Regulierer: Wie sie Anleger von Aktien abhalten

Regulierer: Wie sie Anleger von Aktien abhalten

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Mit Zuckerbrot und Peitsche - die Aktienanlage wird immer stärker reguliert, während Privatanleger dem grauen Kapitalmarkt schutzlos ausgeliefert sind

von Saskia Littmann

Eine Umfrage zeigt, dass auch erfahrene Anleger ihre Anlageentscheidung lieber alleine treffen - ohne Banken. Warum die Regulierung der Anlageberatung Anleger in teure und teilweise sogar dubiose Produkte treibt.

Traditionell, traditioneller, deutscher Sparer. So könnte eine Steigerungsformel für den typischen deutschen Privatanleger lauten. Er schwört auf Sparbücher und Lebensversicherungen und sorgt sich vor Inflation. Eine aktuelle Umfrage ergab sogar, dass mehr als die Hälfte der Deutschen immer noch Euro-Preise in D-Mark umrechnen. Überflüssig zu sagen, dass der traditionelle Sparer Angst vor Aktien hat und Börsianer in Deutschland gerne pauschal als Spekulanten abstempelt werden.

Mit diesem Vorurteil will eine neue Studie der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) aufräumen. Denn die Anlegerschützer haben in ihrem Aktionärskompass erneut herausgefunden, dass erfahrene Anleger ihre Aktien im Schnitt über mehrere Jahre halten. Statt auf ein "Bäumchen wechsel' Dich"-Spiel setzen sie auf Kontinuität. Für ihre Umfrage hat die DSW erfahrene Anleger befragt, die sich auf den Aktienforen der Schutzgemeinschaft informiert haben. Die Befragung auf diesen Informationsveranstaltungen hat die DSW zusammen mit dem Deutschen Institut für Portfoliostrategie (dips) an der FOM Hochschule durchgeführt. Demnach gaben mehr als 77 Prozent der Befragten an, ihre Aktienbeteiligungen im Schnitt mehrere Jahre zu halten.

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"Die befragten Anleger gehören nicht in die Kategorie der kurzfristig orientierten Spekulanten", sagt DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler. Gerade einmal ein knappes Prozent sei im Schnitt schon nach weniger als einem Monat wieder draußen. "Das widerlegt deutlich die Mär vom Spekulanten, der nur am schnellen Geld interessiert ist und unverantwortlich handle", ergänzt Tüngler. Leider führten genau solche Vorurteile dazu, dass die Bedeutung der Unternehmensfinanzierung durch Privatanleger systematisch unterschätzt werde.

Börsenkultur Warum die Deutschen Angst vor Aktien haben

Spätestens seit der T-Aktie wollen die Deutschen mit der Börse nichts mehr zu tun haben, schlechte Erfahrungen haben ihnen die Laune verdorben. Woher die Aktien-Angst kommt und wie der Weg an die Börse dennoch klappt.

Quelle: dpa

Beratungsauflagen benachteiligen Aktien

Zwar haben die von der DSW befragten Anleger mit hoher Affinität zu Wertpapieren die Aktienanteile in ihrem Portfolio gegenüber dem vergangenen Jahr nochmals erhöht - knapp die Hälfte der Befragten hat mittlerweile eine Aktienquote im Depot von über 70 Prozent, im vergangenen Jahr war das nur bei knapp 38 Prozent der Fall. Insgesamt haben die Deutschen allerdings trotz Rekordständen an den Börsen wenig Lust auf Aktien. 2013 haben laut Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) 600.000 Bundesbürger weniger in Aktien investiert als noch im Vorjahr. Vor allem Fondsanleger waren demnach auf dem Rückzug, zahlreiche Anleger haben sich aus dieser Anlageklasse zurückgezogen. Die Zahl der Anleger, die in Einzelaktien investierten, blieb zwar stabil, liegt aber weiterhin auf niedrigem Niveau. Lediglich 7,1 Prozent der Deutschen haben einen Teil ihres Vermögens in einzelne Aktien investiert.

Ein Grund für die fehlende Aktienanlage ist die mangelnde Beratung. Aufgrund der regulatorischen Anforderungen sind viele Banken sehr zurückhaltend geworden, was die Empfehlung von Aktien angeht. Zwar ist es wünschenswert, dass unerfahrenen Privatanlegern keine einzelnen Papiere verkauft werden. Wenn sich der Banken-Vertrieb stattdessen aber auf teure, unrentable Verträge konzentriert, mit denen sich eine hohe Provision verdienen lässt, ist das nicht besser.

Anleger berichten, dass ihre Bank einzelne Aktien nur noch auf Nachfrage anbietet. Schnell wird dann auf das Risiko verwiesen, ein Fonds sei doch da viel besser. Klar, damit lässt sich auch eine höhere Provision verdienen. Einfache und dafür günstige Aktienprodukte wie Indexsparpläne werden von vielen Banken erst gar nicht angeboten. Das Geschäft mit diesen günstigen Produkten ist aus Sicht der meisten Geldinstitute offenbar zu unrentabel. "Zu häufig werden die Weichen in Richtung Festgelder, Tagesgelder oder Versicherungen gestellt", sagt Tüngler.

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