Reaktionen auf EZB-Entscheidung: Börsen-Junkies auf kaltem Entzug

Reaktionen auf EZB-Entscheidung: Börsen-Junkies auf kaltem Entzug

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Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Europäische Zentralbank hat Börse und Anleger enttäuscht, die Märkte weltweit reagieren mit Kurseinbrüchen, der Euro fällt. Die Nervosität nimmt wieder zu.

Nach seiner jüngsten Rally muss der Euro auch an diesem Freitag Federn lassen. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,0860 Dollar zurück, nachdem sie am Donnerstag, dem Tag der EZB-Entscheidung, zeitweise auf einem Vier-Wochen-Hoch von 1,0980 Dollar notiert hatte – ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vortag.

Die Europäische Zentralbank hatte nach ihrem Zinsentscheid zwar angekündigt, ihr Anleihekaufprogramm zu verlängern. Doch Investoren hatten mit umfassenderen Schritten gerechnet. Im Durchschnitt hatten Analysten eine Leitzinssenkung um 0,2 Prozentpunkte erwartet. Außerdem war eine Erhöhung der monatlichen Anleihenkäufe von 60 auf 70 oder sogar 80 Milliarden Euro an den Märkten bereits eingepreist.

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„Keine Frage – Mario Draghi ist im Vorfeld zu weit vorgeprescht“, kommentierte Daniel Hartmann vom Anleihemanager Bantleon. „Alles in allem hat sich die EZB mit ihrem Vor und Zurück einen Bärendienst erwiesen und ein Eigentor geschossen.“ Der Dax drehte auch am Freitag deutlicher ins Minus und lag mit 10.720 Zählern am Mittag um 0,6 Prozent unter dem Vortagsschluss.

EZB Sitzung Draghi verärgert die Anleger

EZB-Präsident Draghi senkt den Einlagenzins: auf minus 0,3 Prozent. Auch das Anleihekaufprogramm soll länger laufen. Die Anleger reagieren trotzdem enttäuscht, der Dax bricht ein.

EZB-Präsident Mario Draghi im Portrait Quelle: dpa

In Reaktion auf die EZB-Beschlüsse war der Leitindex am Donnerstag letztlich um 3,58 Prozent eingebrochen. Zudem hatte er wieder den viel beachteten 200-Tage-Durchschnittskurs unterschritten, der als Gradmesser für den langfristigen Trend gilt. Die Enttäuschung über die EZB-Entscheidung breitete sich über den gesamten Globus aus: Der EuroStoxx50 verlor am Freitag 0,5 Prozent. Auch die Börsen in New York und Tokio hatten zuvor mit Kursabschlägen reagiert. Zum Handelsschluss am Donnerstag lag der US-Leitindex Dow Jones 1,4 Prozent im Minus, die Technologiebörse Nasdaq verlor 1,7 Prozent. Der Nikkei in Tokio sank am Freitagmorgen (MEZ) sogar um knapp 2,2 Prozent.

„Die Reaktion zeigt, wie abhängig die Finanzmärkte von immer mehr Liquidität und immer niedrigeren Zinsen geworden sind", sagt Chefökonom Thorsten Polleit von Degussa Goldhandel. Ihnen droht ein kalter Entzug, wenn die EZB das Lebenselixier nicht mehr liefert. Die Reaktion passt zu einem Drogenabhängigen, der um eine höhere Dosis bettelt, aber keinen neuen Kick bekommt. Dafür wird der Beginn der Entziehungskur für die Euro-Zone nach hinten verschoben. Dazu passt, dass die Analysten der Commerzbank nun auch in den kommenden Monaten nicht mehr mit einer Aufstockung der monatlichen Anleihenkäufe rechnen.

Die Kommentare der Experten und Analysten spiegeln die Enttäuschung darüber deutlich wider. Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, betonte in seinem Newsletter, dass Mario Draghi und sein Chefvolkswirt die Reaktion der Börse selbst verursacht hätten, weil sie in den Wochen zuvor die Erwartungen der Märkte über Gebühr geschürt hätten.

„Sehr fatal zeigt sich aber auch, dass die Geldpolitik zum alles beherrschenden Einflussfaktor für die Finanzmärkte geworden ist“, so Halver. „Ohne happy central banking zeigen die Aktien- und Rentenmärkte unverhohlen Missstimmung und schwächen damit die fundamentalen Aufwärtskräfte noch mehr.“

Wie empfindlich die Märkte auf die Maßnahmen der Notenbanken reagieren, belegte eine irrtümlich gesandte Falschmeldung der Financial Times (FT) über Twitter.Kurz vor Bekanntgabe der EZB-Entscheidung behauptete die FT in dem Tweet, die Zinsen blieben unverändert. Dadurch setzen Devisenhändler in Sekundenschnelle wieder verstärkt auf einen starken Euro, was den Wechselkurs in die Höhe trieb. Selbst nach Löschen des Tweets und Entschuldigung durch die FT kletterte der Euro-Kurs munter weiter.

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