Riedls Dax-Radar: Aktienkäufe lohnen sich immer noch

kolumneRiedls Dax-Radar: Aktienkäufe lohnen sich immer noch

Kolumne von Anton Riedl

Im Ölmarkt schürt die Mega-Fusion von Royal Dutch Shell und BG die Kursfantasie. Für Anleger stellt sich die Frage: Sind die großen Energieförderer jetzt ein klarer Kauf?

Für umgerechnet 64 Milliarden Euro will Royal Dutch Shell den britischen Gasproduzenten BG übernehmen. Das ist ein enormer Preis. Er liegt nicht nur gut 50 Prozent über den Durchschnittskursen der vergangenen Monate; er ist auch das Vielfache dessen, was an der Börse derzeit für Exxon, Statoil, BP, Chevron oder Eni bezahlt wird. Die kommen im Durchschnitt nur knapp auf einen Börsenwert in Höhe ihres jährlichen Geschäftsvolumens.

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BG wird in diesem Jahr wegen der gesunkenen Gaspreise wahrscheinlich nur umgerechnet 14 oder 15 Milliarden Euro Umsatz schaffen. Daran gemessen wäre der Kaufpreis also mehr als das Vierfache. Das ist sehr sehr teuer.

Fusion der Energieriesen Shell stößt neue Übernahmewelle an

Der niedrige Ölpreis zwingt Öl- und Gaskonzerne, sich neu zu sortieren. Die milliardenschwere Übernahme des britischen Gasproduzenten BG Group durch Shell ist der Auftakt für eine neue Übernahmewelle in der Branche.

Die Shell Niederlassung in Den Haag. Quelle: AP

Nun, die Manager von Royal Dutch werden es sich bestimmt reiflich überlegt haben, warum sie so viel bieten. Es geht um Gasreserven und das wachstumsstarke Geschäft mit Flüssiggas – mit dem man unabhängig wird vom russisch dominierten Pipeline-Geschäft.

Die für Anleger indessen entscheidende Frage ist: Steckt in den Energieunternehmen etwa viel mehr drin, als an der Börse bisher gedacht wurde? Sind die großen Energieförderer jetzt ein klarer Kauf?

Fracking-Folgen und Russland-Krise

Die Aktien der großen Energiekonzerne sind deshalb gesunken, weil sich die Energiepreise in den vergangenen Monaten halbiert haben. Dies wurde in dieser Heftigkeit an den Kapitalmärkten keineswegs erwartet. Im Gegenteil: Eigentlich hätte die Russlandkrise vor allem wegen eines zugedrehten Gashahns zu einer Verknappung und damit Verteuerung von Energie führen sollen.

Doch es kam ganz anders. Weil die russische Wirtschaft (auch wegen der Sanktionen) immer tiefer in die Krise geriet, fließt nun immer mehr russisches Öl auf den Weltmarkt. Dort verstärkt es das Angebot, das durch die außergewöhnliche Ausbeute der US-Fracking-Unternehmen ohnehin schon ziemlich groß geworden ist. Und selbst die Opec gießt noch Öl ins Feuer und verordnet keine Produktionsdrosselung, weil sie ihrerseits mit niedrigen Preisen die neue Konkurrenz aus den USA austrocken will.

Eine Mega-Übernahme in der Öl- und Gasbranche zeichnet sich ab: Shell will BG Group schlucken. Nun wird an den Börsen weltweit über weitere Fusionen spekuliert und das sieht man auch an den Aktienkursen.

Unterm Strich werden die großen Energieförderer in diesem Jahr dramatische Umsatz- und Gewinnrückgänge erleiden – Exxon genauso wie Royal Dutch und BG. Im Durchschnitt kann der Umsatz um 20 bis 30 Prozent zurückgehen, die Gewinne sich sogar halbieren.

Preisverzehnfachung nach dem Ölcrash

Doch genau in solchen Krisenzeiten der Branche wird zugeschlagen. Das war zwischen 1998 und 2001 der Fall, als Chevron mit Texaco fusionierte, BP mit Amoco und Exxon mit Mobil. Und das könnte jetzt wieder ähnlich kommen, denn Kapital ist bei den Großen genug da. Exxon zum Beispiel hat 175 Milliarden Dollar Eigenkapital in der Bilanz stehen – das ist deutlich mehr als selbst Apple hat.

Die damalige Übernahmewelle lehrt noch eines: Als die Fusionen stattfanden, war der Ölpreis an einem langjährigen Tiefpunkt angelangt. Und in den zehn Jahren danach stieg er in der Spitze um fast 1000 Prozent.

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