Riedls Dax-Radar: Aktienmarkt birgt Rückschlagrisiko bis 11.000 Punkte

kolumneRiedls Dax-Radar: Aktienmarkt birgt Rückschlagrisiko bis 11.000 Punkte

Kolumne von Anton Riedl

Das Umfeld für den Dax bleibt zwar freundlich. Ein möglicher Grexit hat seinen Schrecken verloren. Dennoch dürfte zunächst eine kräftige Korrektur einsetzten.

Der entscheidende Stabilisator für den europäischen Aktienmarkt ist der Mix, der die Kurse schon in den vergangenen Monaten soweit nach oben gebracht hat: niedrige Zinsen, billige Energie und der günstige Euro. Dieser Mix wirkt umso mehr, da ihn in seiner jetzigen Dimension fast niemand so auf der Rechnung hatte: Wer hat schon in der zweiten Jahreshälfte 2014 gesagt, der Euro verliert ein Drittel, der Ölpreis halbiert sich und die Marktzinsen gehen gegen Null.

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Meilensteine des Dax von 1988 bis 2015

  • 1. Juli 1988

    Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten.

  • 16. Oktober 1989

    Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

  • 18. November 1996

    Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu.

  • 28. Oktober 1997

    Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

  • 28. November 1997

    Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für "Exchange Electronic Trading" - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an.

     

  • 7. März 2000

    Der Dax erreicht ein Hoch von 8136,16 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber.

  • 11. September 2001

    Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

  • 12. März 2003

    Der Dax rutscht unter 2.200 Punkte und notiert damit so niedrig wie zuvor im November 1995. Doch mit der Erholung der Weltwirtschaft wächst das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

  • 13. Juli 2007

    Mit 8151 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein - trotz erster Bankenpleiten und Not-Eingriffen der Europäische Zentralbank (EZB) am Geldmarkt.

  • 15. September 2008

    Mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kehrt wieder Ernüchterung ein. Im Oktober 2008 folgt ein schwarzer Tag auf den anderen. Dabei liegt der Dax-Kurs zeitweise 30 Prozent unter dem Niveau vom Monatsbeginn.

  • 9. März 2009

    56 Prozent hat der Dax seit dem Hoch vom 13. Juli 2007 eingebüßt. Mit 3588 Punkten erreicht er zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch kurz darauf wirft die US-Notenbank Fed die Notenpresse an. Jetzt geht es bergauf.

  • 8. März 2013

    Der Dax notiert erstmals seit dem 2. Januar 2008 wieder über 8000 Zählern.

  • 5. Juni 2014

    Die Entscheidung der EZB, die Zinsen weiter zu senken, treibt den Dax erstmals über die 10.000-Punkte-Marke.

  • 22. Januar 2015

    Nach dem Vorbild der Fed wirft auch die EZB die Notenpresse an. Der Dax, der in Erwartung dieses Schritts seit Monaten im Aufwind ist, beschleunigt seinen Anstieg und steigt am darauffolgenden Tag auf bis zu 10.704,32 Punkte. Es ist der sechste Handelstag in Folge mit einem Rekordhoch.

  • 13. Februar 2015

    Anleger hoffen auf einen guten Ausgang des Verhandlungspokers im griechischen Schuldenstreit. Der Dax knackt erstmals die 11.000-Punkte-Marke und notiert in der Spitze 0,9 Prozent höher bei 11.013,85 Zählern. Griechenland droht die Staatspleite, da das aktuelle Hilfsprogramm Ende Februar ausläuft und Athen keine Verlängerung beantragen will.

  • 16. März 2015

    Getrieben von der Geldflut der Notenbanken und begünstigt durch einen schwachen Euro - der der deutschen Exportindustrie hilft - hat den Dax am Montag, 16. März 2015, erstmals die Schwelle von 12.000 Punkten übersprungen. In der Vorwoche hatte er mehrmals diese Marke anvisiert, war aber immer knapp gescheitert. Der deutsche Leitindex war zu diesem Zeitpunkt bereits neun Wochen in Folge gestiegen.

Die bisherigen Korrekturmomente im Dax kamen zeitgleich mit den Rückschlägen bei diesem Hausse-Mix. Von Februar bis März ging der Ölpreis um 30 Prozent nach oben, zuletzt vor allem, weil die Angst vor den Folgen der Jemenkrise die Anleger verunsicherte. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises über 60 Dollar hinaus (in der Sorte Brent) könnte den Aktienmarkt durchaus ins Wanken bringen.

Doch ein nachhaltiger Ölpreisanstieg ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Sollte es bei den Verhandlungen mit dem Iran doch noch zu einer verträglichen Einigung kommen, könnte in Zukunft auch noch mehr iranisches Öl auf den Weltmarkt strömen. Zudem dürften die Saudis alle Hebel in Bewegung setzten, sich im geografisch neuralgischen Jemen nicht an den Rand drängen zu lassen. Nebenbei sind die Öltanks weltweit randvoll. So gesehen spricht derzeit eindeutig mehr dafür, dass der Ölpreis in den nächsten Monaten am Boden bleibt und womöglich sogar wieder unter 50 Dollar sinkt.

Dann dürfte sich auch die jüngste, leicht inflationäre Tendenz, die sich in der EU zeigte, wieder abschwächen. Bis Jahresende könnte es dann auf die von der EZB ins Auge gefasste Inflation von null Prozent hinauslaufen.

US-Märkte dämpfen den Dax        

Das aber heißt: An der geldpolitischen Linie der EZB wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Das wiederum hält die Zinsen unten und wird auch den Euro wieder drücken. Charttechnisch war der Ausflug auf 1,10 Dollar nur eine klassische Gegenreaktion im langen Abwärtstrend.

Das Durchatmen ist schon wieder vorbei: Die Dax-Anleger haben am Morgen wieder zu Aktien gegriffen. Der Dax klettert zurück über die 12.000 Punkte. Ein Grund: In den Industrieunternehmen der Eurozone ist die Stimmung besser als erwartet.

Für europäische Aktien ist damit das Umfeld mittelfristig (für die nächsten Monate) in Ordnung. Allerdings dämpft eine Gefahr, auf die hier schon mehrmals hingewiesen wurde: Die Entwicklung in Amerika.

Hier haben die jüngsten Konjunkturdaten wieder gezeigt, dass der Aufschwung zwar läuft, dass er aber keineswegs unverwundbar ist. Mehr und mehr spüren die amerikanischen Unternehmen den in den vergangenen Monaten starken Dollar. Er ist vor allem deshalb so stark geworden, weil international immer mehr Länder dazu übergegangen sind, über die Schwächung des eigenen Geldes ihre Wirtschaft anzutreiben und deflationäre Tendenzen zu bekämpfen.

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