sogenannte Private Equity Fonds versprachen, flossen ausschließlich in die Taschen der Initiatoren und in die unzähliger Finanzbürokraten. Der Anleger blieb jedoch auf der Strecke. Vor allem Privatanleger wurden mächtig zur Kasse gebeten und sorgten nur noch mehr für einen Geldsegen bei den Emittenten dieser Produkte. Da man als (Privat-)Anleger häufig gar keinen direkten Zugang zu den Privat Equity Fonds selbst erhielt -  das war oftmals nur Institutionellen ab einem Investitionsvolumen von zehn oder 20 Millionen möglich – wurden für Privatanleger noch extra Dachfonds aufgelegt. Damit auch der Kleininvestor von der Wunderwaffe des Private Equity „profitieren konnte“ wurde ihm dank Dachfondsstruktur neben den sowieso schon hohen Private Equity Gebühren auch noch zusätzlich Dachfondsgebühren und hohe Vermittlungsprovisionen aufgebrummt.

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Warum wurde dennoch so viel in Private Equity investiert? Dies ist ein klar angebotsgetriebener Markt. Es ist billiges Geld vorhanden, es gibt große Vermögen und viele findige Banker oder Finanzmanager, die Produkte für ihre Kunden brauchen. Weil Geld bei Private Equity zehn Jahre lang fest angelegt ist, merken die Investoren auch die Schwankungen an der Börse nicht. Eigentlich ein Unding: jede Bank muss die Schwankungen ihrer Wertpapierbestände bilanzieren, die Private-Equity-Gesellschaften aber nicht. So ist Private Equity sehr bequem für die Finanzbürokraten in Pensionskassen, Versicherungen und Family Offices. Ja, wir leben in einer Gesellschaft, in der sich das Geld um sich selber dreht.

Glücklicherweise ermöglicht dies für uns normal gebliebenen Investoren immer wieder Chancen, weil Private-Equity-Gesellschaften eben selten oder gar nicht an gut geführte börsennotierte Gesellschaften herangehen. Wir als Privatanleger müssen im Gegensatz zu den Finanzbürokraten in den Family Offices, Private Equity-Gesellschaften und Pensionskassen unsere Risiken selbst tragen. Wenn wir aber klug investieren und die Schwankungen aushalten, können wir durchaus besser sein als die Finanzbürokraten.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

 

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