Ratingagentur: Zombie-Banken

KommentarRatingagentur: Zombie-Banken

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wiwo-Redakteurin Angela Hennersdorf

von Angela Hennersdorf

Die Abstufung der USA schickt die Kurse der Institute auf Talfahrt. Droht eine neue Bankenkrise?

Lucy Nobbe, Brokerin bei der US-Investmentfirma Wedbush Financial aus Missouri, machte ihrem Ärger über die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor’s, die Kreditwürdigkeit der USA zu senken, auf ungewöhnliche Weise Luft. Sie charterte für rund 1000 Dollar ein Flugzeug. Das kreiste am vergangenen Dienstag über der Standard & Poor’s-Zentrale in Manhattan und zog ein Banner hinter sich her. Auf dem stand, an die Adresse der Ratingagentur gerichtet: "Danke für die Herabstufung. Ihr solltet alle rausgeschmissen werden."

Die Entscheidung der Ratingagentur, die Bonität der USA von AAA auf AA+ mit negativem Ausblick zu senken, hat die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Vor allem die Kurse der sowieso schon angeschlagenen US-Finanzinstitute fallen dramatisch. JP Morgan, Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America – sie führen die Liste der Verlierer an der Wall Street an. Katastrophal ist die Lage vor allem bei der Bank of America. Allein am vergangenen Montag verlor deren Aktie mehr als 20 Prozent und notiert derzeit bei etwa sieben Dollar. Verluste dieser Größe erinnern an Panikattacken von Anlegern, wie zuletzt nach der Pleite von Lehman Brothers 2008. Bank of America ist im Zusammenhang mit dem Verkauf fauler Hypotheken von mehreren Seiten verklagt worden. Wegen Altlasten aus der Immobilienkrise verzeichnete das Geldhaus im abgelaufenen Quartal den größten Verlust seiner Geschichte.

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Droht eine neue Bankenkrise? Es sieht stark danach aus. Denn zum einen reagieren Finanztitel sensibel auf die Konjunktur – geht es mit dieser abwärts, macht sich das an den Börsen an ihren Werten fest. Zum anderen sorgen sich Investoren angesichts der schwachen Wirtschaftslage, der Schuldenkrise und möglicher weiterer Risiken aus US-Hypotheken vor einem weiteren Rückgang der Gewinne und sinkender Bonität. "Allein in der US-Bankenbranche werden von der US-Regierung garantierte Papiere im Wert von 2000 Milliarden Dollar gehalten", sagt Richard Bove von Roch-dale Securities. Dazu gehören Staatsanleihen, Hypotheken und Kommunalpfandbriefe.

Am Tropf des Staates

Über die staatlich garantierten Papiere trifft die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Amerikas auch die Banken. Der Bankenindex des Finanzhauses Keefe, Bruyette & Woods in New York für die 24 größten börsennotierten US-Finanzinstitute brach in den vergangenen zwei Wochen um 19 Prozent ein, deutlich stärker als der breite Markt.

Analystin Meredith Whitney malt die Lage amerikanischer Finanzinstitute ziemlich schwarz. Sie mutierten zu Zombie-Banken, die mindestens eine Dekade benötigten, um ihr Geschäft an veränderte Realitäten wie neue Finanzmarktrichtlinien, die höhere Kapital-ein-lagen sowie veränderte Kreditvergabebedingungen erforderten, anzupassen. Bis dahin lebten sie von der Unterstützung der US-Regierung. Fragt sich nur, wie lange noch.

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