Rating und Börse: Lustige Marktgesellen und die US-Misere

KommentarRating und Börse: Lustige Marktgesellen und die US-Misere

von Christof Schürmann

Die USA verlieren ihre Top-Bonität – an der Börse interessiert das nicht die Bohne. Ein Kommentar von Christof Schürmann.

An den Finanzmärkten müssen sich jede Menge lustiger Gesellen tummeln. Anders ist es kaum zu erklären, dass am Montag vor einer Woche viele im großen Stil Aktien verkauften, in Dollar investierten und reihenweise Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland, aber auch der Vereinigten Staaten von Amerika orderten.

Was war geschehen? Erstmals in ihrer Geschichte hat die weltgrößte Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) den Bonitätsausblick des sogenannten Top-Schuldners USA mit einem negativen Ausblick belegt.

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Rational wäre es daraufhin gewesen, Staatspapiere und Dollar abzustoßen, Aktien als Sachwerte dagegen zu kaufen. Nö, denken sich aber die lustigen Gesellen im Gegenteil, wenn Amerika vielleicht bald sein Top-Rating verliert, dann verkauf ich lieber mal schnell meine Metro- oder Linde-Aktien und lege ein bisschen Geld in Dollar, US-Staats- und vor allem Bundesanleihen an. Der Dollar legte also kräftig um zwei Cent zu, langlaufende Bundesanleihen ein gutes Prozent, US-Staatsanleihen schlossen am historischen Tag leicht im Plus, der Dax taumelte dagegen um gut zwei Prozent nach unten.

AAA-positiv

Dabei ist überhaupt eine Reaktion auf die Verlautbarung von S&P lächerlich. In keinem der von unabhängigen Analysten erstellten Schattenratings, die als seriöser einzustufen sind als die Bonitätseinschätzungen der drei großen angelsächsischen Agenturen (S&P, Fitch, Moody’s), haben die USA noch ihr Top-Rating AAA. Wären die Vereinigten Staaten Teil der Euro-Zone, hätten eben jene Ratingagenturen und natürlich die lustigen Gesellen sie ob ihrer überbordenden Defizite längst unter den europäischen Rettungsschirm gedrängt, so wie zuletzt Portugal.

Doch den USA ist es über Jahrzehnte gelungen, enorm viel Schulden über die Welt zu verteilen. Da es keine Gewinner gäbe, sollten die USA als insolvent eingestuft werden, ignorieren die Märkte mal lieber die Fakten, die da lauten: 14,3 Billionen Dollar Staatsschulden, eine gesamtwirtschaftliche Verschuldung von 354 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – da muss man schon nach Athen schauen, um noch miesere Quoten zu finden.

Allerdings können Anleger aus den obskuren Marktreaktionen auch ihre Schlüsse ziehen. Ganz offenbar wartet der Markt nur auf "schlechte Nachrichten", um aus Aktien auszusteigen. Die Haussiers, die erwarten, der Dax etwa marschiere einfach so auf 8000 Punkte durch, dürften wohl enttäuscht werden. Aktien sind deshalb bestenfalls eine Halteposition. Ebenso enttäuscht sein könnten die Anleihebaissiers. Der große Zinscrash bei Bundespapieren dürfte mal wieder ins Wasser fallen, Hypothekenkredite bleiben zur Freude von Immobiliensuchern damit günstig.

Am schönsten glänzt wieder Gold. Das haben die meisten der lustigen Gesellen aber nicht im Depot – können es also auch nicht verkaufen und so den Preis drücken. AAA ist es sowieso – mit positivem Ausblick.

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