Pauschale Steuer auf Fonds: "Alle Sparer wären betroffen"

InterviewPauschale Steuer auf Fonds: "Alle Sparer wären betroffen"

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Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Fondsverbands BVI.

von Sebastian Kirsch

Gewinne aus Fondsanlagen sollen künftig pauschal besteuert werden, schlägt das Finanzministerium vor. Warum das Kleinsparer benachteiligt, erklärt Thomas Richter vom deutschen Fondsverband.

WirtschaftsWoche: Herr Richter, das Bundesfinanzministerium (BMF) hat einen Diskussionsentwurf für eine Reform der Besteuerung von Fondsanteilen vorgelegt. Danach würden Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen künftig nicht mehr mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent belastet, sondern nur direkt mit 15 Prozent auf Seiten der Fondsgesellschaft. Das klingt erstmal nach einer Verbesserung.

Thomas Richter: Ist es aber nicht. Bestimmte Erträge sollen auf der Fondsebene mit 15 Prozent besteuert werden. Diese Vorbelastung will das BMF dadurch ausgleichen, dass bei Aktienfonds 20 Prozent der Ausschüttungen aus den Fonds und 20 Prozent der Gewinne aus dem Verkauf der Fondsanteile steuerfrei gestellt werden.

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Zur Person

  • Thomas Richter

    Thomas Richter, 49, ist Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI. Zuvor arbeitete er unter anderem bei der Deutsche Börse AG und der Fondsgesellschaft DeAWM. Richter ist Mitglied im Verwaltungsrat der Finanzaufsicht BaFin, Vizepräsident des Weltfondsverbands IIFA und Mitglied des Vorstands des europäischen Fondsverbands EFAMA.

Die restlichen 80 Prozent unterliegen bei Privatanlegern jeweils der Abgeltungsteuer. Teilfreistellungen soll es auch bei Immobilienfonds geben. Allerdings laufen diese Teilfreistellungen häufig ins Leere: Denn in Deutschland erzielen nur gut vier Millionen Steuerpflichtige Einkünfte aus Kapitalvermögen über den Sparerpauschbetrag hinaus, zahlen also überhaupt Abgeltungsteuer. Bei einer generellen Besteuerung auf der Fondsebene wären jedoch alle Sparer betroffen.

Kleinanleger, die den Sparerfreibetrag von 801 Euro nicht ausreizen, würden künftig auch 15 Prozent Steuern abführen müssen. Wie ließe sich diese Benachteiligung von Kleinsparern ausschließen?
Indem man bei der jetzigen Besteuerungsregelung bleibt oder im neuen System den Kleinanlegern eine Erstattungsmöglichkeit einräumt.

Wie sollen Dividenden und Ausschüttungen der Fonds behandelt werden?

Laut Diskussionsentwurf sollen alle Ausschüttungen aus Publikumsfonds für Privatanleger der Abgeltungsteuer unterliegen. Allerdings mit gewissen Freibeträgen: bei Aktienfonds blieben 20 Prozent der Ausschüttungen steuerfrei, bei Immobilienfonds 40 Prozent und bei Immobilienfonds mit Investitionsschwerpunkt im Ausland 60 Prozent. Bislang gilt dagegen das Transparenzprinzip, wonach jede Ausschüttung so besteuert wird, als sei sie direkt angefallen. Die Fondsanlage wird also gegenüber einer Direktanlage, etwa in Aktien, nicht schlechter gestellt. Das halten wir nach wie vor für den richtigen Weg.

Dividenden und ETFs Auf die Auswahl kommt es an

Experten haben bereits das Jahr der Dividende ausgerufen. Anleger freuen sich über üppige Ausschüttungen. Mit börsengehandelten Indexfonds können sie breit gestreut auf den Trend setzen. Was es zu beachten gilt.

Quelle: Getty Images

Halten Sie es für vertretbar, auch den Bestandsschutz abzuschaffen, der Anlegern noch steuerfreie Erträge garantiert, wenn sie vor dem 1. Januar 2009 in Fonds investiert haben?

Das ist ein weiterer Nachteil des vom BMF angestrebten Systemwechsels, denn der bedingt eine Neujustierung, also auch den Wegfall des Bestandsschutzes. Im Gegenzug soll ein Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger eingeräumt werden, das heißt Gewinne aus dem Verkauf von Altanteilen sollen bis zu 100.000 Euro pro Anleger steuerfrei bleiben. Wir halten einen Systemwechsel aber gar nicht für erforderlich, um die vom Finanzministerium verfolgten Ziele zu erreichen.

Thesaurierende Spezialfonds geben Ausschüttungen nicht an die Anleger weiter, sondern reinvestieren diese in den Fonds. Auch diese Gewinne sollen nach dem Vorschlag des Finanzministeriums direkt besteuert werden. Was hieße dies insbesondere für institutionelle Investoren wie Lebens- und Krankenversicherungen?

Dieser Vorzieheffekt bei Spezialfonds hätte dann eine steuerliche Mehrbelastung für diese Unternehmen zur Folge.

In Ausnahmefällen veröffentlichen Fondsgesellschaften für einige ihrer Produkte keine Steuerdaten, so dass der Fiskus die erwirtschafteten Erträge nicht nachprüfen kann. Anleger werden in diesem Fall bislang pauschal besteuert, auch wenn ihr Fonds in einem Jahr keine Gewinne abwirft. Welche Lösung hat das Finanzministerium für diese Problematik, und welcher Ansatz wäre Ihrer Meinung nach optimal?

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Dieser Punkt ist nur für Sonderfälle relevant, grundsätzlich veröffentlichen alle in Deutschland aufgelegten und alle ausländischen Fonds, die in Deutschland vertrieben werden, die Steuerdaten. Ist das nicht der Fall, konnte ein Anleger bislang selbst den Nachweis über die Steuerdaten in der Veranlagung führen.

Der Diskussionsentwurf geht jedoch in eine andere Richtung: Ausschüttungen von Publikumsfonds sollen per se steuerpflichtig werden und die Veröffentlichung der Steuerdaten auf Fondsseite entfallen. Das BMF argumentiert, dass damit das Problem gelöst wird. Wir finden, dass es schon im bestehenden Recht gut gelöst ist.

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