Dax-Rekord! Warum der Aktienmarkt besser als sein Ruf ist

kolumneRiedls Dax-Radar: Dax-Rekord! Warum der Aktienmarkt besser als sein Ruf ist

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Von Währungsängsten ist am deutschen Aktienmarkt noch nichts zu spüren.

Kolumne von Anton Riedl

Im Tagesverlauf hat der Dax ein neues Allzeithoch erreicht. Und nach kurzen Kurskorrekturen einzelner Aktien spricht die Stärke des Gesamtmarkts für einen weiteren Dax-Anstieg. Anleger sollten aber die Risiken kennen.

Spekulationen auf ein schnelleres Wachstum der Weltwirtschaft und überraschend starken US-Konjunkturdaten haben nicht nur die Wall Street, sondern auch den Dax am Freitag beflügelt. Der deutsche Leitindex stieg um 1,4 Prozent und notierte mit 12.846 Punkten so hoch wie noch nie. Damit könnte der Leitindex seine seit Mitte Mai nahezu zementierte Handelsspanne zwischen 12.500 und 12.700 Punkten hinter sich gelassen haben. Auch der MSCI-Weltindex hatte am Morgen bereits seine bisherige Bestmarke übersprungen.

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Je höher der Aktienmarkt klettert, umso stärker richten Anleger den Blick auf die Risiken. Die Angst vor der Zinswende war und ist das zentrale Argument, das die große Hausse an den Aktienmärkten ins Wanken bringen kann. Auch wenn man nicht zu denjenigen gehört, die den Aufschwung zuallererst als Blase der Notenbanken abtun, wäre ein deutlicher Zinsanstieg für Aktien ein Nachteil.

Doch nach einem großen Zinsanstieg sieht es derzeit überhaupt nicht aus. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa und Deutschland ist die Inflation – die ohnehin nur mühsam in Gang gebracht wurde –wieder auf dem Rückzug. Zinserhöhungen durch die Notenbanken werden damit wieder unwahrscheinlicher. Und wenn sie doch kommen sollten, dürften sie nur marginal ausfallen – und womöglich versehen mit dem salomonischen Hinweis, dass es damit erst einmal genug sei.  

Der Rückgang der Inflationsdaten überrascht nicht. Seit Monaten ist absehbar, dass die Energiepreise nicht durchstarten. Zwar hält sich der Ölpreis um 50 Dollar, doch im Szenario einer Öl-Hausse hätte er schon lange bei 60 bis 70 Dollar sein müssen. Bei den Inflationsdaten, die ohne Energie gerechnet werden, hatte sich schon bisher kaum etwas bewegt.

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An den Kapitalmärkten setzt sich diese Tendenz immer deutlicher durch. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen liegen mit gut 2,2 Prozent am unteren Rand ihrer mittelfristigen Schwankungen. Eine solche Konstellation spricht nicht für einen schnellen und starken Zinsanstieg. Im Gegenteil: Wenn man an die derzeit nur flaue Entwicklung der US-Wirtschaft denkt, wäre sogar ein Rückgang in den Bereich um zwei Prozent nicht ausgeschlossen. Als Prognose für den weiteren Jahresverlauf könnte sich bei den US-Bonds eine Spannweite zwischen 2,0 und 2,5 Prozent ergeben.

Bemerkenswert ist, dass die Renditen in Deutschland und Europa derzeit stabiler aussehen als in Amerika. Die Bund-Rendite und die Umlaufrendite liegen nicht am unteren Rand ihrer mittelfristigen Schwankungen (wie in den USA), sie halten sich gut in der oberen Mitte. Insgesamt sieht es so aus, als ob sich der Renditeabstand zwischen USA und Europa weiter verkleinert.

Steht der Euro vor dem großen Comeback?

Die wichtigste Folge dieser Entwicklung ist, ganz klassisch, die Erholung des Euro. Gegenüber dem Dollar hat der Euro nicht nur den Ausrutscher zu Beginn des Jahres ausgebügelt. Es sieht ganz danach aus, dass die Europa-Währung in den nächsten Wochen bis auf 1,15/1,16 Dollar hochmarschiert.

Mehr noch: Wenn man die Wertentwicklung des Euro gegenüber allen wichtigen Währungen Revue passieren lässt, gibt es reihenweise Stärkesignale für den Euro. Eine solche Ballung hat es seit mehreren Jahren nicht mehr gegeben.

Diese Euro-Stärke passt sowohl zum Verhältnis der Zinsen am langen Ende als auch zur Konjunktur. Und sie korreliert mit der Tatsache, dass die USA sich unter Trump schrittweise von der Weltbühne verabschieden – und genau deshalb Europa stärker werden muss. Europa bedeutet wirtschaftlich vor allem Deutschland – was sich übrigens in der führenden Bedeutung des Bund-Futures manifestiert.

Spannend wird es dann, wenn der Euro 1,16 Dollar erreicht. Sollte er hier weiterkommen, wäre das ein Signal für das Ende der großen Abwärtsbewegung, die immerhin 2008 begonnen hat. Damals hatte der Euro in der Spitze fast 1,60 Dollar erreicht.

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