Reaktion auf Eingriff : Die Wall Street feiert die Geldflut der Notenbanken

Reaktion auf Eingriff : Die Wall Street feiert die Geldflut der Notenbanken

, aktualisiert 01. Dezember 2011, 04:12 Uhr
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Händler an der Wall Street

Quelle:Handelsblatt Online

Mit einem Kursfeuerwerk haben die Märkte auf die gemeinsamen Aktionen der Notenbanken reagiert. Diese wollen die Banken mit frischem Geld stützen. Damit haben sie den Politikern eine Atempause verschafft.

New YorkDie wichtigsten Zentralbanken der Welt haben heute mit einer Welle von Aktionen die internationalen Aktienmärkten in Euphorie versetzt. Die Börsen in Europa reagierten mit einem kräftigen Kursanstieg. Auch der Dow Jones übersprang mit einem Plus von 4,2 Prozent die 12.000-Punkte-Marke und schloss bei 12.045 Punkten.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise gingen die wichtigsten Notenbanken der Welt überraschend in die Offensive. Wie in den schlimmsten Tagen der Finanzkrise stellen sie den Banken in einer koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Damit sollten die Spannungen an den Märkten abgebaut und die Realwirtschaft unterstützt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung am Mittwoch. Fast gleichzeitig lockerte auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik und dämpfte so die Sorgen vor einer globalen Rezession.

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An den von der Krise zuletzt stark gebeutelten Aktienmärkten lösten die Aktionen ein Kursfeuerwerk aus: In Frankfurt kletterte der Dax um fünf Prozent und schloss erstmals seit Mitte November wieder über der Marke von 6000 Punkten. Auch die New Yorker Wall Street legte deutlich zu. Händler werteten die Schritte als positiv. „Ich sehe die Weltwirtschaft nicht in eine Rezession abgleiten“, sagte Peter Cardillo von Rockwell Gobal Capital in New York. „Ich denke, dass die heutige Liquiditätsspritze der Zentralbanken die weltweite Konjunktur stützt.“

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 4,2 Prozent höher bei 12.045 Punkten. Im Tagesverlauf pendelte der Leitindex zwischen 11.559 und 12.045 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 4,3 Prozent auf 1246 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 4,2 Prozent auf 2620 Punkte. In Frankfurt ging der Dax mit einem Plus von fünf Prozent bei der Marke von 6088 Punkten aus dem Handel.

Zu den größten Profiteuren der Aktion der Notenbanken gehörten die Finanz- und Rohstofftitel. Die Papiere der Bank of America gewannen 7,3 Prozent, die von Citigroup 8,9 Prozent und die von JPMorgan Chase 8,4 Prozent. Der S&P-Rohstoffindex legte 5,9 Prozent zu.

Die Aktie von der American-Airlines-Mutter AMR erholte sich nach dem gestrigen Kurssturz von über 80 Prozent etwas. Die Fluggesellschaft habe genug Mittel, um trotz des beantragten Gläubigerschutzes weiter im Geschäft zu bleiben, sagte Branchenexperte Ray Neidl von Maxim Group. Auch eine Übernahme durch den Rivalen U.S. Airways hält Neidl für möglich. Das AMR-Papier verteuerte sich um 23 Prozent.


Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt

Gute Nachrichten kamen auch vom US-Arbeitsmarkt. Die US-Privatwirtschaft schuf im November unerwartet viele neue Stellen. Einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge stieg die Zahl um 206.000. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Plus von 130.000 gerechnet. An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,66 Milliarden Aktien den Besitzer. 2684 Werte legten zu, 392 gaben nach und 51 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,38 Milliarden Aktien 2071 im Plus, 449 im Minus und 70 unverändert.

Experten erinnerten allerdings umgehend daran, dass nun die Politiker im Kampf gegen die Schuldenkrise am Zug seien. „Dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts“, warnte Giuseppe Amato von Lang & Schwarz. „Die Politiker müssen jetzt liefern. Das Zeitfenster schließt sich immer schneller.“ In Brüssel bereiteten die EU-Finanzminister das Gipfeltreffen in der kommenden Woche vor.

Beteiligt an der Aktion waren die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Notenbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz. Im Kern geht es den Notenbanken darum, die von der Schuldenkrise in Mitleidenschaft gezogenen europäischen Banken ausreichend mit Dollar zu versorgen. Den Instituten fiel es zuletzt schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren haben ihnen aus
Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht. Sie fürchten, im Falle von Staats- und Bankenpleiten auf ihren Forderungen sitzen zu bleiben.

Deshalb sind viele europäischen Banken vom US-Geldmarkt nahezu abgeschnitten. Die wichtigste Weltreservewährung ist jedoch zentral für ihrer Geschäfte. Zu allem Überfluss müssen 15 der 37 größten Banken der Welt nun auch noch neue Methoden der Rating-Agentur Standard & Poor's mit schlechteren Bonitätsnoten bezahlen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank wurden nicht herabgestuft, der Ausblick für das Rating des deutschen Branchenprimus ist nun aber „negativ“ und nicht mehr „stabil“.

Japans Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa betonte, die konzertierte Aktion habe nichts mit der Herabstufung zu tun. Die Notenbanken verständigten sich darauf, den Geschäftsbanken bis ins Jahr 2013 hinein unbegrenzt Dollar zur Verfügung zu stellen. Hierzu holt sich die EZB Dollar von der US-Notenbank und verleiht sie an Banken des Euro-Systems weiter.

Gleichzeitig wurden die Kosten für diese sogenannten Dollar-Swaps gedrückt. „Dies wird die Profitabilität der Banken erhöhen und verschafft ihnen eine bessere Chance, ihre Kapitalquoten anzuheben“, sagte Berenberg-Experte Christian Schulz. Zur Kontrolle der Risiken der Schuldenkrise müssen die Banken derzeit ihr Kapital aufstocken. Um für einen Notfall gewappnet zu sein, vereinbarten die Zentralbanken zudem Tauschgeschäfte, um jederzeit die von Banken benötigte Währung bereitstellen zu können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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