Riedls Dax-Radar: Deutscher Aktienmarkt hält Kurs

kolumneRiedls Dax-Radar: Deutscher Aktienmarkt hält Kurs

Kolumne von Anton Riedl

Trotz Zinsanstieg, Euro-Erholung und wieder teurem Öl halten sich die Aktien. Ein gutes Zeichen für die nächsten Monate.

Der Wahlausgang in Großbritannien hat die Angst vor einem Brexit genommen und dem Pfund einen weiteren Schub gegeben. Die britische Währung gehört seit vielen Monaten zu den favorisierten Anlagen der WirtschaftsWoche. Mehrmals vorgestellte Anleihen in Pfund Sterling haben seit Herbst bisher zweistellige Prozente gebracht (aus Währung, Kurs und Zins). Sie dürften auch auf absehbare Zeit ein wichtiger Bestandteil in einem international ausgerichteten Depot sein.

Dabei hat sich die Lage gerade für Anleiheinvestoren in den vergangenen Wochen durchaus verändert – und das hat auch Rückwirkungen auf die Aktienmärkte.

Anzeige

Gross gegen Draghi

An den Zinsmärkten wird derzeit der Coup des legendären amerikanischen Anleihe-Spezialisten Bill Gross gefeiert, der nahe dem bisherigen Tiefpunkt der Zinsen gegen Bundesanleihen gewettet hat – und der scharfe Renditeanstieg von 0,05 Prozent auf mittlerweile mehr als 0,6 Prozent hat ihm Recht gegeben.

Was den Ölpreis bestimmt

  • Nachfrage

    Der Ölbedarf hängt stark von der Konjunktur ab. Mit zunehmenden Wirtschaftswachstum steigt auch der Ölverbrauch. So ist der Bedarf nach Öl in den boomenden Schwellenländern China, Indien und Russland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen und hat diese Länder zu den größten Ölverbrauchern der Welt gemacht. Hinzu kommen saisonale Einflüsse, etwa vor dem Winter mit steigendem Heizölbedarf oder der so genannten „Driving Season“ in den USA, weil dann der Benzinverbrauch sprunghaft steigt.

  • Preiselastizität

    Der Ölpreis hat kaum Auswirkungen auf die Nachfrage, da der Ölverbrauch bei steigendem Ölpreis nicht einfach so eingeschränkt werden kann – man spricht von einer preisunelastischen Nachfrage.

  • OPEC

    Der Verbund der Erdöl fördernden Länder spricht sich regelmäßig bezüglich der Fördermenge ab, was natürlich Auswirkungen auf den Ölpreis hat. Sollten sich vor allem die arabischen Länder auf ein Senkung der Fördermenge einigen, verknappt dies das Angebot und treibt den Preis für Rohöl.

  • Erdölreserven

    Erdöl ist grundsätzlich ein knappes Gut, aber es herrscht auch viel Unsicherheit darüber, wie lange die Vorkommen reichen. Hinzu kommt, dass mit steigendem Ölpreis auch der Abbau nur zu höheren Produktionskosten abbaubarer Ölvorkommen eher lohnt, z.B. die Ölgewinnung aus Ölschiefer, Ölsand oder durch Tiefsee-Bohrungen. Außerdem neigen die großen Raffinerien ebenso wie Staaten dazu, ihre Lagerhaltung auszuweiten, wenn der Ölpreis starken Schwankungen unterliegt. Stocken diese Marktteilnehmer ihre Lagerbestände massiv auf, sorgt die erhöhte Nachfrage kurzfristig für neue Preishochs.

  • Finanzmarkt

    An den Börsen wird Öl in Form von Terminkontrakten gehandelt. Die Marktteilnehmer kaufen also Öl, das erst zu einem späteren Zeitpunkt zum vereinbarten Preis geliefert wird. Vom Spotpreis wird gesprochen, wenn es sich um kurzfristige Terminkontrakte handelt, bei denen das Öl innerhalb von zwei Wochen geliefert wird. Längerfristige Terminkontrakte können auch für Spekulanten attraktiv sein.

  • Wechselkurse

    Der US-Dollar ist die Standardwährung im Rohstoffmarkt. Eine Änderung des Dollar-Kurse hat somit Einfluss auf die Ertragslage des Erdölexporteurs. Auf Staatenebene spielt dabei eine Rolle, wie viele Güter in der Handelsbilanz stehen, die in Dollar bezahlt werden. Die erdölexportierenden Länder haben daher Interesse daran, bei einem fallenden Dollarkurs die Exportpreise für Erdöl etwa durch Angebotsverknappung anzuheben.

Allerdings, Marktkenner sagen, dass Gross selbst dabei keineswegs besonders stark investiert gewesen sei. Ein Wunder ist das nicht, da er ja schon mehrmals auf einen Zinsanstieg gesetzt hat und ihn das sicherlich bisher einiges gekostet haben dürfte.

In der Tat waren und sind die beiden Grundgedanken von Gross durchaus einleuchtend: Zum einen kann eine Wirtschaft, die (wie die deutsche) mit etwa zwei Prozent wächst und dazu in diesem oder nächsten Jahr noch etwas Inflation hervorbringen dürfte, nicht auf Dauer mit null Prozent Zinsen auskommen. Erst recht nicht, wenn etwa im Dollar-Raum das Zinsniveau schon wesentlich höher ist.

Zeichen für Zinswende?

Ohne Frage, der jüngste Kurssturz bei Bundesanleihen und der entsprechende Zinsschub sind ein Zeichen dafür, dass der Markt beim endlosen Spiel administrativ verordneter Zinssenkungen nicht mehr mitmacht.

Spätestens seitdem negative Renditen real geworden sind und nicht mehr nur professionelle Anleger betroffen sind, ist die gesamte Zinspolitik an einer Grenze angekommen – man könnte auch sagen: mit ihrem Latein am Ende. 

Nach dem stärksten Verfall der Renditen in den vergangenen 30 Jahren gab es nun den stärksten Anstieg der Renditen. Natürlich ist es gut möglich, dass die EZB demnächst wieder gegensteuert. Dennoch dürfte mit dieser extremen Volatilität die Phase der andauernden Zinsrückgänge beendet sein. Nicht nur aus technischen Gründen, weil der Anleihemarkt extrem ausgetrocknet ist; sondern auch weil es auf der Inflationsseite wahrscheinlich bald wieder einen Anstieg gibt: Grund dafür ist die Entwicklung auf dem Ölmarkt.

Und jetzt wird auch noch Rohöl teurer

Im Januar lief der Ausverkauf weit unter 50 Dollar. Die Prognosen der Banken sahen schon 20 Dollar in Reichweite. Stattdessen stieg Öl zunächst auf 60, schwächte sich danach noch etwas ab – und arbeitet sich jetzt wieder in Richtung 70 Dollar je Barrel hoch.

Der Ölpreis ist im vergangenen Jahr so stark gesunken, weil erst die Überproduktion aus US-Schiefergestein den Weltmarkt überschwemmte, dann hohe russische Exporte, und schließlich hat die Opec auch nichts gegen die Baisse unternommen – womöglich um die ungeliebte US-Konkurrenz zu schwächen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%