Repo-Markt: Das Frühwarnsystem der Finanzwelt zeigt Stress an

Repo-Markt: Das Frühwarnsystem der Finanzwelt zeigt Stress an

Bild vergrößern

Es gibt eine Reihe von guten Gründen, warum sich Investoren zunehmend von Europa ab- und den USA zuwenden. Doch was passiert wenn die Papiere zur Absicherung von Krediten knapp werden?

von Frank Doll

Papiere, die zur Absicherung von Krediten dienen, werden knapp. Den Märkten droht der Entzug von Liquidität, das birgt Gefahren. Warum ausgerechnet die Anleihekäufe der US-Notenbank Fed daran Schuld sind.

Die Zeit heilt alle Wunden – und trübt die Erinnerung. Am Montag jährte sich zum sechsten Mal die Pleite von Lehman Brothers. Viele Anleger glauben, benebelt von fünf Jahren Börsenhausse, dass all jene Probleme, die 2008 fast zum Kollaps des globalen Finanzsystems geführt haben, beseitigt wären. Regierungen, Notenbanken und Aufsichtsbehörden hätten die Lage heute im Griff. Ein Irrglaube. Es droht wieder Stress im Finanzsystem.

Das Frühwarnsystem dafür ist der Repo-Markt in den USA. Der Untergang von Lehman beschleunigte sich 2008, nachdem das traditionsreiche Wall-Street-Haus den Zugang zur Finanzierung über diesen Billionen Dollar schweren Teil des Geldmarktes verloren hatte. Trotzdem wird über den Repo-Markt wenig berichtet, von Ökonomen und Analysten wird er meist ignoriert.

Anzeige

Denkfabrik In den USA steigt die Inflationsgefahr

Die US-Notenbank hat mit ihrer Geldpolitik die Aktien- und Immobilienpreise nach oben getrieben. Jetzt fühlen sich die Bürger reich - doch nun muss die Fed die Inflation bekämpfen.

Quelle: dpa

Am Repo-Markt leihen sich Banken von anderen Banken und von Geldmarktfonds kurzfristig Geld, maximal für ein Jahr, häufig nur für wenige Tage oder gar nur für eine Nacht. Auch Hedgefonds finanzieren sich inzwischen in großem Stil am Repo-Markt.

Wie der Repo-Markt arbeitet

Dem jeweiligen Kreditgeber werden als Sicherheiten Wertpapiere übertragen. Überwiegend dienen US-Staatsanleihen und durch Hypotheken besicherte Schuldverschreibungen der staatlichen Hypothekenfinanzierer Ginnie Mae, Fannie Mae und Freddie Mac als Sicherheiten. Schuldner können aber auch Unternehmensanleihen, Aktien und verbriefte Kreditkarten-, Studenten- und Autokredite hinterlegen. Der Kreditnehmer in einem Repo-Geschäft verpflichtet sich, die Wertpapiere am Ende der vereinbarten Laufzeit zurückzukaufen, und zahlt zusätzlich Zinsen für den Kredit. Je nach Qualität der hinterlegten Sicherheit wird ein Sicherheitsabschlag abgezogen. Schlechtere Papiere werden also nicht zu 100 Prozent, sondern zum Beispiel nur zu 90 Prozent beliehen. Je besser die Bonität, desto geringer fällt dieser Abschlag aus.

Wer mit wem am US-Repo-Markt Geschäfte macht

Wer mit wem am US-Repo-Markt Geschäfte macht (zum Vergrößern bitte anklicken)

Das Besondere: Der Kreditgeber kann die als Sicherheit für seinen Kredit angenommenen Wertpapiere ebenfalls einsetzen, um andere Geschäfte zu schließen oder sie gar erneut zu beleihen. Der Kreditschöpfungsprozess durch die Hinterlegung von Sicherheiten hat somit einen Multiplikator-Effekt. Er funktioniert ähnlich wie der traditionelle Geldschöpfungsprozess, bei dem die Notenbank durch befristete Käufe von Wertpapieren den Geschäftsbanken kurzfristig Liquidität bereitstellt.

Die Kreditschöpfung über die mehrfache Verpfändung von Sicherheiten, sogenannte Beleihungs- oder Collateralketten, ist im heutigen Finanzsystem eine der Hauptquellen für Kredite. Ende 2007 führten die US-Banken rund 10.000 Milliarden Dollar an Sicherheiten. Dahinter verbarg sich aber letztlich nur ein tatsächlich verwertbares Wertpapiervolumen von etwa einem Drittel der ausgewiesenen Summe. Im Schnitt wurde eine Sicherheit also dreimal zur Kreditaufnahme eingesetzt.

Fed-Beschluss US-Banken brauchen dickere Liquiditätspolster

Die US-Finanzaufsicht fordert die amerikanischen Großbanken auf, besser für Krisenzeiten vorzusorgen. Die flüssigen Mittel müssen im Stressfall mindestens für 30 Tage reichen, sagt die Fed.

Fed-Chefin Janet Yellen Quelle: AP

Die eigentliche Aufgabe des Repo-Marktes besteht darin, kurzfristig Liquiditätsspitzen auszugleichen. Im Idealfall erhöht er so die Effizienz der Geldversorgung, auch zum Wohle der Realwirtschaft. Mittlerweile ist der Repo-Markt aber auch das wichtigste Schmiermittel für ein gigantisches Schattenbankensystem. Er bestimmt maßgeblich mit, wie viel Liquidität in die spekulativen Grauzonen der Finanzmärkte fließt.

Anzeige

5 Kommentare zu Repo-Markt: Das Frühwarnsystem der Finanzwelt zeigt Stress an

  • Es ist unvermeidbar, die Finanzkrise kommt zurück, stärker als zuvor. Die Staatsverschuldung ist in der westlichen Welt im Grunde genommen untragbar. Die Politiker haben kommplett versagt. Möglicherweise wird sich in vielen Staaten (insbesondere in Europa) die Systemfrage stellen und die Gesellschaftsverträge werden aufgekündigt. Deutschland ist ja zB entsollidarisiert in großen Bereichen (durch die Begünstigung der Industrie, der Politiker und Beamten und Funktionäre) und letztlich auch entdemokratisiert. Die Menschen haben es wohl gemerkt und ihre Konswquenzen gezogen (wie am Wochenende zu sehen)

  • Von einer grundlegenden Restrukturierung des gesamten Finanz- und Bankenmarktes kann also kaum eine Rede sein. Mit im Boot: Hedge- und Pensionsfonds, Versicherungen, Zweckgesellschaften in steueroptimierenden Steueroasen, die zudem mit vielfältigen staatlichen Subventionierungshilfen steuerfrei weiter gefördert werden.

    Man gibt untereinander Kredit, Grundlage dafür sind werthaltige Sicherheiten, Glaubwürdigkeit, Vertragstreue und Vertrauen. Weiteres Risikopotential: computergestützter Hochfrequenzhandel im Millisekundentakt, gefördert mit komplexen Anlageprodukten und diversen Absicherungen, die als Sicherheiten hinterlegt werden. Bricht ein Baustein aus diesem Gebäude, kommen zudem weitere Probleme hinzu, ist die nächste Finanz-, Wirtschafts-, Banken-, Staatsschuldenrefinanzierungs- und Währungskrise wieder auf dem Tableau. Und diesmal können die Notenbanken kaum mehr etwas erreichen. Zu groß sind die Volumina, die Problemstellunen, zu gewaltig sind die Abschreibungs- und Restrukturierungslasten.

    Niedrigstzinsen, Ankauf von Staatsanleihen, Bankenstützungen, Liquiditätshilfen für Banken bis zum Anschlag, wird der Kreditfluss unterbrochen, trocknet der Interbankenhandel aus, kommt es zu einer Kettenreaktion.

    Basel III sowie möglicherweise Basel IV stehen auf der Bankenagenda, Solvency II für die Versicherungsbranche dito. Der konjunkturelle Abschwung ist fragil, schwach und anfällig. Mit dem Start der europäischen Bankenunion und einem viel zu kleinen Abwicklungsfonds steigt unser Risiko. Zypern erlebt(e) Kapitalverkehrskontrollen, sollte es zu einer weiteren veritablen Finanzkrise kommen, sind europaweite Kapitalverkehrskontrollen zu erwarten, um die Banken- und Versicherungswirtschaft vor dem Zusammenbruch zu schützen. BIC und IBAN lassen grüßen. Zudem müsste die EZB ihre Positionen Target II, SMP, LTRO und ELA neu bewerten und einstufen. Die Rettungsfonds EFSF, EFSM und ESM wären ebenfalls betroffen, die Kreditwürdigkeit vieler €-Staaten käme unter Druck.

  • Die Hauptursache für den Zusammenbruch unseres Geldsystems ist der Zins.
    diese Tatsache wird leider peinlichst verschwiegen. Es gibt aber noch mehr Gründe.
    Die Hauptursache für die Notwendigkeit von Steuern ist die Tatsache, dass der Staat nicht selbst Geld schöpft und dieses in das Staatswesen investiert. Würde er das machen, hätte er keine Schulden und niemand müsste Steuern zahlen. Soweit die Theorie.
    Da der Staat aber das Monopol der Geldschöpfung an die Privatbanken abgegeben hat, muss er sich Geld vorerst von den Banken leihen. Diese schöpfen das Geld aus Luft und leihen es mit Zinseszins weiter. Der Zinseszins, welcher vom Steuerzahler bezahlt werden muss, bewirkt eine Exponentialfunktion der Schulden, sodass eine Tilgung unmöglich wird. Daher spricht man auch von Zinsknechtschaft.
    Dieses System ist NICHT alternativlos, wird aber von den Bankern auf das Heftigste verteidigt. Kennedy musste deswegen sterben. Die Wissensmanufaktur hat dazu einen Plan B. Unsere Politiker haben den EFSF, den ESM und andere Rettungsschirme, die aber schnurstracks in den Untergang führen.
    Unglaublich, nicht wahr? Deswegen zahlen wir Steuern und es ist nie genug.

Alle Kommentare lesen
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%