Italien-Referendum: Das „No“ der Italiener lässt die Börse kalt

Regierungskrise in Italien: Das „No“ der Italiener lässt die Börse kalt

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Trotz Rücktrittsankündigung des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und dem Aus des Referendums steigt der Dax wieder.

Die Regierungskrise in Italien nach der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Matteo Renzi ist eine Gefahr für die ganze Euro-Zone. Aber die Börsen bleiben gelassen, der Dax steigt sogar. Die Marktreaktionen.

Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag mit klaren Gewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Das befürchtete Beben nach dem Aus für die Verfassungsreform in Italien blieb damit aus. Der Dax kletterte kurz nach dem Handelsauftakt um 1,68 Prozent auf 10.689,61 Punkte. Allerdings hatten sich die Anleger schon in der vergangenen Woche auf eine Niederlage von Regierungschef Matteo Renzi eingestellt - der deutsche Leitindex hatte 1,80 Prozent verloren.

„Der Dax hat alle politischen Ereignisse mit der Wahl in Italien hinter sich gelassen, und wie angekündigt war es fast egal, was herauskam“, kommentierte Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research. "Das ist schon eingepreist. Der Markt hatte sich darauf eingestellt", bestätigte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

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„Nein“ zur italienischen Verfassungsreform: Stimmen und Reaktionen

  • Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

    „Ich bin traurig, dass das Referendum in Italien nicht so ausgegangen ist, wie der Ministerpräsident sich das gewünscht hat. Denn ich habe seinen Reformkurs immer unterstützt. Aber das ist natürlich eine inneritalienische Entscheidung, die wir zu respektieren haben. (...) Aber ich habe immer sehr gut mit Matteo Renzi zusammengearbeitet.“

  • Sigmar Gabriel (SPD), Vizekanzler

    „Das ist bitter für Matteo Renzi und bitter für Italien. Ich hoffe, dass der eingeschlagene Weg der Modernisierung fortgesetzt wird. Denn vom Stillstand profitieren nur die Populisten.“

  • Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundesaußenminister

    „Das ist ganz sicherlich kein positiver Beitrag in einer der schwierigsten europäischen Zeiten“. Renzi habe „das Richtige und Notwendige getan, aber er ist dafür von den Wählern nicht belohnt worden“.

     

  • Markus Söder (CSU), bayerischer Finanzminister

    Markus Söder (CSU) sprach von einem „Debakel für Renzi“. Der Wahlausgang in Italien zeige, „dass die Italiener nicht besonders reformwillig sind“, sagte Söder auf bild.de.

  • Bernd Riexinger, Parteivorsitzender Die Linke

    Bernd Riexinger begrüßte das Scheitern der Verfassungsreform. „Ministerpräsident Renzi wollte mit dem Referendum einen Demokratieabbau vorantreiben, um sein neoliberales Programm durchzusetzen.“

  • Simone Peter, Parteichefin der Grünen

    „Die Populisten stehen in den Startlöchern“, sagte Peter im Fernsehsender n-tv. Sie fürchte, dass dies Auswirkungen auf andere Länder habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief sie zur „Abkehr vom strikten Sparkurs“ auf.

  • Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Vorsitzende

    Von Storch forderte eine Volksabstimmung auch in Deutschland. „Gratulation an die Italiener zu ihrem demokratischen Votum. Die Bürger müssen souverän und demokratisch entscheiden, ob sich Deutschland zukünftig weiter an der Rettung anderer Staaten wie Italien beteiligen und deren Schulden tragen soll.“

  • Christian Lindner, FDP-Vorsitzender

    „Hier hat ein Regierungschef gezockt und verloren. Nach dem gescheiterten Referendum drohen dem Land spanische Verhältnisse“, sagte Lindner der dpa. „Mit größtem Respekt und in aller Freundschaft muss Deutschland unterstreichen, dass hausgemachte Wirtschaftskrisen nicht mit unserer Bonität gelöst werden können.“

  • Sven Giegold (Die Grünen), Mitglied des Europaparlaments

    "Die Niederlage Renzis ist kein Sieg der Europakritiker. Pro-europäische Kräfte haben sich sowohl für als auch gegen die Verfassungsreform ausgesprochen. Wer jetzt von einem 'Italexit' redet, hilft nur den Populisten in Italien, die das tatsächlich wollen."

  • Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI)

    „Damit nehmen die Risiken einer neuen politischen Instabilität für die wirtschaftliche Entwicklung, die Finanzmärkte und die Währungsunion weiter zu. Italien darf die Lösung seiner drängenden Probleme nicht aufschieben.“

  • Niels Annen (SPD), außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion

    Der SPD-Politiker Niels Annen hat Regierungschef Matteo Renzi für das Nein der Italiener zu weitreichenden Verfassungsreformen mitverantwortlich gemacht. „Die Verbindung zwischen seinem persönlichen politischen Schicksal und der Verfassungsreform ist sicherlich ein schwerer Fehler gewesen“, sagte Annen. Das Ergebnis sei eine „krachende Niederlage“ für Renzi. „Herr Renzi ist sehr selbstbewusst, manche sagen auch arrogant in diese Abstimmung hinein gegangen.“

  • Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

    Das Ergebnis der Abstimmung bedeute „weitere verlorene Zeit“, sagte DIW-Präsident Fratzscher nach Bekanntwerden des Referendums.

    Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest wird sich die wirtschaftliche Stagnation der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft nach dem angekündigten Rücktritt von Regierungschef Matteo Renzi verlängern: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien dauerhaft Mitglied der Eurozone bleibt, ist gesunken.“

  • Jens Weidmann, Bundesbank-Präsident

    Bundesbank-Präsident Jens Weidmann befürchtet nach dem klaren Nein im italienischen Verfassungsreferendum eine Verlangsamung der Reformen im Land. "Und das wäre nicht nur für Italien eine bedenkliche Entwicklung", warnte Weidmann am Montag auf einer Veranstaltung in München. Italien habe seit Jahren ein sehr schwaches Wachstum. Dazu komme eine sehr hohe Staatsverschuldung und große Bestände an faulen Krediten in den Bankbilanzen. "Umso wichtiger ist nun, dass die italienische Politik überzeugende Zeichen aussendet, die wirtschaftlichen Probleme an der Wurzel anzupacken."

  • Carsten Brzeski, ING-Diba-Chefvolkswirt

    Brzeski hält Sorgen vor einer neuen Eurokrise allerdings für übertrieben: „Gestürzte Regierungen in Italien sind nun wirklich nichts Neues, und Europa hat schon Vieles überlebt.“ Zwar sorge das Referendum für neue Unsicherheit. Möglicherweise liege in dem Nein aber auch eine Chance: „Eine technokratische Übergangsregierung kann die Probleme im Bankensektor und den erneuten Reformstau zusammen mit Europa rücksichtsloser angehen als die Regierung Renzi.“

  • Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

    Aus Sicht von Krämer hat Italien die Chance vertan, die politischen Voraussetzungen zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme zu schaffen: „Italien bleibt ein Krisenkandidat.“

  • Ulrich Kater, Dekabank-Chefvolkswirt

    Kater schätzt, dass die europäischen Finanzmärkte auch eine weitere italienische Regierungskrise überstehen werden. „Allerdings bleibt Italien ein Langzeit-Patient mit Krisenpotenzial in der Eurozone“, schränkte er ein.

  • L’Espresso, italienische Tageszeitung

    „Jetzt gibt es kein Wahlrecht für den Senat, vielleicht nicht mal eines für die Abgeordnetenkammer, es gibt keine Regierung. Der perfekte Gewittersturm, auf den alle gewartet haben, ist angekommen“, fasste die Zeitung „L'Espresso“ die Hinterlassenschaft Renzis zusammen.

Nachdem in der vergangenen Woche noch die Unsicherheit über Italiens Zukunft ebenfalls den breiteren deutschen Aktienmarkt belastet hatte, wagten sich die Anleger nun auch hier wieder aus der Deckung. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen kletterte am Montagmorgen um 1,45 Prozent auf 20.827,27 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 1,46 Prozent auf 1711,02 Zähler nach oben.

Ähnlich sah es auf den Devisenmärkten aus. Der Euro gab zwar nach, konnte sich aber nach der Rücktrittsankündigung des italienischen Regierungschefs Matteo Renzi erholen. So hielten sich die Verluste auch klar in Grenzen. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand zuletzt ein Plus von 1,23 Prozent auf 3052,18 Zähler zu Buche.

Sorge um Italiens Banken

Deutlicher fiel die Reaktion an der italienischen Börse aus. Italiens Aktienmarkt reagierte am Montagmorgen mit deutlichen Verlusten auf die. Die Mailänder Börse verzeichnete zum Handelsbeginn einen Rückgang von zwei Prozent. Der Handel mit Aktien vieler Banken wurde ausgesetzt. Unter Verkaufsdruck gerieten deutsche Finanzwerte. Deutsche Bank und Commerzbank verloren jeweils etwa zwei Prozent und der europäische Banken-Index büßte 0,8 Prozent ein.

Börsianer befürchten, dass der Sturz der Regierung des Ministerpräsidenten Matteo Renzi es den italienischen Geldhäusern erschwert, dringend benötigtes frisches Kapital aufzutreiben. Die Institute der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone sitzen auf einem 360 Milliarden hohen Berg fauler Kredite. Vor diesem Hintergrund rutschte der dortige Banken-Index um 0,9 Prozent ab. Der Leitindex der Mailänder Börse verlor 1,8 Prozent.

Nach der Rücktrittsankündigung von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi will sich im Laufe des Tages einem Insider zufolge ein Bankenkonsortium zur geplanten fünf Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung für die Krisenbank Monte dei Paschi treffen. Die Bankenvertreter würden am Mittag zusammenkommen und ihre Optionen beraten, sagte die mit dem Vorgang vertraute Person. Die landesweit drittgrößte Bank will bis zum Jahresende über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Euro zur Deckung einer Kapitallücke einnehmen. Kommt Italien nach dem Rücktritt wegen der Niederlage beim Verfassungsreferendum wirtschaftlich ins Tudeln, könnte der Rettungsplan gefährdet sein, weil sich potenzielle Geldgeber zurückhalten.

Euro, Banken, Politik Was das Italien-Referendum bedeutet

Die Italiener habe sich eine Regierungskrise gewählt, Ministerpräsident Matteo Renzi tritt zurück. Was das bedeutet? Antworten auf die fünf derzeit wichtigsten Fragen zu Italien.

Der Ministerpräsident Italiens, Matteo Renzi, erlitt beim Referendum über eine Verfassungsreform eine Niederlage und kündigte seinen Rücktritt an. Quelle: dpa
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