Private Währungswetten: „Risikoaffinität gehört bei Devisenhändlern dazu“

Private Währungswetten: „Risikoaffinität gehört bei Devisenhändlern dazu“

, aktualisiert 03. Juni 2016, 11:42 Uhr
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Die private Spekulation auf steigende oder fallende Devisenkurse ist höchst riskant.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Private Währungswetten vergleichen Anlegerschützer häufig mit Zockerei oder Spielkasinos. Doch die Branche wehrt sich gegen ihren schlechten Ruf, so auch Arkadius Materla, Deutschland-Chef der britischen Handelsplattform GKFX.

Frankfurt am MainBis zur Jahrtausendwende war der Devisenhandel den Profis vorbehalten. Der Handel mit Währungen war zu komplex und zu schnelllebig für private Anleger. Doch mit dem Internet kamen Online-Broker auf den Markt. Informationen über die Kurse und die Plattformen standen nun jedermann offen. Das zog auch so manchen Hobby-Spekulanten an. Studien belegen, dass die meisten Anleger Geld verlieren.

Herr Materla, Devisen gelten für Privatanleger als hochspekulative Geldanlage. Mit Differenzkontrakten oder Optionsscheinen können sie ihren Gewinn leicht mit einem Faktor von 100 multiplizieren. Gleiches gilt aber auch für die Verluste. Ist das nicht gefährlich?
Unsere Kunden sind sich der Risiken, die der Devisenhandel mit sich bringt, durchaus bewusst. Wir verschweigen diese auch nicht. Im Gegenteil: Wir warnen ausdrücklich davor. Aber eine gewisse Risikoaffinität gehört bei den Devisenhändlern sicherlich dazu.

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Wer sind denn die typischen Devisenspekulanten?
Aufgrund der immer größer werdenden Gruppe der privaten Devisenanleger lässt sich das nicht mehr so einfach abzugrenzen. Grundsätzlich gibt es in Deutschland etwa 45.000 aktive Devisentrader. Wir haben aktuell knapp 11.000 Kunden im deutschsprachigen Raum, die im Kern zwischen 25 und 40 Jahren alt sind, zu über 95 Prozent männlich sind und im Durchschnitt zwischen 4.000 und 5.000 Euro auf ihr Handelskonto einzahlen. Ab hier wird die Abgrenzung schwieriger. Es sind alle Berufsgruppen vertreten. Vom Studenten über den Arzt bis hin zum Banker. Manche praktizieren den Devisenhandel als Vollzeitjob und verbinden einen gewissen Lifestyle damit, andere wollen ihr Spekulationskapital einsetzen.

Seit Jahren warnen Studien und Verbraucherschützer, dass der Großteil der Anleger sein Geld verliert. Profitieren am Ende nur Broker wie Sie?
Das kann man so nicht sagen. Natürlich ist es unser Ziel als Unternehmen, Gewinne zu erwirtschaften. Das ist bei Unternehmen wie Daimler auch nicht anders. Wir sind ein Service-Anbieter und stellen die notwendige Technologie, die Produkte und somit die Handelsumgebung für unsere Kunden zur Verfügung. Wir verdienen dann, wenn Kunden aktiv handeln. Das ist unser Geschäftsmodell. Außerdem bieten wir auch keine Beratungstätigkeit an. Es liegt auch nicht in unserer Hand, einzelne Anleger vom Handel auszuschließen. Auch bieten wir keine Beratungstätigkeit an. Das dürfen wir gar nicht. Den Handel übernimmt der Kunde in Eigenregie.


„Jede Chance bedeutet auch ein entsprechendes Risiko“

Eine Studie hat jüngst erneut gezeigt, dass nahezu alle privaten Währungsspekulanten Verluste einfahren. Ist da denn nichts dran?
Ich kenne diese Studie nicht, deshalb kann ich das so nicht bestätigen. Ich habe aber bislang keine Studie gesehen, die die Gesamtheit der Anleger erfasst. Sicherlich handelt, wie im klassischen Aktienhandel auch, nicht jeder Akteur profitabel. Der Devisenhandel folgt letztlich auch nur der alten Börsenlogik: Jede Chance bedeutet auch ein entsprechendes Risiko.

Verbraucherschützer vergleichen Währungswetten mit einem Spielkasino.
Dieser Vergleich hinkt stark und ist nicht nachvollziehbar. Unsere Produkte leiten sich von herkömmlichen Basiswerten wie Aktien, Indizes, Rohstoffen, Anleihen oder eben Devisen ab. Unsere Kunden spekulieren somit auf Kursänderungen dieser Basiswerte, die fundamentalen, verhaltensökonomischen oder auch charttechnischen Kriterien folgen. Das ist nicht etwa wie am Roulettet-Tisch, wo man – lässt man die grüne Null außer Acht – die Farben Rot oder Schwarz mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit trifft.

Das potenzierte Risiko durch den Hebel aber bleibt.
Da bei dem Handel lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegt werden muss, kann der Kunde mit einem Hebel arbeiten, der die Chancen, aber eben auch die Risiken multipliziert. Allerdings gibt es Möglichkeiten, diese Risiken zu eliminieren oder zu minimieren, etwa mit einer Stop-Loss-Order, die Verluste begrenzen soll oder einem entsprechenden Positionsmanagement, beispielsweise durch die Nutzung von Mikrokontrakten, bei denen nur geringe Summen gesetzt werden.

Die Entwicklung der Devisenkurse bleibt für die meisten Privatanleger aber unvorhersehbar. Für eine Langfristanlage ist das keine gute Voraussetzung.
Kursentwicklung an internationalen Finanz- und Kapitalmärkten sind stets unsicher. Private Devisenhändler sind in der Regel auch keine langfristigen Geldanleger. Wir befinden uns eher im Daytrading-Bereich, bei Händlern, die überwiegend kurzfristig eine Rendite suchen. Grundsätzlich gilt: Wer auf dem Devisenmarkt anlegt, sollte sich auch damit beschäftigen. Währungshandel ist nur für jene geeignet, die eine übermäßige Rendite suchen – denen allerdings auch das Risiko, das sie damit eingehen, bewusst ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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