Pfund: Im Brexit-Blues

, aktualisiert 06. Juni 2016, 16:44 Uhr
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Flagge der Europäischen Union und von Großbritannien: Seitdem die EU-Skepsis auf der Insel steigt, fällt die britische Währung dramatisch.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Die britische Währung sinkt, nachdem neue Umfragen auf eine höhere Wahrscheinlichkeit eines EU-Austritts hindeuten. Die Situation ist laut Experten für die Finanzmärkte extrem besorgniserregend.

London.Die britische Währung ist auf ein Drei-Wochen-Tief gefallen und hat damit auf neue Umfragen zum möglichen Austritt des Landes aus der Europäischen Union reagiert. Diese zeigen, dass mehr Briten den so genannten Brexit vorziehen. Das hat die Sorge verstärkt, dass die Abstimmung darüber am 23. Juni massive Verwerfungen an den Finanzmärkten auslösen, Großbritannien in eine Rezession stürzen und insgesamt das Vertrauen in die Staatengemeinschaft untergraben könnte.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Fernsehsenders ITV ergab, dass 45 Prozent der Befragten für einen Abschied aus der EU stimmen wollen. Für den Status quo wollen demnach 41 votieren. Laut einer Befragung von TNS wollen 43 Prozent einen Austritt und 41 Prozent die bestehende Lösung.

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Nach einer Umfrage von ICM ziehen 48 Prozent der Briten vor, dass ihr Land der EU den Rücken kehrt und 43 Prozent haben sich dafür ausgesprochen, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Und eine Befragung der EU-kritischen Tageszeitung „Daily Telegraph“ unter ihren Lesern zeigte, dass sogar 69 Prozent für einen Brexit stimmen wollen.

Die britische Währung ist bereits seit einigen Monaten ein Barometer für die EU-Skepsis im Lande und die Wahrscheinlichkeit eines Brexits. Im Februar war das Pfund gegenüber dem Dollar auf ein Siebenjahres-Tief gefallen. Der Wechselkurs lag bei 1,3836 Dollar je Pfund, hat sich danach jedoch erholt, weil zwischenzeitlich die Brexit-Gegner in Umfragen vorne lagen.

Anfang dieser Woche ist das Pfund gegenüber dem Dollar um etwa ein Prozent gefallen – auf 1,4353 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Mai. Die Kosten, um sich gegen weitere Pfundschwankungen abzusichern, sind parallel dazu deutlich gestiegen. Sie haben teilweise das Niveau von 2009 erreicht.

Die Situation sei extrem besorgniserregend für die Finanzmärkte, sagt Hussein Sayed, Chefstratege beim Devisenbroker FXTM. Man müsse sich auf einen weiteren Fall der britischen Währung einstellen, wenn die Brexit-Befürworter in den Umfragen in Führung blieben.


Mehr Druck auf Premier Cameron

Auch einige Wettanbieter sehen inzwischen eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine Mehrheit der Briten in gut zwei Wochen gegen die EU stimmt. Die Wettbörse Betfair sieht die Chancen dafür inzwischen bei 28 Prozent. Ende Mai lag die Wahrscheinlichkeit laut Betfair noch bei 19 Prozent.

Die Befragungen erhöhen den Druck auf Großbritanniens Premier David Cameron. Er ist der hochrangigste Politiker, der gegen den EU-Austritt des Landes kämpft. Seine Argumente und seine Botschaften zeigen bisher jedoch kaum Wirkung in Umfragen. Bei einem Fernsehauftritt vergangene Woche war Cameron vor allem bei einem Thema in die Defensive gekommen: Er hatte vor fünf Jahren versprochen, die Zahl der Einwanderer auf unter 100 000 pro Jahr zu senken. Zuletzt waren es aber mehr als 300 000 EU-Ausländer, die auf die Insel gekommen waren.

Unterstützung bekam Cameron am Wochenende von dem ehemaligen Premier John Major. Die Kampagne der Brexit-Befürworter nannte er „armselig“ und Boris Johnson, einen ihrer populärsten Vorkämpfer und ehemaligen Londoner Bürgermeister, „einen Hofnarren“.

Bereits in den vergangenen Monaten haben eine ganze Reihe von Volkswirten, Denkfabriken und große Organisationen wie der Internationale Währungsfonds vor der enormen Unsicherheit gewarnt und den negativen Folgen für die Wirtschaft, sollte es zu einem Brexit kommen. Das könnte auch Londons Position als Finanzzentrum schwächen, die Immobilienpreise und die Aktien britischer Unternehmen unter Druck bringen. Nach Ansicht der Bank of England ist ein Brexit das größte heimische Risiko für die Finanzmarktstabilität des Landes.

Quelle:  Handelsblatt Online
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