Ramsch-Anleihen: Die Zwei-Billionen-Dollar-Blase

Ramsch-Anleihen: Die Zwei-Billionen-Dollar-Blase

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Keine Hemmungen: Investoren schrecken vor Ramsch-Anleihen nicht zurück.

Bei ihrer Jagd nach Rendite gehen Investoren höhere Risiken ein und kaufen haufenweise Hochzinsanleihen. Fast jeder Kreditnehmer kommt an Geld. Ein Crash mit Ansage?

Ist es Sorglosigkeit oder Verzweiflung? Bei ihrer Jagd nach Rendite schrecken Investoren selbst vor hohen Risiken nicht zurück. Besonders begehrt sind sogenannte Ramsch-Anleihen, also Papiere von Schuldnern mit zweifelhafter Bonität.

Dieses Jahr wurden bereits Anleihen bonitätsschwacher Emittenten im Wert von etwa 340 Milliarden Dollar platziert. Damit sind die Emittenten auf einem guten Weg, das Rekordvolumen von 477 Milliarden Dollar aus 2013 zu übertreffen. Insgesamt ist der Markt rund zwei Billionen Dollar groß. Besonders aktiv sind derzeit europäische Emittenten: Nach Schätzungen ist fast jede dritte neue Anleihe in Europa ein Junk-Bond.

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„Es erscheint definitiv so, als ob die Anleger höchst überschwänglich werden“, sagt Fred Senft, Anlagestratege bei der Key Private Bank in Cleveland. „Man kann eine Weile in diesem höchst überschwänglichen Zustand bleiben. Aber wenn sich das Blatt wendet, dann geht das schnell und es wird sehr hässlich.“

So kommen Anleger in Hochzins-Unternehmensanleihen durch das Zinstal

  • Was passiert wenn die Zinsen niedrig bleiben?

    Hochzinspapiere sind relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen

    Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich

  • Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben?

    Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen

    Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen

  • Was passiert wenn die Zinsen steigen?

    Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten

    Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern

  • Was tun wenn die Zinsen steigen?

    Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv

    Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell

  • Fazit

    In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds perfekt. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren selten geben, wenn überhaupt

Selbst Anleihen von Staaten oder Unternehmen, die vor kurzem noch als Pleitekandidaten galten, finden Abnehmer. Beispiel Griechenland: Das Land war das Epi-Zentrum der Euro-Krise. Bei mehreren Umschuldungen verloren Gläubiger einen Großteil ihres Geldes. Doch nachdem Griechenland vier Jahre lang vom Kapitalmarkt abgeschnitten war, wagte es sich im April mit neuen Anleihen an den Markt. Die Emission lief so gut, dass die Griechen noch deutlich mehr als die geplanten drei Milliarden Euro hätten einnehmen können. Das Angebot sei „mindestens acht Mal überboten“ worden, erklärte das Finanzministerium.

Auf Seiten der Unternehmen sind es oft kaum bekannte Firmen wie der finnische Dämmstoffhersteller Paroc Group Oy, der französische Autohändler Autodis SA oder der Rundfunksender Clear Channel Communications, die mit Geld überschüttet werden.

„Die Emittenten können nach Lust und Laune begeben und die Sachen werden gekauft“, sagt David Newman, Leiter Hochzinsanleihen weltweit bei Rogge Global Partners in London. „An den Markt kommen immer schlechter bewertete Papiere.“

Die Warnungen kommen inzwischen von höchster Stelle: Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, äußerte sich jüngst besorgt über die „Renditejagd“. Charlie Bean, Vize-Gouverneurs der Bank of England, fühlt sich „unheimlich“ erinnert an die Lage an die Vorkrisenära. Und Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnte vor versteckten Risiken.

Dabei müssten die Währungshüter eigentlich am besten wissen, wer die Jagd auf Ramsch-Papiere überhaupt erst ausgelöst hat. Es waren die Notenbanken selbst, indem sie die Zinsen praktisch abgeschafft und Geld zum Nulltarif bereit gestellt haben. Die US-Notenbank pumpte im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms mehr als drei Billionen Dollar in die Finanzmärkte. Die EZB stellte rund eine Billion Dollar an Notfallkrediten für die Banken bereit und senkte ihren Einlagensatz im Juni auf minus 0,1 Prozent. Japans Zentralbank kauft Anleihen für rund sieben Billionen Yen pro Monat auf. Diese Maßnahmen wirken auf zweierlei Weise: Erstens bringen als sicher eingestufte Anleihen so gut wie keine Rendite mehr. Zweitens ist genug billiges Geld vorhanden, um es in riskantere Anlagen zu investieren.

„Die Liquidität ist nicht in der Realwirtschaft gelandet, sondern vielmehr in die verschiedenen Risikoklassen an den Anleihenmärkten geflossen, was zu der entsprechenden Performance geführt hat“, sagt Alexander Fleischer von der Raiffeisen Bank. Das Ergebnis sei, dass die Investoren immer weniger Renditeaufschlag, beziehungsweise Risikoprämie für das Kreditrisiko verlangten. Die Risikoprämien für erwartete Ausfälle seien deutlich zurückgegangen.

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