Rendite auf Rekordwert: Italiens Zinskosten schießen in die Höhe

Rendite auf Rekordwert: Italiens Zinskosten schießen in die Höhe

, aktualisiert 07. November 2011, 12:36 Uhr
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DItaliens Schuldenberg ist stark angewachsen - droht der Untergang?

Quelle:Handelsblatt Online

Vor der Abstimmung über den italienischen Haushalt sinkt das Vertrauen der Anleger in das Land drastisch. Die Renditen für Staatsanleihen erreichen Rekorde. Und Vertreter der EZB drohen mit einem Ende der Anleihekäufe.

Rom/MadridEinen Tag vor einer wichtigen Parlamentsabstimmung in Italien verliert das Land an den Finanzmärkten weiter an Vertrauen. Investoren trennten sich am Montag von italienischen Staatsanleihen. Der Kurs der zehnjährigen Papiere fiel auf 87,33 Prozent des Nennwertes. Die Renditen, die sich gegenläufig entwickelten, stiegen auf den höchsten Stand seit 1997. Italien muss Anlegern nun für zehnjährige Papiere eine Rendite von 6,60 Prozent bezahlen, ehe Gerüchte um einen bevorstehenden Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine leichte Gegenbewegung auslösten. Die Risikoaufschläge verglichen mit deutschen Staatsanleihen sind mit 484 Basispunkten so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro.

Die Furcht der Anleger vor einem Zahlungsausfall Italiens zeigte sich auch am Markt für Kreditausfallversicherungen. Die Kosten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Staatsanleihen per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich um 30.000 auf 520.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit. Auch der italienische Aktienindex FTSE MIB büßte am Morgen rund ein Prozent ein.

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Unterdessen warnte EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo das hoch verschuldete Land, sich nicht zu sehr auf Schützenhilfe von der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verlassen. Die EZB hat das Land in der Vergangenheit durch Käufe italienischer Staatsanleihen vor zu hohen Renditeaufschlägen bewahrt.

„Die Bank hat gehandelt, als es nötig war“, betonte Gonzalez-Paramo in einem Interview mit der spanischen Zeitung „El Pais“. „Die italienischen Probleme sind aber zunächst Sache der Italiener, und nur sie werden sie lösen.“ Auch der luxemburgische Notenbankpräsident Yves Mersch hatte der italienischen Tageszeitung La Stampa Ende vergangener Woche gesagt, es stehe der Europäischen Zentralbank frei, die Käufe italienischer Staatsanleihen zu beenden.

Wegen der hohen Schulden - sie liegen bei 120 Prozent der Wirtschaftsleistung - steht Italien seit Monaten im Visier der Finanzmärkte. Zuletzt hatte sich die Lage wieder deutlich zugespitzt. Die Rendite, die nach Beginn der Anleihekäufe der EZB zeitweise unter fünf Prozent gefallen war, eilt von Rekord zu Rekord.

Die Analysten von Goldman warnen vor einer "pessimistischen Dynamik", die letztlich letztlich Italiens Möglichkeiten zur Refinanzierung seiner Verbindlichkeiten einschränken könnte. Der Europa-Chefökonom der Ban, Huw R Pill, sieht Italien auf dem Weg in eine "tiefe Rezession".

Die unsichere politische Lage verstärkt das Misstrauen der Anleger. Der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi droht das Aus. Beobachter gingen am Montag davon aus, dass der 75-Jährige bei einer zentralen Haushaltsabstimmung am Dienstag im Parlament in Rom keine Mehrheit bekommen wird. In italienischen Medien hieß es, die Zahl der Abweichler aus den eigenen Reihen sei so groß, dass sie zum Sturz der Regierung ausreiche. Berlusconi allerdings zeigte sich am Sonntag - wie gewohnt - siegesgewiss. „Wir haben die Zahlen gecheckt und wir haben eine Mehrheit“, hatte er gesagt. Am Montag machten allerdings Gerüchte die Runde, denen zufolge ein Rücktritt Berlusconis unmittelbar bevorstehe.

Quelle:  Handelsblatt Online
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