Rendite versus Risiko: Sicher ist, dass nichts sicher ist

Rendite versus Risiko: Sicher ist, dass nichts sicher ist

, aktualisiert 18. Dezember 2011, 22:56 Uhr
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Wer an den Märkten mitspielt und Geld einsetzt, geht zwangsläufig ein Risiko ein. Selbst Staatsanleihen können zu Verlusten führen.

von Peter MandrellaQuelle:Handelsblatt Online

Wer an den Märkten mitspielt, geht zwangsläufig ein Risiko ein. Selbst Staatsanleihen können zu Verlusten führen. Wer dennoch ein bisschen Sicherheit will, braucht vor allem eines: Zeit und Geduld.

Rendite ohne Risiko – das gibt es an den Märkten nicht. Wer in Aktien investiert, muss mit Verlusten rechnen, darf aber gleichzeitig auf größere Gewinne hoffen als jemand, der ausschließlich festverzinsliche Papiere, zum Beispiel Anleihen, kauft. Aber stimmt das wirklich? Und wenn ja, wie groß ist die Schere zwischen Risiko und Rendite?

Das Rendite-Risiko-Radar*, das das Bankhaus Donner & Reuschel im Auftrag des Handelsblatts erstellt hat, gibt eine Übersicht über die Wertentwicklung verschiedener Anlagekategorien in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren. Der Vergleich bestätigt die meisten Marktmechanismen, bringt aber auch überraschende Erkenntnisse.

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In diesem Jahr waren die Renditen – vorsichtig ausgedrückt – mäßig. Vor allem Aktien brachten Anlegern, krisenbedingt, nichts als Verluste. Im Dax waren es minus zwölf, im Eurostoxx 50 minus 20 Prozent. Im Nachhinein wäre es ratsam gewesen, einen weiten Bogen um die Märkte in Europa zu machen. Nicht einmal Anleihen warfen zwingend einen Zins ab.

Gefragter denn je war Gold, das Rekordrenditen erreichte. In diesem Jahr war ein Plus von mehr als 20 Prozent möglich. Auch ein Investment in Öl war mit einem Plus von fast zehn Prozent durchaus lohnenswert.

Aktien schlecht, Rohstoffe gut – so lässt sich das Bild an den Märkten grob zusammenfassen. En detail sah es etwas anders aus.

Dax – für Krisenerprobte

Anleger, die in der Vergangenheit überwiegend auf Aktien großer deutscher Unternehmen gesetzt haben, mussten ein besonders gutes Gespür für den richtigen Moment beweisen, um ein Plus zu erzielen. Zwei Ereignisse beeinflussten die Kurse nachhaltig – und ließen den Dax um mehrere 1.000 Punkte fallen: das Platzen der Dotcom-Blase und der Ausbruch der Finanzkrise. Wer kurz davor kaufte und zu früh wieder verkaufte, musste Verluste von mehr als 40 Prozent hinnehmen. Andererseits war es möglich, zwischen dem einen und dem anderen Börsencrash Renditen von mehr als 20 Prozent pro Jahr zu erzielen.

Weniger riskant waren im Nachhinein die 90er Jahre. Wer in dieser Zeit eingestiegen ist und länger als zwei, drei Jahre dabei blieb, landete fast immer im grünen Bereich. Allerdings schrumpften die durchschnittlichen Renditen mit der Zeit merklich.

Gold – ein Selbstläufer?

Viele, denen ein Investment in Aktien zu heiß ist, schwören auf Gold. Das Edelmetall gilt als „sicherer Hafen“ und ist in Krisenzeiten besonders gefragt. In diesem Jahr lag der Preis für eine Unze in der Spitze über 1.900 Dollar – und damit fast acht Mal so hoch wie vor zehn Jahren. Viel falsch machen konnten Anleger mit dem Edelmetall nicht. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren war es praktisch unmöglich, ein Minus zu erzielen, egal wann man kaufte und verkaufte. Und das Beste: Die Renditen sind von Jahr zu Jahr gestiegen.

So leicht war es allerdings nicht immer, Geld mit Gold zu verdienen. Das wissen diejenigen, die schon in den 90er Jahren investiert waren. Damals mussten Anleger mindestens drei bis vier Jahre warten, bis sich das Investment auszahlte. Wer das nicht tat und schon nach einem Jahr wieder verkaufte, verlor mitunter zehn Prozent seines Einsatzes.


Öl, Rohstoffe und Staatsanleihen im Rendite-Check

Öl – riskantes Investment

Die größten Schwankungen gab es in der Vergangenheit beim Ölpreis. Wer entsprechende Produkte in seinem Portfolio hatte, dem konnte es passieren, dass er in einem Jahr ein Plus von 40 Prozent erzielte, und im nächsten ein Minus von 50 – das war im Jahr der Lehman-Pleite der Fall. Viele Investoren sorgten sich, die Finanzkrise könnte die Weltkonjunktur beeinträchtigen, was den Preis für Öl, auch das Schmiermittel der Wirtschaft genannt, drückte.

Noch riskanter war ein Investment in den 90er Jahren. In diesem Zeitraum gab es vergleichsweise häufig negative Renditeentwicklungen. Doch gleichzeitig waren die Chancen groß: Wer sich traute zu investieren, konnte binnen eines Jahres einen Renditezuwachs von 149 Prozent verbuchen.

Rohstoffe – neuer Trend

Investments in Rohstoffe sind erst seit ein paar Jahren lukrativ. Logisch: Die Preise steigen, weil der Bedarf größer wird, die Vorkommen jedoch begrenzt sind. Vor der Jahrtausendwende lag die Performance des CRB Index, der 19 verschiedene Futures enthält, darunter Öl und Gold, aber auch Kupfer, Weizen und Mais, größtenteils bei unter fünf Prozent im Jahr. Mittlerweile ist viel, viel mehr möglich: Wer 2008 ein Produkt gekauft hätte, das die Entwicklung des Indizes eins zu eins widerspiegelt, der hätte 2009 eine Rendite von fast 35 Prozent erreicht; 2010 wären es 29 Prozent und 2011 noch immer 16 Prozent gewesen.

Ganz ohne Risiko war aber auch eine Anlage in Rohstoffe nicht. Diejenigen, die 2006 oder 2007 ein- und nach höchstens zwei Jahren wieder ausstiegen machten ein Minus.

Staatsanleihen – auf Nummer sicher

Staatsanleihen gelten als sichere Anlage. In Krisenzeiten stehen Bonds, vor allem die großer Industrienationen wie den USA oder Deutschland, hoch im Kurs. Kaum zu glauben, aber wahr: Auch mit Anleihen ließen sich Verluste nicht immer vermeiden. Der Rentenindex von JP Morgan, der die Papiere von elf Staaten der Euro-Zone enthält, weist für dieses und letztes Jahr eine negative Rendite auf.

Wie kann das sein? Ein Beispiel: Kürzlich begab Deutschland eine Staatsanleihe mit Restlaufzeit von einem Jahr. Die Nachfrage war immens, das Papier mehrfach überzeichnet. Die Rendite, die ohnehin sehr niedrig war, fiel unter Null, so dass am Ende Anleger dafür bezahlen mussten, dass sie dem Staat Geld leihen. Eins zu eins lässt sich dieses Szenario allerdings nicht auf die Euro-Zone übertragen, da die Renditen von Ländern wie Griechenland, Spanien oder Italien, die ebenfalls im Index vertreten sind, viel, viel höher sind.

In den USA ist die Entwicklung noch viel extremer. Der entsprechende Index von JP Morgan weist durchschnittliche Jahres-Renditen zwischen minus 15 und plus 30 Prozent auf. Gerade in den Jahren nach der Dotcom-Blase gingen die Renditen von US-Staatsanleihen in den Keller. Auch nach Ausbruch der Finanzkrise mussten Anleger mit Einbußen rechnen. Allerdings relativieren sich die Verluste mit der Zeit. Egal, ob jemand vor 5, 10 oder 15 Jahren in Staatsanleihen investiert hat, heute bliebe ein Plus, mal mehr, mal weniger groß.

Geduld ist gefragt

Wer an der Börse auf das schelle Geld aus ist, kann traumhafte Renditen erzielen, aber auch tief fallen. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt bei seinem Investment, für Jahre, und auch in Krisenzeiten. Durchhaltevermögen wird in der Regel belohnt, egal ob es Aktien oder Anleihen, Gold oder Öl sind.

* Stichtag für die Berechnungen war der 30.11.2011

Quelle:  Handelsblatt Online
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