Ottes Orderbuch: Wie Sie interessante Aktien aufspüren

kolumneOttes Orderbuch: Wie Sie interessante Aktien aufspüren

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Besonders für Neulinge ist es schwer, sich im Aktiendschungel zurecht zu finden

Kolumne von Max Otte

Die Auswahl der richtigen Aktie ist schwierig, aber fallende Kurse oder schwache Zahlen können Hinweise zum Einstieg sein. Warum es sich lohnt, da hinzusehen, wo alle anderen gerade wegsehen.

Es gibt abertausende von Aktien und mehr als 100 Börsenplätze auf dieser Welt. Selbst wenn Sie sich nur auf die größten Börsenplätze dieser Welt, wie New York Stock Exchange (NYSE), Nasdaq, London oder Tokio halten – ist die Auswahl an handelbaren Aktien schier endlos. Alleine die Deutsche Börse in Frankfurt listet nach eigenen Angaben mehr als 12.000 Aktien. In diesem Aktiendschungel die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen wirkt häufig wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Mit dem richtigen Suchprozess muss das allerdings nicht so sein. Von vielen Marktteilnehmern wird die Suchstrategie häufig irrtümlich mit der Aktienentscheidung gleichgesetzt. Dabei steht die Suche der wichtige Schritt vor der Titelauswahl. Bei einem guten Suchprozess kommt es nicht zwingend auf eine hohe Komplexität an. Im Gegenteil, schon einfache Systematiken können die Suche nach potenziellen Aktienkandidaten erheblich erleichtern.

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Zur Person

  • Max Otte

    Max Otte, Jahrgang 1964, ist ein deutsch-amerikanischer Ökonom, der durch sein 2006 erschienenes Buch „Der Crash kommt“, in dem er die Finanzkrise vorhersagte, national wie international große Bekanntheit erlangt hat. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms und war Professor für Unternehmensanalyse und -diagnose an der Universität Graz. Der Vertrag mit der Uni Graz ist inzwischen ausgelaufen ist, die Lehrtätigkeit in Worms ruht. Otte ist Leiter des 2003 von ihm gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) sowie unabhängiger Fondsmanager. Zwei Investmentfonds für Privatanleger, die nach der Strategie von Max Otte seit 2008 und 2013 anlegen, basieren auf seinen Anlageentscheidungen. Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor", hat zahlreiche Bücher zu verschiedensten Wirtschafts- und Anlagethemen veröffentlicht und ist gern gesehener Gast auf Vortragsveranstaltungen, in Talkshows und in Expertengremien.

Wie bei der nachfolgenden Titelselektion sollten auch beim Suchprozess Emotionen möglichst keine Rolle spielen. Während die reine Kursentwicklung – schon gar nicht steigende Kurse – keinesfalls alleine eine Kaufentscheidung begründen sollte, kann das Filtern nach hohen Kursverfällen bei der Suchstrategie ein absolut legitimer und nützlicher Ansatz sein.

Filter analysieren

Sind auf diese Weise mögliche Kandidaten aufgespürt, gilt es im zweiten Schritt diese potenziellen Anlageideen sehr genau zu analysieren und den Grund für den Kursverfall unter die Lupe zu nehmen. Gewinnwarnungen führen oft zu kurzfristigen Überreaktionen am Markt. Doch nicht jedesmal, wenn das Management seine vorher gesteckten Ziele nicht ganz erfüllen kann steckt ein Unternehmen auch in einer ernsthaften und langfristigen Krise.

10 Tipps für Börseneinsteiger

  • Volles Risiko oder lieber Nummer sicher - Typ-Analyse

    Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

  • Gier ist nicht immer gut

    Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.

  • Nur kaufen, was man versteht

    Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.

  • Bankgebühren beachten

    Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

  • Auf die Mischung achten

    Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

  • Mischung bei Fonds und Zertifikaten

    Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

  • Regelmäßige Überprüfung

    Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

  • Qualität hinterfragen

    Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

  • Verluste begrenzen

    Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

  • Einen kühlen Kopf bewahren

    Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Ein weiteres Beispiel: Am Ende des vergangenen Jahres verzeichnete die Stammaktie des weltweit größten unabhängigen Herstellers von Schmierstoffen – Fuchs Petrolub - einen Kursrutsch von 33 auf rund 25 Euro. Einziger Grund des herben Absturzes: die Gewinnprognose wurde wegen Währungsverlusten gesenkt. Die Wettbewerbssituation war unverändert und auch insgesamt stand das Unternehmen weiter sehr gut da. Wer zu diesem Zeitpunkt Kenntnisse über den fundamentalen Wert des familiengeführten Unternehmens hatte, konnte vom folgenden Kursanstieg profitieren.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

  • Kraft Foods

    Anzahl der Aktien: 30,5 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 1,67 Prozent

    Stand: 14.11.2012 / Quelle: http://warrenbuffettstockportfolio.com/

  • Conoco Phillips

    Anzahl der Aktien: 24 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 1,83 Prozent

  • Directv

    Anzahl der Aktien: 29,5 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 2,05 Prozent

  • US Bancorp

    Anzahl der Aktien: 61,3 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 2,78 Prozent

  • Wal Mart

    Anzahl der Aktien: 46,7 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 4,57 Prozent

  • Procter & Gamble

    Anzahl der Aktien: 52,8 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 4,86 Prozent

  • American Express

    Anzahl der Aktien: 151,6 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 11,44 Prozent

  • International Business Mach

    Anzahl der Aktien: 67 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 18,59 Prozent

  • Wells Fargo

    Anzahl der Aktien: 422 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 19,36 Prozent

  • Coca Cola

    Anzahl der Aktien: 400 Millionen

    Anteil in Buffetts Portfolio: 20,14 Prozent

Gegenwärtig kommt Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway etwas unter Druck. Aufgrund des schwächeren Quartalergebnisses resultierend aus den schwierigen Rahmenbedingungen des Versicherungsgeschäfts macht sich Enttäuschung im Markt breit. Jedoch konnte Buffett den Buchwert in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent pro Jahr steigern. Berkshire Hathaway verfügt über ein breites Portfolio nicht börsennotierter, attraktiver Unternehmen – deren immaterieller Wert wird in der Bilanz trotz Buchwertanstieg konservativ erfasst.

Lieber im Stillen suchen

Die börsennotierten Nicht-Finanzgesellschaften der Investmentholding haben im Durchschnitt operative Margen von rund 18 Prozent. Weil sich die Gewinne dieser Unternehmen solide entwickelt haben, ist ein Kurs-Buch-Verhältnis von 1,4 im Falle von Berkshire Hathaway nicht unattraktiv. Zudem hat Warren Buffett zugesichert, Aktienrückkaufe durchzuführen, falls der Kurs unter das 1,2-fache des Buchwertes sinken sollte. Eine Kursentwicklung ist nicht prognostizierbar, doch im Fall von Berkshire Hathaway ist Potenzial vorhanden.

Generell ist es eine bei Value Investoren nicht unübliche Vorgehensweise, dort genau hinzusehen, wo anderen wegsehen.

Weitere Artikel

Je stärker in den Medien über ein Unternehmen, bzw. dessen Aktie oder eine bestimmte Branche berichtet wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass hier eine Übertreibung am Markt stattfindet. Wird am laufenden Band und auf allen Kanälen nur noch euphorisch von steigenden Aktienkursen eines Unternehmens berichtet, ist es für Einstiege meistens zu spät.

Anders herum kann es interessant sein, sich gerade die Unternehmen und Branchen bei der Suche nach unterbewerteten Aktien näher anzusehen, über die gerade entweder nur negativ oder gar nicht berichtet wird. Genau dies macht es für Value Investoren interessant, ein bestimmtes Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen.

Max Otte ist Herausgeber des Börsenbriefs "Der Privatinvestor" und berät den Max Otte Vermögensbildungsfonds für Privatanleger (WKN A1J3AM)), der nach seiner Strategie und Methode der Königsanalyse investiert.

Hinweis/Disclaimer:

Prof. Dr. Max Otte beziehungsweise Unternehmen, an denen Prof. Dr. Max Otte beteiligt ist, beraten den PI Global Value Fund (WKN: A0NE9G) und den Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM). Diese beiden Fonds könnten Positionen in Titeln halten, die in dieser Kolumne genannt sind.

Für den Fall, dass Leser dieser Kolumne Positionen in einen genannten Titel in einem Umfang erwerben, der dazu geeignet ist, den Preis des Titels zu beeinflussen, könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide die Fonds im Falle der Veräußerung des Titels aus deren Portfolio nach einem solchen Kursanstieg vom Erwerb des Titels durch die Leser der Kolumne profitieren. Auch im Falle eines Verkaufs in einem entsprechenden Umfang durch Leser der Kolumne könnte der Verfasser dieser Kolumne und / oder einer beziehungsweise beide Fonds von fallenden Kursen durch günstigere Einstiegskurse im Falle eines späteren Kursanstiegs profitieren.

 

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