Rendite ist nicht alles: Was eine gute Dividendenaktie ausmacht

Rendite ist nicht alles: Was eine gute Dividendenaktie ausmacht

von Stefan Hajek

Anleger sollten nicht nur auf eine hohe Ausschüttungsrendite schielen. Auf was es bei Dividendentiteln noch ankommt.

Würde der Deutsche Aktienindex, der Dax, nach derselben Methode berechnet wie etwa der Euro Stoxx oder der Nasdaq-Index, er wäre weit entfernt vom jüngsten Allzeithoch: gerade mal bei 4370 statt bei 8300 Punkten. Grund: In den Dax-Stand rechnet die Deutsche Börse die Dividenden mit ein, die die 30 Unternehmen an ihre Aktionäre bezahlen. Das Beispiel zeigt: Dividenden tragen ganz erheblich zur Gesamtrendite von Aktien bei, Studien zufolge gar bis zu 50 Prozent – je nach Investitionszeitraum.

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Quelle: dpa

Das war nicht immer allen Anlegern klar. Zu Zeiten des Technologie- und Internet-Hypes galten Unternehmen, die hohe Dividenden ausschütteten, gar als innovations- und wachstumsschwach. Gewinne sollten nicht an die Aktionäre verteilt, sondern lieber in das künftige Wachstum investiert werden, forderten Analysten und Fondsmanager. Auch private Anleger scherten sich wenig um die jährlichen Gratifikationen, schließlich gab es hohe Kursgewinne zu feiern. Doch wegen der weltweiten Niedrigzinsen auf Anleihen, Tagesgeld und Sparbücher erleben Dividendentitel eine Renaissance. Pensionskassen, Stiftungen und Privatanleger: Alle hungern nach Rendite. Da kommen die Aktien solider Konzerne, die mit sechs oder gar neun Prozent jährlich rentieren, doch gerade recht, oder?

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Leider gab es in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Enttäuschungen. Gerade Unternehmen aus Branchen wie Versorger oder Telekom, die zuvor jahrelang solide Dividendenzahler gewesen waren, strichen ihre Ausschüttungen massiv zusammen. E.On kürzte von in der Spitze 1,50 Euro je Aktie auf zuletzt nur noch 1,10; für die nächste Ausschüttung schätzen Analysten nur noch 72 Cent. Die Deutsche Telekom kürzte von 1,00 auf 0,70 Euro, kommendes Jahr gar auf 50 Cent. Das Problem: Eine optisch hohe Dividendenrendite kann auch dem banalen Umstand geschuldet sein, dass der Kurs der Aktie bereits massiv gefallen ist. Das ist häufig kein gutes Zeichen. In der Folge werden gerne Gewinnprognosen kassiert, Umsatzziele nicht erreicht und die Ausschüttungen gekürzt. So schnurrt die Dividende von den erhofften neun schon mal auf kaum noch fünf Prozent zusammen, so geschehen jüngst zum Beispiel bei E.On.

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Wichtiger als eine – aktuell – hohe Rendite ist daher die Dividendenstabilität: Von einem Unternehmen, das Jahr für Jahr gleich viel oder gar steigende Dividenden zahlt, profitieren Aktionäre in jedem Fall: Entweder steigt die Rendite der Aktie oder der Kurs. Kaum überraschend: Die Musterknaben dieser Disziplin finden sich international oft in konservativen Branchen wie Nahrung und Genuss oder Öl: Total, Procter & Gamble, Nestlé oder Colgate-Palmolive. Im Dax gehören BMW, VW, Henkel, Münchener Rück und die Allianz zu den soliden Zahlern. 3,5 bis 5,5 Prozent sind auch mit stabil wirtschaftenden Unternehmen drin, die nicht – wie zuweilen die Telekom – für die Dividenden an die Substanz gehen, also mehr ausschütten, als sie verdient haben. Lieber solide 3,3 als unsichere 6,6 Prozent: Ein Anleger, der etwa die Nestlé-Aktie 2003 gekauft, einfach liegen gelassen und die Dividenden brav reinvestiert hätte, läge heute gut 100 Prozent im Plus. Damalige Dividendenrendite: magere 2,4 Prozent.

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