Renminbi: Chinas Notenbank löst sich vom Dollar

Renminbi: Chinas Notenbank löst sich vom Dollar

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Neben dem Dollar bestimmen jetzt auch Euro, Yen und weitere Währungen den Wert des Renminbi.

von Sebastian Kirsch

Kurz bevor die US-Notenbank in dieser Woche die Zinsen anheben könnte, will China sich vom Dollar unabhängiger machen. Das Kalkül ist klar: eine schleichende Abwertung ihrer Währung.

Die Chinesische Zentralbank People's Bank of China (PBoC) ist weiter auf dem Weg, ihre Währung zu einer der internationalen Leitwährungen zu machen. Dazu entkoppelte sie ihren Renminbi (RMB) jetzt weiter vom US-Dollar. Der Wert eines Yuan soll künftig über einen neuen Währungskorb bestimmt werden, den CFETS RMB-Index. Die China Foreign Exchange Trade System ist Namensgeberin. Als Tochter der PBoC organisiert sie den Interbanken-Handel und setzt die Vorgaben der chinesischen Notenbank in Bezug auf Zinsniveau und Wechselkurse um.

Die PBoC verkündete am Freitag auf ihrer Website, man wolle zur Berechnung des RMB jetzt einen Währungskorb hernehmen, um eine ausgewogenere Bewertung der chinesischen Währung erhalten zu können. In diesem Korb enthalten sind 13 Währungen: Neben dem Dollar, der mit 26 Prozent Gewicht weiterhin maßgeblich den Wert des RMB beeinflusst, wirken sich jetzt auch die Stärke oder Schwäche von Euro (21 Prozent), japanischem Yen (14 Prozent) und in geringerem Maße auch Hongkong-Dollar, britischem Pfund oder des Australien-Dollar aus.

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Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

"Anstatt sich nur an einer Referenzwährung zu orientieren, ermöglicht ein Währungskorb die bessere Einordnung der Wettbewerbsfähigkeit von Gütern und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft", schrieb die PBoC in einer Mitteilung. "Der neue Index bildet die Marktbedingungen für Investoren umfassender und präziser ab."

Bis 2005 war der Renminbi offiziell an den Dollar gekoppelt. Auch danach behielt die US-Leitwährung einen deutlichen Einfluss auf den RMB, so kommunizierte die PBoC, dass sie in einer bestimmten Phase einen Dollar auf 6,83 Yuan festsetze. In den Jahren 2005 und 2010 kündigte sie zwar bereits an, den Wechselkurs an einem breiteren Währungskorb festzumachen, legte aber keine Gewichtung der Referenzwährungen offen.

Und effektiv blieb eine starke Orientierung am US-Dollar bestehen. Eine Auswertung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich fand keine Hinweise darauf, dass andere Währungen als der Dollar den Wert des RMB entscheidend beeinflussten. Sie zitierte eine Studie des Forschers Crockett aus dem Jahr 2008: "Sollte es wirklich einen Währungskorb geben, dürfte die Gewichtung des Dollars darin bei nahezu 100 Prozent liegen - der Einfluss anderer Währungen ist also in keinem Fall so effizient, wie er sein sollte."

Was der Aufstieg des Renminbi zur Weltwährung bedeutet

  • Was bedeutet die Aufnahme des Yuan konkret?

    Sollte sich der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartungsgemäß für die Aufnahme entscheiden, wäre der Yuan die fünfte Weltreservewährung. Die Währungen des IWF-Währungskorbes bilden zusammen - entsprechend einer bestimmten Gewichtung - eine Art Kunstwährung, die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR). Diese wird an keiner Börse gehandelt, dient dem Währungsfonds aber als Berechnungsgrundlage, etwa für internationale Finanzhilfen. Bei der Gewichtung geht die Aufnahme des Yuan zulasten der anderen vier Währungen, vermutlich vor allem auf Kosten des japanischen Yen.

  • Wird das die internationalen Finanzmärkten aufwirbeln?

    Nein. Es gibt Experten, die in dem Schritt des Internationalen Währungsfonds eine Zeitenwende und damit das Ende der Dominanz des US-Dollars sehen. Sollte dies tatsächlich eintreten, wird es zumindest nicht schnell gehen. Die Aufnahme des Yuan soll zwar nun verkündet werden, wird aber wohl erst zum Herbst 2016 in Kraft treten. Die Märkte haben lange Zeit, sich darauf einzustellen. Schon jetzt buhlen internationale Finanzmärkte darum, Handelszentrum für den Yuan zu werden, etwa London und Frankfurt. In der Londoner City gehören Chinesisch-Sparchkurse schon seit geraumer Zeit zu den am meisten nachgefragten.

  • Wie will China den Yuan zur Weltwährung machen?

    Ähnlich wie im globalen Handel verfolgt China auch auf den Finanzmärkten das Ziel, den USA ihre Vormachtstellung streitig zu machen. Den Aufbau des Yuan zu einem ernstzunehmenden Dollar-Konkurrenten treibt Peking deshalb schon seit Jahren generalstabsmäßig voran. Seit 2009 hat die Volksrepublik mehr als 30 sogenannte Swap-Abkommen mit Nationen vor allem in Asien und Afrika geschlossen, mit denen sie nun ihren Handel direkt in den Landeswährungen abwickeln kann.

  • Wie wichtig ist der Yuan bisher für den globalen Zahlungsverkehr?

    In den vergangenen Jahren hat die Währung eine rasante Aufholjagd hingelegt: Im August 2012 lag der Yuan noch auf Platz zwölf der globalen Zahlungsmittel. Mittlerweile schafft er es bereits auf Platz vier der international am meisten gehandelten Währungen, noch vor dem japanischen Yen. Im Vergleich zum Top-Trio ist der Yuan allerdings noch immer ein Zwerg: Zuletzt wurden 2,79 Prozent der internationalen Zahlungen in Yuan abgewickelt - gegenüber 44,8 Prozent in Dollar, 27,2 Prozent in Euro sowie 8,5 Prozent mit dem britischen Pfund.

  • Was fehlt dem Yuan noch für den großen Durchbruch?

    Damit der Yuan tatsächlich eines Tages auf Augenhöhe mit dem US-Dollar agieren kann, sind in China noch viele Reformen notwendig. Genau wie der Dollar und der Euro muss auch der Yuan völlig frei handelbar sein. Das ist bisher nur bedingt der Fall. Wie sehr der Kurs der Währung schwanken darf, darüber entscheidet zu einem großen Teil noch immer der Staat und nicht der freie Markt. Allerdings hat Peking angekündigt, das ändern zu wollen. Einige Experten gehen davon aus, dass China schon im nächsten Fünf-Jahresplan, der 2016 in Kraft tritt, einen komplett freien Handel des Yuan festlegen könnte.

  • Bringt ein frei handelbarer Yuan auch Risiken mit sich?

    Für Chinas Wirtschaft schon. Sollten internationale Investoren nach einer Freigabe des Yuan massiv auf eine steigende Währung spekulieren, könnten so in kürzester Zeit riesige Mengen Geld ins Land fließen, was die Gefahr von Spekulationsblasen erhöhen würde. Andererseits könnte ein frei konvertibler Yuan auch dazu führen, dass aus Sorge um die chinesische Wirtschaft große Mengen Kapital aus dem Land abfließen. Auch das würde der Wirtschaft schaden.

Dass die PBoC gerade jetzt handelt, dürfte kein Zufall sein. Denn die Märkte erwarten in dieser Woche die erste Zinsanhebung der US-Notenbank Fed seit neun Jahren. Dadurch dürfte der Dollar gegenüber anderen Währungen weltweit deutlich aufwerten - was bei einer engen Orientierung des RMB am Dollar auch zu einem Wertzuwachs der chinesischen Währung führen dürfte.

Die hatte aber gerade erst im August den RMB entscheidend abgewertet - und Investoren vermuten, dass sie diese Politik auch im kommenden Jahr in kleineren Schritten fortsetzen wird. "Das Timing dürfte eine wichtige Rolle spielen", schrieben die Société Générale-Analysten Jason Daw und Frances Cheung in einer Analyse. "Die PBoC will dem Markt ganz offensichtlich signalisieren, dass ein schwächerer Yuan gegenüber dem Dollar kein Zeichen für eine weitere gezielte Abwertung ist." Sondern vielmehr durch die neue Orientierung an internationalen Leitwährungen ausgelöst wird.

So nannte die PBoC ein Beispiel in ihrer Mitteilung, wie sich der RMB laut neuem CFETS-Index in diesem Jahr entwickelt habe. Während der RMB gegenüber dem Dollar zwar bis Ende November leicht abgewertet habe, liege der neue Index mit 2,9 Prozent im Plus. "Der RMB ist also im Bezug auf die Zahlungsmittel in anderen Volkswirtschaften weiterhin eine starke Währung", schrieb die PBoC.

Ihr Ziel ist klar: Eine schwächere Währung könnte der chinesischen Wirtschaft helfen, ihre Exporte wieder in die Höhe zu schrauben. In den vergangenen Monaten gingen die Exporte jeden Monat stetig zurück. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr erneut 0,5 Prozentpunkte hinter der Wachstumsrate des vergangenen Jahres liegen, auch für 2016 erwarten Ökonomen nur eine Wachstumsrate unter sieben Prozent.

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So behält sich die Notenbank vor, den Wert eines Yuan künftig einfacher entwerten zu können. Auch wenn Analysten der Bank of America die Neuorientierung nicht als expliziten Richtungswechsel in der Währungspolitik deuten, sondern eher als Versuch, die Markterwartung in geordnete Bahnen zu lenken.

Auf den Wert des RMB hatte die Ankündigung der Notenbank keinen unmittelbaren Einfluss. Seit seinem Hoch im November bei rund 6,32 Yuan je Dollar verlor der Yuan bis heute wieder leicht an Wert, liegt bei 6,46 Yuan. Die japanische Investmentbank Daiwa, die nach Bloomberg-Daten den pessimistischsten Ausblick auf den RMB wirft, erwartet noch eine Abwertung von 14 Prozent bis Ende 2016, auf einen Wert von 7,50. Analysten bei Goldman Sachs erwarten lediglich eine Abwertung auf 6,60 Yuan je Dollar.

(Mit Material von Bloomberg)

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