Riedls Dax-Radar: Der Dax ist angeschlagen, geht aber nicht k.o.

kolumneRiedls Dax-Radar: Der Dax ist angeschlagen, geht aber nicht k.o.

Kolumne von Anton Riedl

Scharfe Kursrücksetzer offenbaren die Schwäche des deutschen Aktienmarkts. Dennoch, auch wenn der Dax noch etwas nachgeben könnte, hat er in den nächsten Wochen die Chance auf eine deutliche Erholung. 

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Der Dax hat in den kommenden Wochen die Chance auf eine deutliche Erholung.

Zwei Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die Verfassung des Aktienmarkts: Der Hype um den Bitcoin und andere Kryptowährungen lässt weltweit High-Tech-Titel plötzlich taumeln. Die Angst geht um, dass sich etwa die Erwartungen an Chipunternehmen nicht erfüllen und der Bedarf spezieller Halbleiter nicht so groß sein könnte, wie erwartet.

Jenseits solcher konkreter Argumentationsketten aber kommt auch die Angst auf, dass der Hype um den Bitcoin ähnlich wie im Jahr 2000 ein typisches Zeichen für eine generelle Überspekulation ist – und jetzt erwischt es vor allem die Anlagepapiere, die in den vergangenen Jahren besonders gut gelaufen sind, vor allem eben High-Tech-Werte.

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Zweites Ereignis: Da steht mit dem Medizintechnik-Geschäft von Siemens in Deutschland der größte Börsengang seit der Telekom vor der Tür, also seit 21 Jahren. Und was macht die Siemens-Aktie? – Nach einem kurzen Hüpfer auf 116 Euro geht es sogar nach unten. Am Freitag (1. Dezember) testet die Aktie sogar die letztwöchigen Tiefpunkte um 112 Euro.

Beide Ereignisse zeigen, dass die Nervosität am Markt zunimmt. Das wäre kein Problem, wenn die Kurse eine längere Abwärtsbewegung hinter sich hätten. Unsicherheit und Ängste sind in so einem Fall typisch. Doch der Dax ist seit Februar 2016 um 52 Prozent gestiegen. Ein solcher Markt ist anfällig, auch wenn das Umfeld nicht schlecht ist. Weder sind wirtschaftliche Schwächen in Sicht noch gefährliche Zinserhöhung.

Wenn der Dow Jones nicht kracht, gibt es auch keinen Crash im Dax

Es gibt sogar positive Signale. Das wichtigste ist die Stärke des amerikanischen Aktienmarktes. Besonders gut sichtbar ist das am Dow Jones, in dem vor allem klassische Industrie, Handel und Wirtschaft steckt.

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Der Anlagestil von Warren Buffett ist einmalig. Quelle: REUTERS

Befeuert durch die Hoffnung auf eine Steuerreform hat der Dow Jones gestern (30. November) ein All-Time-High markiert. Im Augenblick sieht es zwar bei der US-Steuerreform nach einer Zitterpartie aus, doch hier dürfte es eher um Machtspiele und kleinere Justierungen gehen als um eine grundsätzliche Blockade.

 Der Markt amerikanischer Blue-Chips ist aktuell in einer sehr robusten Verfassung. 26 der 30 Dow-Werte verlaufen oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Das ist eine Hausse-Quote von 87 Prozent. Von den Nachzüglern könnten Walt Disney und IBM auch bald wieder nach oben drehen. Dann wären nur noch Merck und das Katastrophen-Unternehmen General Electric im Abwärtstrend. Beide sind angesichts schwerer eigener Probleme überhaupt nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt. Mit anderen Worten: Im Dow Jones bestätigen praktisch alle Blue Chips die laufende Aufwärtsbewegung.

 Seitdem der Dow Jones die meistbeachtete Börsenkurve ist, seit mehr als einem Jahrhundert, hat es noch nie einen großen Crash ohne ihn gegeben. Sei es der Crash von 1929, der Kursschock von 1987, die High-Tech-Baisse nach der Jahrtausendwende oder die Finanzkrise 2008. Die aktuell stabile Verfassung des Dow Jones macht damit auch jetzt einen großen Crash ziemlich unwahrscheinlich. Auch Dax-Anleger müssen derzeit keine Untergangsängste haben.

 Spürbare Kursverluste allerdings sind aber schon möglich. Nachdem der Dax im September und Oktober 1500 Punkte gewonnen hat, könnte es in einer klassischen Gegenreaktion zunächst rund 600 Punkte nach unten gehen. Gemessen vom Hoch bei 13.500 wäre das etwa bis 12900. Genau hier findet seit mehreren Tagen der Versuch einer Bodenbildung statt. Sollte diese Stabilisierung nicht gelingen, dürfte es auf die 200-Tage-Linie hinabgehen. Die verläuft derzeit bei 12500 Punkten und dürfte bis Jahresende, je nach aktueller Dax-Entwicklung, etwa 12600 erreichen. Hier läge die zweite, wichtige Auffangzone.

Der Euro hat zunächst Luft bis etwa 1,20 Dollar

 Ein wichtiger Grund für die relative Schwächer deutscher und europäischer Aktien ist der starke Euro. Seitdem die EU-Währung gegenüber dem Dollar die Zone 1,15/1,16 überwunden hat, läuft eine klassische Aufwärtsbewegung. Dahinter steht fundamental die gute Entwicklung der Wirtschaft in Europa und geldpolitisch die Erwartung, dass die EZB 2018 mit restriktiven Schritten das Ende der ultralockeren Geldpolitik einleitet.

 Kurzfristig kommt es an der Börse nicht darauf an, diese Einschätzung stimmt. Es ist durchaus möglich, dass die EZB weiterhin sehr großzügig bleibt und weniger an der Zinsschraube dreht als erwartet. Dann dürfe auch der Euro schnell wieder an Dynamik verlieren. Doch im Augenblick drängt er an den Währungsmärkten nach oben und könnte noch in diesem Jahr 1,20 Dollar erreichen. Im Dax könnte das mit einem Rücksetzer auf 12.700 bis 12.600 einhergehen.

Fazit: Kurzfristig dürfte die relative Schwäche, vor allem gegenüber US-Aktien, weiter anhalten. Ein Rückgang in die Zone 12.700 bis 12.500 wäre möglich, spätestens dann aber sollte ein schneller Dreh nach oben erfolgen. Die robuste Verfassung des Dow Jones spricht dafür, dass das große Hausse-Szenario weiter intakt ist.

Der nächste Dax Radar erscheint erst wieder Mitte Dezember.

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