Riedls Dax-Radar: Amerikanische Stärke gegen britischen Sonderweg

kolumneRiedls Dax-Radar: Amerikanische Stärke gegen britischen Sonderweg

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Ein Blick auf den Dax am 16. Juni.

Kolumne von Anton Riedl

Brexit-Ängste lassen den Dax taumeln, doch die Geldpolitik der Fed und die robusten US- Finanzmärkte sind eine entscheidende Stütze.

Verhaltene Arbeitsmarktdaten und die Angst vor dem Brexit haben die amerikanische Notenbank-Chefin Janet Yellen bewogen, die Zinsen erst einmal nicht anzuheben. Ob sie das im Juli nachholt, ist fraglich. Die Weltbank hat ihre Prognose für das internationale Wachstum vor Kurzem von 2,9 Prozent auf 2,4 Prozent gesenkt; das spricht eher gegen höhere Zinsen. Auch andere Prognosen gehen mittlerweile nur noch von einem verhaltenen Wachstum der US-Wirtschaft aus. Die Dynamik der Unternehmensgewinne in den Vereinigten Staaten flaut ab. Ein solches Umfeld drängt nicht nach höheren Zinsen.

Ohnehin dürfte die amerikanische Notenbank-Chefin zufrieden sein, dass sie wieder an Souveränität gewonnen hat. 2015 sprach sie frühzeitig von der Zinswende, kam aber zunächst nicht zum Handeln. Dann, als sie im Dezember vergangenen Jahres den Hebel umlegte, war es fast schon zu spät – und der schwache Jahresstart 2016 an den Börsen brachte sicher auch den einen oder anderen Falken ins Wanken.

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Doch diese Hängepartie hat die US-Notenbank überstanden: Die erste Zinserhöhung ist verdaut, von Abschnürung der Wirtschaft kann keine Rede sein - und die amerikanischen Finanzmärkte sind in einer guten Verfassung: US-Treasuries bringen 1,6 Prozent Rendite auf zehn Jahre. Das ist ein wesentlich realistischeres Niveau als es die Negativ-Bunds hierzulande bieten.

Führender Dollar gegen weltweite Weichwährungen

Zudem ist die internationale Spitzenposition des US-Dollars weniger denn je gefährdet, ohne dass der Dollar dabei für die US-Wirtschaft unangenehm teuer wäre. Im Gegensatz dazu bieten die anderen Währungen ein diffuses Bild:

- Der Euro leidet nicht nur unter der Krise des alten Kontinents, mittlerweile wachsen die Zweifel an seiner dauerhaften Existenz. Wer kann heute schon mit Sicherheit sagen, in welcher Währung er Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren oder mehr eines Tages zurückbekommt?

- Darin liegt auch ein Charme, der Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland derzeit ganz besonders attraktiv macht; ein Effekt, der die Zinsen hierzulande noch weiter ins Negative zieht.

- Das Pfund Sterling diskreditiert sich durch das Risiko des britischen Sonderwegs. Selbst wenn die Briten in der EU bleiben sollten, ist das derzeit ausgedrückte Misstrauen alles andere als ein Anreiz für internationale Investoren.

- Der chinesische Renminbi, der zwischenzeitlich immer wieder als neue Weltwährung eingestuft wurde, hat durch die wirtschaftliche Zitterpartie Chinas an Renommee verloren.

- Von den großen Schwellenländerwährungen hat die Rupie wegen der Aufbruchsstimmung der indischen Wirtschaft etwas mehr Substanz. Rubel, türkische Lira und brasilianischer Real müssen sich nach massiven Turbulenzen erst wieder stabilisieren.

- Bleibt der Schweizer Franken. Doch auch der ist für Anleger nicht automatisch ein Hort der Stabilität – spätestens, seitdem die Schweizer Nationalbank vor eineinhalb Jahren ihn von der Leine ließ. In den vergangenen drei Jahren schwankte der Franken gegenüber dem Euro wild zwischen 0,80 und 1,00 Euro.

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