Rickmers-Anleihe: Anleger sollen hohem Verzicht zustimmen

Rickmers-Anleihe: Anleger sollen hohem Verzicht zustimmen

, aktualisiert 24. April 2017, 09:24 Uhr
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Der Reeder soll an seinem Konzern laut Plan nur noch 24,9 Prozent halten.

von Gertrud Hussla und Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Für die angeschlagene Hamburger Reederei Rickmers läuft die Zeit. Bis zum 10. Mai um Mitternacht müssen die Anleihegläubiger einem vorgeschlagenen Rettungsplan zustimmen. Eine Gläubigerversammlung gibt es nicht.

DüsseldorfEine Gläubigerversammlung, auf der besorgte Geldgeber den Rettungsplan der Hamburger Reederei Rickmers diskutieren könnten, wird es nicht geben. Stattdessen bittet Alleininhaber Bertram Rickmers, wie einem Schreiben vom Freitag zu entnehmen ist, die Inhaber der Schuldverschreibung um eine schriftliche Zustimmung – mit einer Frist bis zum 10. Mai um Mitternacht.

Im Mittelpunkt steht dabei eine der – dem Volumen nach – größten Anleihen im Mittelstandssegment: die 8,875-Prozent-Anleihe über 275 Millionen Euro, die Rickmers bis Juni 2018 zurückzahlen muss. Da sich dessen Finanzschulden zuletzt aber auf insgesamt 1,77 Milliarden Euro türmten, sind inzwischen sowohl Tilgung als auch Zinszahlungen mehr als fraglich. Lehnen die Gläubiger den Rettungsplan ab, warnt Rickmers, wäre der Fortbestand der Reederei gefährdet.

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Der Kern des Vorschlags: Anleihegläubiger erhalten zwar wie geplant die volle Zinszahlung auf ihre Anleihe im Juni 2017. Auf die Rückzahlung ihres Investments im Juni 2018 müssen sie jedoch verzichten. Die Laufzeit des Bonds soll bis Ende 2027 verlängert werden.

So lange müssen Anleger aber wohl nicht auf ihr Geld warten. Laut Rettungsplan wird der Alleininhaber auf 75,1 Prozent der Rickmers-Holding verzichten. Die Anteile werden auf eine Luxemburger Holding „LuxCo“ übergehen, die dann auch die Schuldnerin für die Anleihe sein wird. Die neue „LuxCo“ wird dann so rasch wie möglich einen Verkaufsprozess der 75,1 Prozent der Reederei starten. Die Erlöse aus der Veräußerung sollen dann im Wesentlichen auf die Anleihegläubiger und die HSH-Nordbank verteilt werden. Die HSH ist eine der Hauptgläubigerbanken und soll vorrangig 54,1 Millionen US-Dollar aus der Veräußerung erhalten. Vom Rest des Verkaufserlöses sollen den Anleihegläubigern mindestens 57,6 Prozent zufließen. Die HSH soll daraus mindestens 36,1 Prozent erhalten, etwaige „weitere Gläubiger“ 6,3 Prozent.

Die Überkapazitäten auf den Weltmeeren bringen der Hamburger Reederei, einem der größten Schiffsvermieter der Welt, seit Jahren hohe Verluste. Sobald es Rickmers wieder besser geht, könnte der Wert des Konzerns auf eine Milliarde Euro steigen, meinen Experten. Damit wäre die Anleihe, sollte der Rettungsplan Erfolg haben, derzeit zu billig. Zwei oder drei Jahre dürfte es wohl dauern, bis Rickmers saniert und zu 75,1 Prozent verkauft ist.

Zum Wochenende notierte der Rickmers-Bond bei nur noch 7,8 Prozent. Dieser Kurs spiegelt nicht einmal die für Juni zu erwartende Zinszahlung wider. „Die Kursreaktionen haben gezeigt, dass Anleger, die rauswollen, sich sehr schnell beim Kurs von 18 Prozent verabschiedet haben“, sagt ein Händler. „Wer drin ist, sollte dem Restrukturierungsplan eher auch zustimmen.“

Im ersten Abstimmungsverfahren müssen 50 Prozent der Gläubiger ihre Stimme abgeben. Der Plan hat Erfolg, wenn von diesen Gläubigern 75 Prozent dem Plan zustimmen. Reicht die Beteiligung nicht aus, genügen in einem zweiten Abstimmungsverfahren 25 Prozent der Stimmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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